Datum16.10.2025 17:34
Quellewww.spiegel.de
TLDRVerkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) plant, den Führerscheinerwerb wesentlich günstiger zu gestalten. Geplant sind digitale Lernmethoden wie App-basierte Theorie-Trainings und die Nutzung von Simulatoren, um Sonderfahrten zu reduzieren. Die Anzahl der Prüfungsfragen soll um ein Drittel gesenkt werden, und die praktische Prüfung soll kürzer ausfallen. Schnieder betont, dass Mobilität kein Privileg sein darf, insbesondere im ländlichen Raum, wo die Führerscheinkosten aktuell im Durchschnitt bei 3400 bis 4500 Euro liegen.
InhaltAusbildung per App, weniger Sonderfahrten, kürzere Prüfungen: Verkehrsminister Schnieder hat Vorschläge gemacht, mit denen der Führerschein preiswerter werden soll. Dazu gehört auch das Lernen am Simulator. Der Erwerb des Führerscheins soll nach Plänen von Patrick Schnieder (CDU) deutlich günstiger werden. Der Verkehrsminister plant jetzt eine Kostenbremse, die bei der Ausbildung in den Fahrschulen ansetzt – und zwar mit Vereinfachungen und digitalen Lösungen für die theoretischen und praktischen Teile. "Mobilität darf kein Privileg sein", sagte der CDU-Politiker zur Vorstellung von Eckpunkten für eine Reform. Schnieder schlägt unter anderem vor, die Pflicht zum Präsenzunterricht abzuschaffen; Fahrschülerinnen und -schüler sollen sich auch komplett digital auf die Theorieprüfung vorbereiten können. "Junge Menschen lernen heute anders als vor 20 Jahren", sagte der Minister. Die derzeit fast 1200 Prüfungsfragen sollen um ein Drittel reduziert werden – auf "wirklich relevante Themen". In der praktischen Fahrausbildung soll ein Teil der teuren Sonderfahrten – etwa nachts oder auf der Autobahn – reduziert werden. Sie sollen teils auch an einem Simulator absolviert werden können. Auch die Ausbildung für einen Schaltwagen soll am Simulator möglich sein. Die Fahrprüfung soll nur noch 25 Minuten dauern. Außerdem sollen Menschen, die den Führerschein machen wollen, künftig die Fahrschulen online vergleichen können – die Unternehmen sollen Kosten und Durchfallquoten angeben. Die Preistransparenz sei "ein ganz wichtiger Punkt", sagte Schnieder. Der Minister kündigte an, er wolle seine Vorschläge nun mit den Bundesländern und der Branche "weiterentwickeln". Im ersten Halbjahr 2026 wolle er die Änderungen "auf den Weg bringen". Schnieder sagte bei der Vorstellung seiner Vorschläge, der Führerschein sei ein Symbol für "Freiheit, Selbstbestimmung und Teilhabe" – gerade im ländlichen Raum. Dort, wo der Bus vielleicht nur zweimal am Tag unterwegs sei, sei die Fahrt mit dem eigenen Auto "alternativlos". Daher dürfe Mobilität kein Privileg sein. Der Führerschein kostet laut Schnieder im Schnitt rund 3400 Euro, in manchen Regionen auch deutlich mehr, bis zu 4000 oder sogar 4500 Euro. "Das ist eindeutig zu viel." Die Regierung wolle, dass der Führerschein für alle erreichbar bleibe. "Das ist eine Frage der Gerechtigkeit und auch der Zukunftsfähigkeit unseres Landes." Aus Sicht von Branchenvertretern können bei einer kompakteren Ausbildung Fahrstunden gespart werden. Besonders, wenn Prüflinge durchfallen, geht das noch einmal extra ins Geld. "Die extrem steigende Zahl der Fahrstunden ist der hauptsächliche Kostentreiber", sagte der Vizevorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, Kurt Bartels, der "Rheinischen Post". Das liege unter anderem an einer höheren Verkehrsdichte und daran, "dass Jugendliche aufgrund der Smartphone-Nutzung eine schlechtere Verkehrswahrnehmung haben als noch vor 20 Jahren". Möglich seien auch verpflichtende Lernzielkontrollen, damit Fahrschüler mehr am Ball bleiben. Linkenchefin Ines Schwerdtner schlug zur Kostendämpfung "Fahrschule als Unterrichtsfach" vor. Der Führerscheinerwerb dürfe nicht länger ausschließlich privaten Anbietern überlassen werden, sagte sie der "Rheinischen Post". Die Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass mindestens die theoretische Fahrausbildung Teil der schulischen Bildung wird. "Das könnte die Kosten für den Führerschein effektiv reduzieren." Der Weg zum Führerschein kostet teils mehr als 4000 Euro – und immer mehr Kandidaten fallen durch. Hier erklärt ein Fahrlehrer , woran das liegt.