Datum10.12.2025 11:19
Quellewww.spiegel.de
TLDRÄgypten hat sich beim Fußball-Weltverband Fifa über ein geplantes "Pride Match" gegen Iran während der WM 2026 in Seattle beschwert. Der ägyptische Fußballverband weist jegliche Förderung von Homosexualität zurück und argumentiert, dass solche Aktivitäten den kulturellen Werten arabischer und muslimischer Gesellschaften widersprechen. Die Organisatoren in Seattle beabsichtigen, die LGBTQ+-Community zu feiern, betonen jedoch, dass sie keinen Einfluss auf die Spielereignisse haben. Auch der iranische Verband äußerte Unmut über das geplante Spiel.
InhaltEin "Pride Match" soll in Seattle während der Fußball-WM auf die Anliegen der LGBTQ+-Community aufmerksam machen. Die beteiligten Teams Iran und Ägypten lehnen dies ab. Jetzt soll die Fifa einschreiten. Der ägyptische Fußballverband protestiert mit einem Brief an die Fifa gegen das sogenannte "Pride-Spiel" im Rahmen der Weltmeisterschaft 2026. Es geht um die WM-Partie gegen Iran in Seattle. Die US-Stadt will damit eigenständig am letzten Juni-Wochenende 2026 die LGBTQ+-Gemeinschaft feiern. Am 26. Juni steht in Seattle das Vorrundenspiel zwischen den Teams der beiden Länder an, in denen Homosexualität unterdrückt wird. Die Fifa ist in die Planung dieses "Pride Matches" nicht involviert. Ägyptens Verband (Efa) hat sich dennoch in einem Schreiben an den Weltverband und dessen Generalsekretär Mattias Grafström gewandt und weist darin "jegliche Aktivitäten", die während der Partie Homosexualität fördern, zurück. "Solche Aktivitäten widersprechen den kulturellen, religiösen und sozialen Werten der (…) arabischen und muslimischen Gesellschaften", hieß es. Die Efa verwies auf Artikel 4 der Fifa-Statuten, in dem sich der Verband der Neutralität in politischen und sozialen Fragen verpflichtet. Der Artikel solle sicherstellen, dass Fußball nicht als Plattform genutzt wird, um "sensible oder kontroverse Anliegen zu fördern", so die Efa. Zudem seien gemäß den Fifa-Disziplinarregeln keine Aktionen erlaubt, die "Spannungen, Missverständnisse oder Konflikte zwischen Fans unterschiedlicher Herkunft verschärfen". Zuvor hatten schon die Iraner laut einem Bericht sehr verärgert über die Ansetzung und die Pläne rund um die Partie in Seattle reagiert. Verbandschef Mehdi Tadsch sprach laut Nachrichtenagentur Isna von einer "unvernünftigen Handlung, die die Unterstützung einer bestimmten Gruppe darstellt". Er meldete weiteren Redebedarf an. Die Pläne für das Pride Match waren schon gefasst, ehe die genaue Begegnung feststand. Die Veranstalter in der Küstenstadt im Nordwesten der USA betonten, dass sie keinen Einfluss darauf hätten, was auf dem Feld oder im Stadion passiert – wohl aber, wie man sich abseits davon den Besuchern präsentiert. "Die LGBTQ+-Community und -Kultur von Seattle ist ein wesentlicher Teil dessen, was unsere Stadt so besonders macht, und wir freuen uns darauf, dies mit der Welt zu teilen", sagte Hana Tadesse vom lokalen Organisationskomitee der dpa. Die englische Abkürzung LGBTQ+ steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans Menschen, queere sowie intergeschlechtliche Menschen – und das Pluszeichen sowie das Sternchen sind Platzhalter für weitere Identitäten und Geschlechter. Homosexuelle Handlungen sind in Iran strafbar und werden teilweise sogar mit der Todesstrafe belegt. In Ägypten gibt es Straftatbestände "zum Schutz der Moral oder Religion", nach denen auch Homosexualität geahndet werden kann, etwa in Gesetzen zu Prostitution oder den allgemeinen Sitten. Die Fifa hatte zunächst nicht auf eine Anfrage reagiert. Schon bei der WM 2022 in Katar hatte es Wirbel um die "One Love"-Kapitänsbinde gegeben, mit der auch Deutschland auflaufen wollte. Die Binde hatte eine der Regenbogenflagge ähnliche Farbgebung und sollte als Symbol gegen Diskriminierung und für Vielfalt stehen. Kurz vor Beginn des Turniers untersagte die Fifa den Mannschaften das Tragen dieser Binde und drohte mit Sanktionen.