Datum17.10.2025 15:06
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie ESA hat eine Simulation durchgeführt, um die Auswirkungen eines Super-Sonnensturms, ähnlich dem Carrington-Ereignis von 1859, zu testen. Ergebnisse zeigen, dass moderne Satellitensysteme extrem verwundbar sind und bereits nach acht Minuten massive Ausfälle wie GPS-Störungen und Blackouts auftreten könnten. Bei einem solchen Ereignis würden Satelliten stark beschädigt oder kollidieren. Die ESA plant die Mission “Vigil”, um ab 2031 Warnungen vor solaren Superstürmen zu liefern, da solche Ereignisse laut Experten überfällig sind.
InhaltEin Sonnensturm wie das "Carrington-Ereignis" von 1859 könnte die heutige Zivilisation lahmlegen. Die Esa hat den Extremfall simuliert und ist zu alarmierenden Ergebnissen gekommen, vor allem für Satellitensysteme. Die moderne Zivilisation ist einem Mega-Sonnensturm bisher entgangen. Doch Astrophysiker warnen: Solche Ereignisse treten durchschnittlich etwa alle 100 Jahre auf, das nächste ist überfällig. Um vorbereitet zu sein, hat die Europäische Weltraumorganisation (Esa) den Extremfall in einer Simulation durchgespielt. Im Kontrollzentrum in Darmstadt wurde das Bodenteam des Satelliten Sentinel-1D im Rahmen einer Computer-Simulation mit einem solaren Ausbruch konfrontiert, der dem "Carrington-Ereignis" von 1859 nachempfunden war, dem stärksten beobachteten geomagnetischen Sturm der Geschichte. Damals brachen Telegrafennetze zusammen und Polarlichter waren bis nach Rom und Hawaii sichtbar. "Die Auswirkungen eines solchen Ereignisses zu simulieren, ist ähnlich schwierig wie die Vorhersage von Pandemiefolgen", erklärte Jorge Amaya, Esa-Koordinator für Weltraumwettermodellierung. Trotzdem müsse man vorbereitet sein, um im Ernstfall reagieren zu können. Die Übung zeigte, wie verwundbar die heutige Gesellschaft bei einem "Super-Sonnensturm"-Ereignis wäre. Bereits acht Minuten nach einem sogenannten koronalen Massenauswurf (Sonneneruption) würden GPS und Satellitenkommunikation ausfallen. Wenig später träfen energiereiche Teilchen die Erde, Polarlichter erstrahlten über der Nordhalbkugel, es käme zu Kurzschlüssen, Transformatoren würden durchbrennen. Ein großflächiger Blackout wäre die Folge. Nach etwa 15 Stunden begänne die zerstörerischste Phase: Plasma mit Geschwindigkeiten von 2000 Kilometern pro Sekunde würde die Erdatmosphäre treffen und einen magnetischen Sturm auslösen. Satelliten im niedrigen Orbit könnten aus ihren Bahnen geschoben werden und Gefahr laufen, miteinander zu kollidieren. "Satelliten in niedrigen Erdorbits sind normalerweise durch unsere Atmosphäre und unser Magnetfeld besser vor Weltraumgefahren geschützt, aber eine Eruption von der Größenordnung des Carrington-Ereignisses würde kein Raumfahrzeug verschonen", sagt Amaya. "Die enorme Energiemenge, die von der Sonne ausgestoßen wird, könnte alle unsere Satelliten im Orbit beschädigen." Für Sentinel-1D endete die Simulation glimpflich: Das Team konnte den Satelliten vor schweren Schäden schützen. Die Systeme seien allerdings an ihre Grenzen geraten. Um künftig besser gewappnet zu sein, plant die Esa die Mission "Vigil", die ab 2031 Warnungen vor solaren Superstürmen liefern soll. Simulationsleiter Gustavo Baldo Carvalho mahnt: "Es ist nicht die Frage, ob ein solches Ereignis eintritt, sondern wann."