Meinung: Ihre Krankenkasse wird teurer – was Sie jetzt tun können

Datum13.12.2025 06:53

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung steigen rasch auf über 20 Prozent bis 2026, verursacht durch steigende Kosten im Gesundheitssystem, teure Medikamente und unzureichende Steuermittel von Privatversicherten. Verbraucher können jedoch wechseln, um Kosten zu sparen. Unterschiedliche Zusatzbeiträge hängen vom Management der Kassen ab. Ein Wechsel zu einer besseren oder preiswerteren Kasse kann Ersparnisse von über 50 Euro monatlich bringen. Der Wechselprozess ist einfach, und man kann nach zwölf Monaten wieder zurückwechseln, wenn nötig.

InhaltDie Beiträge für die gesetzlichen Krankenkassen rasen auf 20 Prozent zu. Woran das liegt und wie Sie sich dagegen wehren können – auch ohne in die Privatversicherung zu wechseln. Finanziell ist es eine größere Herausforderung als die Rente: Die Kosten des Gesundheitssystems steigen schnell weiter, die Beiträge zur Krankenkasse  und die Kosten der privaten Krankenversicherung  gleich mit. Auch 2026 werden die Beiträge für viele Kassenpatienten wieder höher werden, egal, was der Kanzler verspricht. Aber anders als bei der Rente  haben Sie als Verbraucher beim Produkt selbst echte Handlungsmöglichkeiten. Sie können nämlich zu einer Krankenkasse wechseln, die besser und vielleicht sogar preiswerter ist. Tun Sie das. Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von "Finanztip" und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. "Finanztip"  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken "Finanztip" bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "taz". Dort war er jahrelang ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld. Viele Krankenkassen sind finanziell überfordert und werden auch im kommenden Jahr noch einmal die Beiträge anheben müssen. Dazu tragen vier Phänomene bei. Die Erhöhungen 2026 sind aber nicht das Schlimmste. Sie werden nach allem, was aktuell zu sehen ist, eher gering ausfallen. In den kommenden Jahren aber könnten die Kosten durch die Decke gehen. Jens Baas, der Chef der größten deutschen Krankenkasse, der Techniker Krankenkasse, prognostiziert noch vor 2030 Beiträge von über 20 Prozent im Schnitt. Die Kosten für die Pflegeversicherung kommen noch dazu, das wäre dann viel, viel teurer als die Entwicklung in der Rente. Prognosen für 2040 sprechen sogar von 30 Prozent Beiträgen für Krankenkassen und Pflege. Eine Verdoppelung seit 2010. Zum Vergleich: In der Rentenversicherung sind die Beiträge seit der Jahrtausendwende nach Reformen von über 20 Prozent um 1,5 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent gefallen . Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind die Kostenrisiken hier also deutlich höher als in der ideologisch ziemlich aufgeladenen Rentendiskussion. Die Krankenkassen verlangen aktuell sehr unterschiedlich hohe Zusatzbeiträge , um ihre Kosten bezahlen zu können. Die Unterschiede beruhen auch auf unterschiedlich gutem Management einzelner Kassen. Insgesamt aber werden die Kosten vom System getrieben. Deutschland leistet sich zum Beispiel deutlich mehr Krankenhausbetten pro 10.000 Einwohner als andere Staaten. Hierzulande wird traditionell auch viel mehr Geld für Medikamente ausgegeben. Die großen Pharmakonzerne wissen ihre Honigtöpfe zu verteidigen. Diese Woche erst schimpften die AOKs über die Pharmakonzerne, die die Kosten für die Kassen seit 2011 um 125 Prozent hätten steigen lassen. Zudem sagen die Krankenkassen, sie müssten auch viel Geld für Bürgergeldempfänger, familienversicherte Ehepartner und Kinder ausgeben, für