Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha eskaliert – zahlreiche Tote

Datum09.12.2025 08:55

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha eskaliert erneut, trotz einer Waffenruhe. Angriffe mit Mörsern und Artillerie führten seit Montag zu mindestens neun toten Zivilisten und mehreren Verletzten auf beiden Seiten. Der Konflikt dreht sich um einen Hindu-Tempel, dessen Besitz seit der Kolonialzeit umstritten ist. Beide Länder beschuldigen sich, die Waffenruhe verletzt zu haben. Die Situation hat die Behörden dazu bewogen, Anwohner zur Flucht aufzufordern. Reisen in das Grenzgebiet werden vom Auswärtigen Amt dringend abgeraten.

InhaltTrotz Waffenruhe ist der Grenzstreit zwischen Thailand und Kambodscha erneut aufgebrochen. Bei Angriffen mit Mörsern und Artillerie starben mehrere Menschen. Im Zentrum des Konflikts steht ein Hindu-Tempel. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Nach dem erneuten Aufflammen eines Grenzkonflikts zwischen Thailand und Kambodscha hat es bei Angriffen zahlreiche Tote gegeben. Das kambodschanische Verteidigungsministerium teilte am Dienstag mit, seit Montag seien neun Zivilisten getötet und 20 weitere schwer verletzt worden. Thailändischen Angaben zufolge starben drei Soldaten, 29 Menschen wurden verletzt. Die beiden südostasiatischen Länder machten sich gegenseitig für den Beginn der neuen Zusammenstöße am Montag verantwortlich. Thailand schwor einem Medienbericht zufolge, das Militär des Nachbarstaats Kambodscha mit seinen Angriffen langfristig zu dezimieren. Damit solle die Sicherheit der künftigen Generationen in Thailand gewährleistet werden, zitierte die Zeitung "Bangkok Post" den Generalstabschef des Militärs, Chaiyaphreuk Duangpraphat. Aus Kambodscha hieß es, man werde dem nicht untätig zusehen und sich verteidigen. Kambodschas Regierung warf Thailand neue Angriffe im Grenzgebiet vor. Das thailändische Militär habe seinen Beschuss nachts an mehreren Orten fortgesetzt. Einer Sprecherin des Verteidigungsministeriums zufolge wurden bei einem thailändischen Angriff im Bezirk Thmar Puok in der Provinz Banteay Meanchey zwei Zivilisten getötet, die auf einer Landstraße unterwegs waren. In Thailand berichtete das Nachrichtenportal "Khaosod" auf der Plattform X unter Berufung auf das Militär von heftigen kambodschanischen Angriffen auf thailändischem Hoheitsgebiet, unter anderem mit Mörsern und Artillerie. Kambodscha baue zudem an einem Ort in der Grenzprovinz Trat eine Militärstellung aus, ziehe dort schwere Waffen zusammen und hebe Schützengräben aus. Die Angaben aus Phnom Penh und aus Bangkok ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Beide Seiten beschuldigen sich seit Sonntag, eine zuletzt geltende Waffenruhe im Grenzgebiet zuerst verletzt zu haben. Auf beiden Seiten der Grenze wurden Anwohnende von den Behörden angesichts der jüngsten Angriffe zur Flucht aufgerufen. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in das unmittelbare Grenzgebiet zwischen Thailand und Kambodscha und rät auch von Reisen in Provinzen in Grenznähe ab. Touristinnen und Touristen wird geraten, sich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts einzutragen. Die südostasiatischen Nachbarländer hatten nach schweren Kämpfen Ende Oktober in Anwesenheit von US-Präsident Donald Trump ein Waffenruheabkommen unterzeichnet. Doch bereits im November wurde die vereinbarte Feuerpause nach einem neuerlichen Vorfall an der mehr als 800 Kilometer langen Grenze erst einmal ausgesetzt. Die Wurzeln des Konflikts liegen in der Kolonialzeit, als Frankreich den Grenzverlauf festlegte. Die Regierungen beider Nachbarländer interpretieren diese Grenzziehung aber unterschiedlich. Im Zentrum des Streits steht ein jahrhundertealter Tempel, der seit 2008 zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. Sowohl der dem Hindu-Gott Shiva gewidmete Tempel als auch das umliegende Gebiet werden von Thailand und Kambodscha beansprucht. In der Vergangenheit kam es mehrfach zu Gefechten zwischen den Streitkräften beider Länder.