Datum10.12.2025 09:15
Quellewww.spiegel.de
TLDRBayer unter CEO Bill Anderson verfolgt eine umfassende Transformation, um Bürokratie abzubauen und die Entscheidungsgewalt zu dezentralisieren. Ziel ist es, die Zahl der Führungskräfte von 17.000 zu reduzieren und die Managementhierarchie von zwölf auf ein schlankes Organigramm zu verschlanken. Der neue Code of Conduct ersetzt zahlreiche alte Regeln, um Teams Eigenverantwortung zu ermöglichen. Die Ideen basieren auf den Arbeiten des Managementforschers Gary Hamel, der für mehr Kreativität und Verantwortung in Unternehmen plädiert.
InhaltWeg mit Bürokratie, Kontrolle und starrer Hierarchie. Bayer entmachtet seine Konzernaristokratie und verlagert die Macht an die Basis. Kann das gelingen? Ein Blick hinter die Kulissen. Es ist eines der größten Managementexperimente aller Zeiten, eine kühne Transformation. Seit CEO Bill Anderson im Juni 2023 den Vorstandsvorsitz bei Bayer übernahm, versucht er, den Traditionskonzern vom Kopf auf die Füße zu stellen. Er will die Zahl der rund 17.000 Führungskräfte deutlich senken, die hierarchische Bürokratie abbauen und das starre System aus Kommando und Kontrolle beenden. Die bisher zwölf Managementebenen sollen verschwinden – an ihre Stelle tritt ein schlankes Organigramm. Anderson verlagert die Macht an die Basis und lässt die Teams entscheiden. So soll ein Netzwerk kleiner Einheiten entstehen, die wie Start-ups handeln und schnell entscheiden. Führungskräfte wirken in diesem System nicht mehr als Kontrolleure und Verwalter. Sie sollen ermöglichen. 99 Prozent aller alten Regeln wurden im Rahmen der Neuorganisation abgeschafft. Anderson hat den mehr als 1000 Seiten starken Margo-Katalog (ausgeschrieben "Management Regulation Online") durch einen 14 Seiten schlanken, luftig illustrierten Code of Conduct ersetzen lassen. Dieser soll einen Rahmen bieten, indem die Teams eigenverantwortlich entscheiden. Einer der wichtigsten Ideengeber für diese Transformation ist der amerikanische Managementforscher Gary Hamel, Autor des Buches "Humanocracy". Hamel fordert seit Jahren: Weg mit der Bürokratie, weg mit den trägen Strukturen, die im Industriezeitalter entstanden, aber heute nicht mehr tragfähig sind. Motivation, Kreativität und Verantwortung könnten nur entstehen, wenn Menschen Kontrolle über ihre Arbeit haben und sich als Gestaltende erleben. Ein direkter Angriff auf klassische Managementlogik, die Kontrolle über Vertrauen stellt. Kann dieser kühne Umbau gelingen? Im Podcast blickt Dietmar Palan, Reporter des manager magazins, hinter die Kulissen (anhören über den Player im Artikel, auf Apple oder Spotify). Lesen Sie auch die ausführliche Fallstudie zum größten Managementexperiment aller Zeiten . In "Wegen guter Führung – Der ehrliche Führungspodcast" spricht Antonia Götsch, Chefredakteurin des Harvard Business managers, alle zwei Wochen mit Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Sport über Führung, Strategie und Management. "Wegen guter Führung" erscheint 14-täglich hier sowie auf Spotify und Apple im Podcast. Antonia Götsch, Chefredakteurin des Harvard Business managers, meldet sich alle zwei Wochen mit „Wegen guter Führung“. Sie spricht mit anderen Führungskräften und Expert:innen aus der Wissenschaft. Ehrlich, fundiert, offen und auch mal lustig. Sie teilt, was sie selbst gelernt hat, woran sie scheitert, und sie versucht, auch ihren Gästen zu entlocken, was sie sonst nur ihren Vertrauten verraten.