Datum08.12.2025 10:19
Quellewww.zeit.de
TLDRAußenminister Johann Wadephul (CDU) warnt während seiner Chinareise vor überzogenen Erwartungen an schnellere Exporterleichterungen für Seltene Erden. Er betont die Notwendigkeit, Handelsbeziehungen zu China zu verbessern und faire Bedingungen einzufordern. Wadephul trifft im Rahmen seines Besuchs mit dem chinesischen Handelsminister zusammen, um Unsicherheiten beim Import von Rohstoffen und Chips zu besprechen. Während China seine Exportkontrollen verschärft hat, sieht Wadephul die Wirtschaftsbeziehungen als entscheidend für Deutschland und Europa an und fordert eine klare Diskussion über Wettbewerbsbedingungen.
InhaltDer Außenminister dämpft die Hoffnung auf schnelle Exporterleichterungen für Seltene Erden. Dafür sei "noch ganz viel Arbeit" nötig, sagt Johann Wadephul in China. Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat im Zuge seiner Chinareise vor verfrühten Hoffnungen darauf gewarnt, dass die chinesischen Exportkontrollen für Rohstoffe bald wieder abgebaut würden. "Signale habe ich bekommen, aber da muss noch ganz viel Arbeit geleistet werden", sagte Wadephul im ZDF-Morgenmagazin. Der Außenminister ist bis Dienstag in Peking. Er forderte China zu fairen Handelsbeziehungen auf – "aber der Schlüssel dazu liegt hier in Peking", sagte Wadephul. Die Unsicherheiten beim Import von Seltenen Erden, weiteren Rohstoffen und Chips aus China müssten "beseitigt werden", sagte er. Das sei ein "absoluter Schwerpunkt" seines Besuchs. Wadephul hat bereits mit dem chinesischen Handelsminister Wang Wentao gesprochen. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China seien "von zentraler Bedeutung", sagte Wadephul dazu. Die Bundesregierung wolle an ihnen festhalten und sie weiter ausbauen. Bei seinem Treffen mit Wang warnte Wadephul jedoch vor Protektionismus: Man müsse einen klaren Blick darauf werfen, wenn ein indirekter Einfluss des Staates zu Wettbewerbsungleichgewichten führe, sagte er mit Blick auf chinesische Exportregelungen. "Das muss miteinander besprochen werden." Bei seinem Versuch, die Handelsbeziehungen mit China zu normalisieren, sieht sich der deutsche Außenminister nicht nur als Vertreter der Bundesregierung, sondern auch Europas. Es gehe dabei für China auch um den Zugang zum europäischen Markt, sagte Wadephul: "Damit haben wir auch ein gewichtiges Wort mitzureden", wenn es um den Zugang Chinas zum europäischen Markt gehe. China hatte im Frühjahr seine Exportpolitik im Zuge des Handelsstreits mit den USA verschärft. Seitdem führte China Exportkontrollen für bestimmte Rohstoffe ein, die hierzulande vor allem die Autoindustrie benötigt: Zwei Drittel ihres Bedarfs an Seltenen Erden decken sie aus China. Im Oktober verschärfte das chinesische Handelsministerium die Exportregeln weiter und unterzog weitere Rohstoffe den Kontrollen. Zu den Metallen der Seltenen Erden zählen insgesamt 17 Elemente mit Namen wie Europium, Lanthan, Neodym oder Cerium. Ohne sie könnten derzeit Hunderte technische Geräte nicht erzeugt werden. Sie stecken etwa in Halbleitern, in Smartphones und in Elektroautos, aber auch in Offshore-Windrädern und Raketen. Entgegen ihrer Bezeichnung kommen einige Seltene Erden ziemlich häufig vor. Die Deutsche Rohstoffagentur schreibt etwa, dass Neodym, das zum Beispiel in E-Autos verbaut wird, weltweit häufiger vorkommt als Blei. Was sich als schwierig gestaltet, ist allerdings der Gewinnungsprozess. Da die Metalle in den Erzschichten der Erdkruste enthalten sind, müssen sie mithilfe von chemischen Verfahren herausgelöst werden. Dabei entstehen als Nebenprodukt radioaktive Isotope und giftige Abwässer. Das weltweit größte Vorkommen an Seltenen Erden befindet sich in Russland. Der mit Abstand größte Förderer ist aber China. Nennenswerte Vorkommen gibt es auch in Kanada, Brasilien, Grönland, Australien, Indien und Vietnam. Selbst in Deutschland liegen manche der Rohstoffe unter der Erde – nämlich im Norden von Sachsen. Dort gilt die Förderung Experten zufolge aber aus Umweltgründen als nicht möglich. Auch die Vorkommen Seltener Erden in der Ukraine spielten zuletzt eine wichtige Rolle. US-Präsident Donald Trump forderte im Gegenzug für weitere Hilfen Zugang zu den Ressourcen. Ukrainische Experten äußerten sich skeptisch dazu, da es zwar Seltene Erden in dem Land gibt, aber hohe Investitionen nötig wären, um diese zu gewinnen. Auf dem Weltmarkt wären sie deshalb wahrscheinlich nur wenig konkurrenzfähig. Anfang Dezember deutete das Handelsministerium jedoch an, es sei womöglich zu einer Lockerung der Kontrollen bereit. Zahlreiche zwischenzeitlich pausierte Antragsverfahren seien genehmigt worden. Vor allem hofft die deutsche Industrie darauf, sogenannte Generallizenzen zu erhalten, durch die einzelne Importe nicht mehr das komplizierte Antragsverfahren durchlaufen müssten. Die jüngsten Genehmigungen reichten aus, um den aktuellen Bedarf zu decken, aber nicht, um Lagerbestände aufzubauen, berichtete die Nachrichtenagentur dpa aus Unternehmenskreisen. Wadephuls Reise nach China, die dem Abbau der Handelshemmnisse gewidmet ist, hatte sich währenddessen verzögert. Eigentlich wollte der Außenminister Ende Oktober nach Peking reisen. Allerdings sagte er den Besuch wenige Tage zuvor ab, weil ihm nicht genügend Gesprächstermine mit chinesischen Regierungsmitgliedern zugesichert wurden. Mitte November reiste daher Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) als erster Minister der neuen Regierung nach China, Kanzler Friedrich Merz (CDU) plant Anfang 2026 einen Besuch.