Datum16.10.2025 20:20
Quellewww.spiegel.de
TLDRRussische Angriffe mit über 320 Drohnen und 37 Raketen auf die Ukraine haben landesweit zu umfangreichen Stromausfällen und der Stilllegung von Gaskraftwerken geführt. Der ukrainische Präsident Selenskyj kritisierte die gezielte Zerstörung der Energieinfrastruktur. In einem Vorfall wurden ukrainische Soldaten auf einem Truppenübungsplatz getroffen, was zu Toten führte. Trotz Abwehrmaßnahmen gelang es Russland, im Osten mit motorisierten Kräften vorzurücken. Die Ukraine kämpft weiterhin gegen die russische Invasion, die seit mehr als dreieinhalb Jahren andauert.
InhaltIn vielen Regionen der Ukraine musste der Strom abgeschaltet werden, auch Gaskraftwerke wurden nach russischen Angriffen stillgelegt. Im Hinterland trafen Raketen einen ukrainischen Truppenübungsplatz, es gab Tote. In der Ukraine ist es erneut zu landesweiten Notabschaltungen des Stroms gekommen. Das teilte der staatliche Netzbetreiber Ukrenerho bei Telegram mit. "In allen Regionen der Ukraine" sei der Stromverbrauch für Industriekunden begrenzt worden, auch Privatkunden in mehreren Regionen seien von Stromausfällen betroffen. Gasunternehmen zufolge mussten zahlreiche Anlagen den Betrieb einstellen. Russland habe in der Nacht mehr als 320 Drohnen – darunter mehrere mit Streumunition – sowie 37 Raketen auf die Ukraine abgefeuert, teilte die ukrainische Armee mit. 283 Drohnen und fünf Raketen seien abgefangen worden. Infolge des Angriffs seien Gasförderanlagen in der Region Poltawa stillgelegt worden, teilte der größte private Energieversorger des Landes, DTEK, mit. Der Chef des Gasunternehmens Naftogaz, Serhij Koretzkyj, erklärte: "Es gab Treffer und Zerstörungen in mehreren Regionen gleichzeitig. Der Betrieb mehrerer wichtiger Anlagen wurde eingestellt". Medienberichten zufolge waren Hunderttausende Menschen von Stromausfällen infolge der Angriffe betroffen. Rund 60 Prozent der ukrainischen Gasproduktion sei vorübergehend eingestellt worden. "In diesem Herbst nutzen die Russen jeden einzelnen Tag, um unsere Energieinfrastruktur anzugreifen", erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Bereits am Mittwoch war nach russischen Angriffen auf Energieanlagen in vielen Teilen des Landes die Stromversorgung massiv eingeschränkt. Wegen der fortwährenden russischen Angriffe mit Drohnen und Raketen auf Energieanlagen ist in der Ukraine die Saison für die Fernheizsysteme in den Städten bereits aufgeschoben worden. Bei den aktuell kühlen herbstlichen Temperaturen im einstelligen Bereich können viele Städter ihre Wohnungen daher nur mit Klimaanlagen und anderen Stromheizungen wärmen. Auch in der Südukraine gab es russische Angriffe: Nach dem Einschlag von zwei russischen ballistischen Raketen gab es erneut Tote auf einem Ausbildungsplatz der ukrainischen Armee gegeben. "Wir sprechen den Familien und Nahestehenden der Getöteten unser Mitgefühl aus", teilte das Kommando der Heeresgruppe Süd bei Facebook mit. Wie viele Tote und Verletzte es gegeben hat, wurde nicht mitgeteilt. Der Angriff sei trotz aller Sicherheitsmaßnahmen in einem "relativ ruhigen Teil unseres Landes" im Hinterland erfolgt. Im Osten des Landes ist Russland ist nach ukrainischen Angaben mit starken motorisierten Kräften nahe der Stadt Dobropillja vorgestoßen. Die eigenen Kräfte hätten den Angriff mit über 20 gepanzerten Fahrzeugen abgewehrt, teilt die ukrainische Asow-Brigade mit. Dabei seien neun russische Fahrzeuge zerstört worden. Eine russische Stellungnahme liegt zunächst nicht vor. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als dreieinhalb Jahren gegen die russische Invasion. Dabei hat Russland schon mehrfach auch größere Ansammlungen ukrainischer Soldaten mit Raketen getroffen.