Caroline Wahl: Autorin von »22 Bahnen« hat Spaß am Polarisieren

Datum16.10.2025 19:08

Quellewww.spiegel.de

TLDRCaroline Wahl, Autorin von „22 Bahnen“, genießt es, zu polarisieren und sieht Kritik an ihrem Werk und ihrer Person als Bestätigung ihres Erfolgs. Auf der Frankfurter Buchmesse äußerte die 30-Jährige, dass sie durch negative Rückmeldungen noch bekannter und lauter geworden sei. Wahls Bücher, insbesondere „Die Assistentin“, wurden teils als unseriös kritisiert, was Diskussionen über ihren Hintergrund und ihre Themen entfachte. Sie stellt in Frage, warum junge Frauen bescheiden sein sollten, während Männer es nicht nötig hätten.

InhaltSchriftstellerin Caroline Wahl macht die Kritik an ihrer Person nichts aus. Bescheidenheit hält sie für unangebracht: Sie sei jetzt "noch bekannter" und "noch lauter". Schriftstellerin Caroline Wahl, 30, hat nach eigener Aussage kein Problem damit, zu polarisieren. "Am Anfang war es so ein bisschen überwältigend, diese Kritik, auch an meiner Person", sagte sie bei einer Veranstaltung der Wochenzeitung "Die Zeit" auf der Frankfurter Buchmesse. Später habe das aber umgeschlagen: "Jetzt finde ich es eigentlich geil. Ich bin jetzt noch bekannter, ich bin jetzt noch lauter". Die Kritik an ihren Büchern und ihrem persönlichen Hintergrund habe nicht dazu geführt, dass sie bescheidener auftrete oder Angst habe. Sie fände es "geil, dass ich jetzt polarisiere, mich Leute entweder toll finden oder scheiße finden, dass man das relativ schnell weiß", sagte Wahl. Das mache es auch für sie sehr einfach, sofort zu wissen, "mit wem man gerne Zeit verbringt und mit wem nicht". Wahls jüngster Roman "Die Assistentin" wurde in den sozialen Medien teils als zu seicht und unterkomplex kritisiert, das von ihr selbst eingelesene Hörbuch als unprofessionell. Zudem wurde der Autorin vorgeworfen, dass sie in ihren Büchern stereotypisch über Armut schreibe, obwohl sie selbst keinen solchen Hintergrund habe. Die Debatte über Wahl begann aber schon früher: Im Sommer 2024 schrieb sie auf Instagram  , sie sei "traurig und wütend", nicht für den Deutschen Buchpreis nominiert zu sein. Nutzer warfen ihr daraufhin vor, sich in Bescheidenheit üben zu müssen – etwas, das Wahl laut eigener Aussage nicht für nötig hält. "Warum sollen junge Frauen bescheiden sein, und junge Männer nicht?", sagte sie im Interview mit dem Podcast "Deutschland3000" . Wahls inzwischen verfilmter Debütroman "22 Bahnen" war 2023 eine Sensation im Literaturbetrieb. Das Buch wurde mehr als eine Million Mal verkauft und erhielt mehrere Preise. Ein Jahr später veröffentlichte Wahl "Windstärke 17", das ebenfalls zum Bestseller wurde. Die Diskussionen über Wahl und ihre Bücher seien randvoll mit "einerseits" und "andererseits", schreibt SPIEGEL-Kolumnistin Margarete Stokowski. Ihren Kommentar lesen Sie hier.