142.000 illegale Böller sichergestellt – allein in Berlin

Datum14.12.2025 12:37

Quellewww.spiegel.de

TLDRIn Berlin wurden seit Jahresmitte 142.000 illegale Feuerwerkskörper sichergestellt, darunter 107.000 Großfeuerwerke. Die Polizeigewerkschaft fordert ein bundesweites Böllerverbot, unterstützt von 2,3 Millionen Petitionsunterzeichnern und 59 % der Bevölkerung. Ein erheblicher Teil der illegalen Böller stammt aus Käufen in Polen und Tschechien, während auch der Online-Verkauf über soziale Medien zunimmt. Die Gefahren durch Feuerwerk, insbesondere Angriffe auf Rettungsdienste, werden immer größer. Kommunen sollen regionale Verbote erleichtert bekommen.

InhaltDeutschlands Böllerfans bewaffnen sich für Silvester. Die Polizeigewerkschaft fordert ein bundesweites Böllerverbot. Die Mehrheit der Bevölkerung unterstützt das. Die Berliner Polizei hat seit Mitte des Jahres 141.990 illegale Feuerwerkskörper sichergestellt. Das teilte die Koordinierungsstelle "Pyro" des Berliner Landeskriminalamtes (LKA) mit. Der allergrößte Teil – 107.000 Stück – sind Feuerwerkskörper der Klasse F4. Das ist klassisches Großfeuerwerk, das "zur Verwendung nur durch Personen mit Fachkenntnissen vorgesehen" ist. Dazu zählen Zylinder- und Kugelbomben, große Raketen und Batterien. 3.800 weitere Feuerwerkskörper gehörten zu der Kategorie F3, für deren Gebrauch ebenfalls eine ausgewiesene Qualifikation verlangt wird. Unklar sei, wie viele der berüchtigten Kugelbomben beschlagnahmt wurden. Diese würden in der Statistik nicht eigens erfasst. Darüber hinaus habe man 400 Feuerwerkskörper sichergestellt, die noch nicht klassifiziert werden konnten, weil sie selbstgebaut sind oder eine Einordnung auf den ersten Blick nicht möglich sei. Und 17.000 Stück Munition für Schreckschuss-, Gas- und Signalpistolen. Auch solche Schusswaffen wurden in den vergangenen Jahren immer wieder gegen Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Krankenhilfsdiensten eingesetzt. Das meiste Feuerwerk – legales wie illegales – werde in China hergestellt und nach Europa exportiert, so die Experten vom Berliner LKA. Nach Berlin gelange es vor allem, weil die Käufer mit dem Auto nach Polen und Tschechien führen und sich dort mit großen Mengen eindeckten. Der Kauf sei sogar legal, die Einfuhr nach Deutschland aber verboten. Auch über das Internet würden illegale Feuerwerkskörper angeboten und gekauft. Nach Einschätzung der Polizei spielen dabei die bekannten Social-Media-Kanäle eine große Rolle. Über Messenger wie Telegram und Portale wie Tiktok würden Videos vom Zünden der Böller und Raketen gepostet. Ebenso böten dort Verkäufer ihre illegale Ware an. Wie groß die Dunkelziffer nicht entdeckter gefährlicher Ware sei, wisse man nicht. Wie viele illegale Böller und andere Feuerwerkskörper jährlich nach Deutschland geschmuggelt werden, weiß wahrscheinlich kein Mensch: Selbst der Zoll erfasst seine Funde und Fahndungserfolge nur regional. Bekannt ist dagegen, wie viel legal produziert und importiert wird. Da zeichnet sich 2025 einmal mehr ein Rekord ab: Allein bis September wurden laut Statistischem Bundesamt 42.000 Tonnen Feuerwerkskörper importiert und rund 4.900 Tonnen im Inland produziert. Import und Produktion erreichen allerdings erst im vierten Quartal ihren Höhepunkt, sind hier also noch nicht einmal erfasst. Während bei Knaller-Fans die Vorfreude auf die Silvester-Ballerei steigt, wächst bei Hilfsdiensten und Polizei die Sorge. Nicht nur, weil es durch die Böller jedes Jahr zahlreiche Verletzte und auch Tote gibt. Sondern weil immer öffter gezielt Rettungs- und Polizeiwagen damit angegriffen werden. Die Gewerkschaft der Polizei fordert daher ein Böllerverbot: Eine aktuelle Petition der Polizisten  "Böllerverbot, jetzt!" wird bisher von 2,3 Millionen Menschen unterstützt. Am 4. Dezember überreichten Vertreter der Polizeigewerkschaft die ersten 2,2 Millionen davon an die Innenministerkonferenz. Die Innenminister scheuen vor einem bundesweiten Böllerverbot zurück. Sie wollen aber dafür sorgen, dass es für Kommunen leichter wird, regionale Verbote  auszusprechen. Das reicht der Polizeigewerkschaft jedoch nicht: Sie wollen mit ihrer Petition weitermachen und Innenminister Alexander Dobrindt in die Pflicht nehmen. Dabei könnte der darauf vertrauen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung hinter ihm stehen würde. Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern" zeigte im Juli 2025: 59 Prozent der Bürger sind für ein Verbot. 39 Prozent sprachen sich dagegen aus. Befürworter eines Verbotes verweisen auf die Niederlande. Das Land ist eine der führenden Böllernationen und Ursprungsland umfangreicher Schmuggelaktivitäten illegaler Knallkörper. Doch dieses Jahr wurde dort beschlossen: private Feuerwerke sind nur noch bis Silvester 2026 erlaubt. Ab dann werden nur noch offiziell genehmigte, dann wohl meist auch aufwendig orchestrierte Profi-Feuerwerke veranstaltet werden, wie man sie aus New York oder Sydney kennt. So würden sich das auch die Vertreter deutscher Hilfsdienste  wünschen.