Streit über Sparkurs: Chefredakteur Krach verlässt »Süddeutsche Zeitung«

Datum11.12.2025 11:47

Quellewww.spiegel.de

TLDRWolfgang Krach verlässt nach einem Streit um den Sparkurs die "Süddeutsche Zeitung", wo er seit 2015 Chefredakteur war. Die Trennung resultiert aus unterschiedlichen Vorstellungen bezüglich der Redaktionsfinanzen und dem Umgang mit Kürzungen. Krach war zuvor offen für Sparmaßnahmen, sah jedoch die hohen Renditeerwartungen der SWMH kritisch. Die Redaktionsstruktur für die Nachfolge gestaltet sich kompliziert, da neue Chefredakteure vom Redaktionsgremium genehmigt werden müssen, was die Suche erschwert.

InhaltDie "Süddeutsche Zeitung" verliert ihren Mann an der Spitze: Wolfgang Krach, seit 2015 Chefredakteur der "SZ", soll nach SPIEGEL-Informationen gehen. Grund war offenbar ein Streit über den Sparkurs. Die "Süddeutsche Zeitung" muss künftig offenbar ohne ihren bisherigen Chefredakteur auskommen. Wolfgang Krach, 62, wird das Haus verlassen, wie der Redaktion intern mitgeteilt wurde. In einer Pressemitteilung heißt es: "Aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen zwischen ihm und den Gesellschaftern über die Gestaltung der Zusammenarbeit und die Weiterentwicklung der SZ hatte Wolfgang Krach angeboten, aus der Redaktion auszuscheiden". Nach SPIEGEL-Informationen steckte hinter der Trennung ein Streit um den Redaktionsetat. Krach war demnach nicht mehr bereit, weitgehende Kürzungen am Redaktionsetat mitzutragen. Angeblich gab es Streit um hohe Renditeerwartungen, an der die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), die Eigentümerin des Süddeutschen Verlags, trotz wirtschaftlicher schwieriger Lage festhalte, wie es aus dem Verlag heißt. Dies würde in den kommenden Jahren zu einem harten Sparprogramm in der Redaktion führen. Krach war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der Journalist war seit April 2015 Chefredakteur der "SZ", zunächst gemeinsam mit Kurt Kister, seit 2010 mit Judith Wittwer. Krach galt als Chefredakteur, der durchaus zu Sparanstrengungen bereit war und dafür in der Redaktion auch Kritik erfuhr. Mancher Redakteur warf ihm sogar vor, in dieser Frage zu entgegenkommend zu sein. Zugleich galt Krach vielen als derjenige in der Chefredaktion, der journalistische Standards gegenüber dem Verlag vertrat. Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren bereits schmerzhafte Maßnahmen vorgenommen. Im vergangenen Juni kündigte die SWMH an, die Berichterstattung aus den Landkreisen um München vor allem im Gedruckten einzudampfen, Standorte zu schließen und Büroflächen zu verkleinern. Eigene Arbeitsplätze bietet die Redaktion seitdem nur noch in Starnberg, Dachau und München-Steinhausen. Um Kosten zu sparen, werden auch weniger Aufträge an freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vergeben. Eine Nachfolge für Krach ist offenbar noch offen. Die Benennung könnte sich schwierig gestalten, heißt es aus dem Haus. Das Redaktionsstatut der "SZ" sieht demnach vor, dass neue Mitglieder der Chefredaktion von einem Redaktionsgremium abgesegnet werden muss. Dazu zählen die im Impressum der Zeitung aufgelisteten Redakteurinnen und Redakteure, die sogenannten Impressionisten, und der Redaktionsausschuss. Es gilt als unwahrscheinlich, dass sie einen Kandidaten der Geschäftsführung durchwinken, der sich vor allem als Sparkommissar versteht.