die sie aber entweder keine ausreichenden oder sogar gar keine Beiträge erhalten . Und auch nicht hinreichend Ersatz aus der Steuerkasse. Politisch ist das auch ein Problem, weil Privatversicherte, also vor allem Beamte, Selbstständige und Besserverdiener, so nicht in gleichem Maße an der Finanzierung der Bürgergeld-Kosten beteiligt werden wie die gesetzlich Versicherten. Tatsächlich hat der GKV-Spitzenverband die Bundesrepublik Deutschland auf zehn Milliarden Euro im Jahr verklagt, die man zusätzlich vom Steuerzahler für die Leistungen von Bürgergeldbeziehenden haben möchte . Wehren Sie sich! Anders als bei der Rente können Sie in der Krankenversicherung das Unternehmen wechseln. Wenn Sie gut genug verdienen, könnten Sie sogar in die private Krankenversicherung wechseln. Dort können Sie als Gutverdiener aktuell – vor allem in jungen Jahren – den Versicherungsschutz für sich selbst deutlich preiswerter bekommen . Kinder müssen Sie aber extra versichern. Und auch der nicht arbeitende Ehepartner muss extra versichert werden. Im Alter kommt dann noch dazu, dass die Beiträge eben nicht wegen des niedrigeren Einkommens fallen, sondern gleich hoch bleiben oder gar noch deutlich steigen. Also nur eine Lösung, wenn Sie auch im Alter wohlhabend sind. Zurück in die gesetzliche Krankenkasse kommt man dann nämlich nicht mehr, den Rückweg hat der Gesetzgeber weitgehend verbaut. Alternativ können Sie zu einer besseren und/oder günstigeren Krankenkasse wechseln . Die Beitragsunterschiede sind so, dass Sie bei 5000 Euro Bruttolohn im Monat schnell über 50 Euro im Monat sparen. Und Ihr Arbeitgeber noch einmal genauso viel. Maximal 60 Euro sind drin, wenn Sie noch etwas besser verdienen und zum Beispiel von der Knappschaft zur BKK Firmus wechseln. Die tatsächliche Ersparnis fällt etwas kleiner aus, weil der niedrigere Beitrag den zu versteuernden Lohn erhöht und damit auch die Steuer. Der Vergleich geht inzwischen recht einfach. Wenn Sie jetzt sagen, Sie wollen kein Kassenhopping betreiben, verstehe ich Sie gut. Wenn Sie zum Beispiel mit ein bisschen Beschäftigung mit dem Thema entdecken, dass Ihre Kasse auch Zahnreinigung bezuschusst oder ein ausgefeiltes Gesundheitsprogramm bietet, dann hat sich doch der Gedanke schon gelohnt. Der Wechsel der Krankenkasse zu einer preiswerteren Alternative hingegen ist vor allem dann eine gute Option, wenn Ihre Ansprüche an die Kasse überschaubar sind und/oder Sie gutes Management schätzen. Der Kern der Kassenleistungen ist nämlich gleich. Die Kassen unterscheiden sich vor allem durch gutes oder nicht so gutes Management. Wenn Sie zum Wechsel entschlossen sind, ist der Weg ganz einfach. Einen Überblick über Beitrag und Leistungen der Krankenkassen bekommen Sie in dieser Tabelle . Wenden Sie sich dann einfach an die neue Kasse, die erledigt den Rest inklusive der Wechselbürokratie. Sollte das Ganze doch nicht so gut klappen, wie Sie sich das erhofft haben, können Sie nach zwölf Monaten zurück. Oder zu einer dritten, besseren Krankenkasse gehen. Wenn Sie noch im Dezember wechseln, sind Sie ab Anfang März Mitglied der neuen Kasse. Erhöht Ihre neue Krankenkasse zwischenzeitig den Beitrag, können Sie auch vor Ablauf der Jahresfrist wieder wechseln. In den Wochen bis zum Jahreswechsel müssen eigentlich alle Kassen überlegen, wie hoch ihre Beiträge im kommenden Jahr sein sollen. Jetzt können Sie also Ihre Kasse und Ihre Wunschkasse in der aktuell vertrackten Finanzsituation beobachten. Haben Sie sich einen Reim gemacht, dann handeln Sie und beantworten vor dem neuen Jahr die Frage: Bleiben oder gehen? Verbessern können Sie sich in jedem Fall.