Datum06.12.2025 09:19
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Artikel thematisiert das Gedenken an die "Mühlviertler Hasenjagd" im Winter 1945, bei der über 400 Häftlinge des KZ Mauthausen von Nationalsozialisten und Teilen der Bevölkerung verfolgt und ermordet wurden. Während die Mehrheit der Gesellschaft beteiligt war, gab es auch mutige Menschen, wie die Familie Langthaler, die einige Flüchtlinge versteckten. Der Artikel betont die Notwendigkeit, sich mit der eigenen Verantwortung für NS-Verbrechen auseinanderzusetzen, besonders im Gedenkjahr 2025. Dies ist relevant angesichts der aktuellen rechtsextremen Tendenzen in Österreich und Deutschland.
InhaltIm Kriegswinter 1945 jagten Nationalsozialisten und Teile der lokalen Bevölkerung 400 Entflohene des Konzentrationslagers Mauthausen. Doch einige Menschen widersetzten sich und starteten eine Rettungsaktion. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. 2025 neigt sich dem Ende zu – und damit auch das Gedenkjahr zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Ein Jahr, in dem auch daran erinnert wurde, wie schwer sich Österreich lange mit dem eigenen Anteil an den NS-Verbrechen tat. Lieber sah man sich als "erstes Opfer" statt als aktiver Teil eines Regimes, das Millionen Menschen ermordete. Verantwortung daran trugen aber nicht nur österreichische Parteigänger und Wehrmachtssoldaten. Auch viele Zivilistinnen und Zivilisten wurden zu Tätern. Besonders deutlich wird das an einem Verbrechen, das von den Nationalsozialisten zynisch als "Mühlviertler Hasenjagd" bezeichnet wurde. Im Kriegswinter 1945 gelang mehr als 400 Häftlingen des Konzentrationslagers Mauthausen – fast alle sowjetische Offiziere – die Flucht. Die extrem geschwächten Männer versuchten verzweifelt, die nahende russische Front zu erreichen. Doch Lager-SS und große Teile der lokalen Bevölkerung jagten sie erbarmungslos. Innerhalb weniger Tage wurden nahezu alle Geflohenen getötet. Nur wenige Menschen im Mühlviertel widersetzten sich der angeordneten Verfolgung. Zu ihnen gehörte die Familie Langthaler, die zwei sowjetische KZ-Flüchtlinge unter Lebensgefahr bis Kriegsende versteckte. Die aktuelle Serie des Podcasts "Inside Austria" widmet sich dieser Rettungsaktion. Anna Hackl, das letzte direkt beteiligte Familienmitglied, erinnert sich an jene Wochen, die ihr Leben geprägt haben. Die Serie zeigt auch, warum die "Hasenjagd" lange aus dem österreichischen Gedächtnis verschwand – und wie erst ein Spielfilm das Thema wieder ins öffentliche Bewusstsein rückte. Erinnern bedeutet nicht nur zurückzublicken, sondern Verantwortung zu übernehmen. Gerade jetzt, am Ende des Gedenkjahres, bleibt das notwendiger denn je. Dass diese Botschaft für Deutsche wie Österreicher gleichermaßen gilt, mag ein Beispiel aus den vergangenen Tagen verdeutlichen: mit dem Burschenschafter Wendelin Nepomuk Fessl hat es eben erst ein junger Österreicher in den Vorstand der neu gegründeten "Generation Deutschland" geschafft , der neuen, (noch) nicht als "gesichert rechtsextrem" geltenden Vorfeldorganisation der Alternative für Deutschland (AfD). Fessls Beförderung wirft ein Schlaglicht auf die zunehmende internationale Vernetzung der Szene. Ein weiteres Indiz: die offenkundige, grenzüberschreitende Attraktivität der in Österreich von Martin Sellner gegründeten Rechts-außen-Strömung "Identitäre Bewegung". Die deutschsprachigen Gesinnungsbrüder halten Kontakt. Mit freundlichen GrüßenIhr Walter Mayr Und noch einmal der Hinweis in eigener Sache: Dieses Briefing als Newsletter in Ihr E-Mail-Postfach können Sie hier bestellen.