Japan: Ex-Premier Tomiichi Murayama ist tot

Datum17.10.2025 09:53

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer ehemalige japanische Premierminister Tomiichi Murayama ist im Alter von 101 Jahren verstorben. Er wird vor allem für seine zentrale "Murayama-Erklärung" von 1995 in Erinnerung bleiben, in der er sich für Japans Kriegsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs entschuldigte. Diese offizielle Entschuldigung wurde international begrüßt, bleibt jedoch angesichts nationalistischer Tendenzen in Japan umstritten. Murayama, der erste sozialistische Regierungschef Japans seit fast 50 Jahren, hatte sich im Jahr 2000 aus der Politik zurückgezogen und war ein Verfechter friedlicher Beziehungen zu China.

InhaltDer frühere japanische Regierungschef Tomiichi Murayama war vor allem dafür bekannt, dass er für Japans Verbrechen im Zweiten Weltkrieg um Entschuldigung gebeten hat. Nun ist er im Alter von 101 Jahren gestorben. Wohl keine offizielle Bitte um Entschuldigung Japans wegen seiner Verbrechen während der Kolonialherrschaft und im Zweiten Weltkrieg in Ostasien war so deutlich wie die Erklärung des damaligen Premierministers Tomiichi Murayama im Jahr 1995. Nun ist Murayama im Alter von 101 Jahren in einem Krankenhaus in der Stadt Oita gestorben. Das gab die Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Mizuho Fukushima, in einem Post bei X  bekannt. Murayama war Japans erster sozialistischer Regierungschef seit fast 50 Jahren. Bekannt ist er hauptsächlich für die "Murayama-Erklärung" zum 50. Jahrestag des Kriegsendes. Darin hatte er ein "tiefes Gefühl der Reue" und eine "von Herzen kommende Entschuldigung" für das von Japan in Asien verursachte "enorme Leid" offiziell ausgedrückt. Die Erklärung wurde von den USA und vielen asiatischen Ländern, darunter Südkorea und China, begrüßt, wo die Wunden der japanischen Besatzungszeit noch tief sitzen. Die mangelnde Aufarbeitung und Anerkennung dieser Verbrechen durch Japan wird in China bis heute genutzt, um antijapanische Ressentiments zu schüren. Wegen der Verbrechen im 20. Jahrhundert wird in Ostasien auch auf Japans jüngste Aufrüstung  mit gemischten Gefühlen geblickt. Während seiner Amtszeit stand Murayama wegen einer angeblich schleppenden Reaktion auf das Kobe-Erdbeben von 1995 in der Kritik. Bei dem Erdbeben starben mehr als 6000 Menschen. Murayamas Erklärung ist bislang die anerkanntermaßen klarste und ehrlichste Entschuldigung eines japanischen Premierministers. Nachfolgende Regierungen bezogen sich stets darauf, bis der nationalistische Premier Shinzō Abe 2013 aufhörte, sich zu entschuldigen. "Die Murayama-Erklärung von 1995 halte ich für politisch äußerst bedeutsam", schrieb Sozialdemokratin Fukushima in ihrem Post. Im Jahr 2000 hatte sich Murayama aus der Politik zurückgezogen. Er kritisierte jedoch die zunehmenden Versuche nationalistischer Abgeordneten, die Entschuldigung für die erzwungene Prostitution asiatischer Frauen in japanischen Militärbordellen zu diskreditieren. 2020 sprach er sich für eine freundliche und friedliche Politik seines Landes gegenüber China aus.