Datum17.10.2025 08:15
Quellewww.spiegel.de
TLDRJan Marsalek, der flüchtige Ex-Wirecard-Manager, wird mit seinem Großvater Hans Maršálek in Verbindung gebracht, der im Kalten Krieg für den Ostblock spionierte. Recherchen zeigen, dass Maršálek, ehemaliger Widerstandskämpfer und Leiter der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, geheime Informationen an den tschechoslowakischen Geheimdienst StB übermittelte. Marsalek lebt heute in Moskau, hat ein Netzwerk europäischer Agenten aufgebaut und wird mit verdeckten Operationen in westlichen Staaten in Verbindung gebracht. Er bleibt einer der meistgesuchten Männer Europas.
InhaltDer flüchtige Ex-Wirecard-Manager und mutmaßliche russische Agent Jan Marsalek tritt offenbar in die Fußstapfen seines Großvaters: Laut Recherchen der "Zeit" spionierte der Ex-Widerstandskämpfer Hans Maršálek im Kalten Krieg für den Ostblock. Der Großvater von Jan Marsalek spionierte offenbar für den Ostblock. Recherchen der "Zeit" zufolge sei Hans Maršálek, österreichischer Widerstandskämpfer und langjähriger Leiter der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, zu Beginn des Kalten Kriegs vom tschechoslowakischen Geheimdienst rekrutiert worden. Über ein Jahrzehnt soll er dem Geheimdienst StB geheime Dokumente und Informationen übermittelt haben. Gegen Ende der Sechzigerjahre haben demnach die Kontakte nachgelassen. Recherchen des SPIEGEL zeigen, dass Maršáleks Enkel, der flüchtige Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek, in Moskau lebt und enge Verbindungen zu russischen Geheimdiensten unterhält. Davor baute Marsalek ein Netzwerk europäischer Agenten für den russischen Geheimdienst auf. Zudem wird ihm vorgeworfen, verdeckte Operationen in Großbritannien und anderen westlichen Staaten koordiniert zu haben. Die "Zeit"-Recherche legt nun mögliche Parallelen zwischen den Tätigkeiten von Großvater und Enkel nahe. Marsalek ist aktuell einer der meistgesuchten Männer Europas. Akten des tschechischen Archivs der Sicherheitsdienste in Prag zufolge, berichtet die "Zeit" weiter, sei Hans Maršálek unter dem Decknamen "Zvědavý Pán" ("Neugieriger Herr") geführt worden; er soll als ein "williger und ehrlicher Mitarbeiter" der StB bezeichnet worden sein. Er soll unter anderem Berichte über die österreichische Spionageabwehr, die Überwachung sozialistischer Botschaften und sensible Polizeidaten an den Ostblock weitergegeben haben. Die Informationen könnten von den tschechoslowakischen Diensten dazu verwendet worden sein, "um Personen ausfindig zu machen, Informanten anzuwerben oder Agenten einzuschleusen", sagte die Historikerin Sabine Nachbaur der Wochenzeitung. Maršáleks Spionagetätigkeit soll bereits 1946 begonnen haben, sei jedoch nach wenigen Monaten abgebrochen worden. 1961 habe diese erneut begonnen, als Maršálek noch Kriminalpolizist war, und bis 1970 angedauert. Schon in den Fünfzigerjahren habe demnach in Österreich der Verdacht bestanden, dass er Informationen an die Sowjets weitergegeben habe, doch konkrete Beweise fehlten. Im Widerstandskampf gegen die Nazis war Maršálek 1941 von der Gestapo verhaftet worden. Sein Buch "Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen" gilt bis heute als Standardwerk über die Naziverbrechen im Konzentrationslager. Für seine Prägung der Erinnerungspolitik in Österreich wurde Maršálek 2001 das Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Er starb im Dezember 2011.