Spritpreisregelung: Zwangspause auf dem Preismast?

Datum17.10.2025 15:30

Quellewww.zeit.de

TLDRBaden-Württemberg plant eine Regelung, die die Spritpreise an Tankstellen auf einmal tägliche Erhöhungen beschränken soll, um den häufigen Preisschwankungen ein Ende zu setzen. Der ADAC und Tankstellenverbände warnen jedoch, dass dies zu höheren Durchschnittspreisen führen könnte, da die Konzerne Preiserhöhungen vorab stärker kalkulieren würden. Das Modell soll unter anderem mehr Vorhersehbarkeit bieten, jedoch kritisieren Experten, dass es den Wettbewerb einschränkt und nicht zwangsläufig zu niedrigeren Preisen führt.

InhaltNach dem Willen Baden-Württembergs sollen die Spritpreise an deutschen Tankstellen nur noch einmal am Tag steigen dürfen. Der ADAC hält die Idee für einen Preistreiber. Vielfahrer kennen das: Frühmorgens schießen die Preise für Benzin, Diesel und andere Kraftstoffe nach oben, um im Tagesverlauf zickzackartig zu fallen. Die Zahlen an der Preistafel blinken, springen und verändern sich mehrfach, teilweise während man selbst in der Schlange zur Zapfsäule wartet.  Dass dies nicht nur ein Gefühl ist, zeigt ein Bericht des Bundeskartellamts: Im Schnitt zählte die Behörde 18 Preisänderungen am Tag pro Tankstelle, bei manchen waren es sogar mehr als 50. Wer also zum falschen Zeitpunkt tankt, zahlt drauf. Das Land Baden-Württemberg will dem ein Ende setzen. In der heutigen Sitzung des Bundesrats bringt die schwarz-grüne Landesregierung einen Entschließungsantrag ein, der die häufige Änderung der Preise an den Tankstellen eindämmen soll. Preiserhöhungen sollten demnach nur noch einmal täglich möglich sein, Preissenkungen hingegen jederzeit. In dem Antrag wird auf das österreichische Modell verwiesen. Dort sind Preisaufschläge nur einmal pro Tag um zwölf Uhr mittags zulässig. "Es ist lächerlich, einen Preis bis zu 30-mal am Tag zu erhöhen, wenn sich die Ölpreise gar nicht geändert haben", sagt Herbert Rabl, Pressesprecher des Tankstellen-Interessenverbands, im Gespräch mit der ZEIT. Das aktuell herrschende Preisgeschäft ziehe "den letzten Cent aus dem Markt". Auf Kosten der Verbraucher nutzten die Mineralölkonzerne die schwankenden Preise, um höhere Gewinne zu erzielen.  Das geschehe auch zum Unwillen der Tankstellenpächter, sagt Rabl: "Unsere Mitglieder kriegen den Ärger ab, weil Mineralgesellschaften diesen Preistanz veranstalten." Die Pächter schauten selbst oft fragend auf die Preistafeln, während sie den Ärger der Kunden ausbaden müssten.  Tankstellen, sagt Rabl, finanzierten sich längst nicht mehr nur über den Spritverkauf. Besonders wichtig seien die Einnahmen aus dem Shopgeschäft in der Tankstelle: "Ein Kunde, der sich wegen der Tankpreise ärgert, kauft aber auch keinen Schokoriegel." Sein Verband befürwortet eine tägliche Preisobergrenze. Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Zentralverbands des Tankstellengewerbes, hält den Vorstoß Baden-Württembergs für politisch nachvollziehbar, aber falsch: "Weniger Wettbewerb führt in einer Marktwirtschaft nur äußerst selten zu niedrigeren Preisen. Wer die Preisbewegung einschränkt, schränkt auch den Wettbewerb ein." Die aktuelle Systematik sei die günstigste und damit beste Option für Autofahrer, sagt Ziegner der ZEIT. "Die Preise der verschiedenen Tankstellen nähern sich aneinander an, und so bildet sich für den Verbraucher der beste Preis." Auch der Automobilverband ADAC warnt auf seiner Website vor einer neuen Regelung: Wenn Konzerne die Preise nur einmal täglich erhöhen dürften, kalkulierten sie die Erhöhung von vornherein höher. Wer später nicht mehr erhöhen könne, würde den Preis gleich höher setzen. Dadurch könnten Tagesdurchschnittspreise steigen. Der Verband kritisiert das österreichische Modell: Dort sei der günstigste Tankzeitpunkt eben kurz vor 12 Uhr mittags statt abends wie in Deutschland. Der billigere Tankpreis in Österreich erkläre sich auch mit den niedrigeren Kraftstoffsteuern. Die Erfahrungen aus Österreich zeigen: Die Regelung schafft vor allem ruhigere Preistafeln, aber kaum niedrigere Preise. Das Preisgeschehen wird berechenbarer, die Aufregung kleiner. Das ist wohl auch die Idee hinter dem Vorschlag aus Baden-Württemberg. Es geht weniger um günstigere Preise als um Vorhersehbarkeit und Transparenz an der Zapfsäule. Einstweilen gilt für Vielfahrer weiterhin: Möglichst abends tanken.