Datum05.12.2025 14:07
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Münster-"Tatort" "Die Erfindung des Rades" dreht sich um den Fahrrad-Kult der Stadt. Bei der Präsentation eines neuen Radmodells fällt eine gefrorene Leiche aus einem Kühlschrank, was zu einer komplexen Handlung führt, die alte Familienkonflikte und ein 150 Jahre altes Verschwörungsszenario über die Erfindung des Fahrrads in Münster oder Coventry vermischt. Die Episode verbindet Humor mit Krimi-Elementen und bietet eine unterhaltsame Perspektive auf die Stadt. Regie führte Till Franzen, die Bewertung beträgt 7 von 10 Punkten.
InhaltKommissar Thiel röhrt, als wäre er Mitglied in einer Black-Metal-Band, dann radelt der Fahrrad-Ultra Jacques Tati durchs Bild: Die Comedy-Truppe des "Tatorts" verbeugt sich vor der Biker-Stadt Münster. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Einen Münster-"Tatort" nachzuerzählen, ist, wie die Botschaft eines Glückskekses zu interpretieren. Zu viel Bedeutung in die Handlung reinzulegen, bringt einen um den Spaß, den man der einen oder anderen Folge abringen kann. Der Plot ist meist nachrangig, im Vordergrund stehen die Gimmicks. Drei Dinge, die am neuen Fall herausstechen: Da radelt der Krimi dann doch noch, wenn auch ein bisschen aus der Puste, seinem eigentlichen Thema entgegen: dem Kult ums Bike. Hobrecht & Hobrecht, eine Münsteraner Fahrradmanufaktur in fünfter Generation, verspricht, ein sensationelles neues Modell auf den Markt zu bringen. Doch bei der Präsentation vor Presse und Fachpublikum zeigt sich nach der feierlichen Öffnung einer Holzkiste nur ein Kühlschrank, aus dem dann eine gefrorene Leiche fällt. Es ist der abtrünnige Bruder des Firmenpatriarchen. Wir brechen hier mal mit der Inhaltsangabe ab. Es ist wie meistens im Münster-"Tatort": Das Verbrechen führt tief in die Stadtgesellschaft und in die Konflikte alteingesessener Familien. Boerne poliert penibel exhumierte Schädel, Thiel schiebt sich eine fettige, dampfende Pizza rein. Ohne die wird in Münster ja kein Fall gelöst. Hier wird ihr Verzehr begleitet von einem lustvollen Grollen aus kaputter Kehle: "Oh, da ist aber ordentlich Knofi drauf!" Regie bei diesem doppelt und dreifach mit Nonsens belegten Comedy-Krimi führte Till Franzen, das Buch schrieb Thorsten Wettke. Die beiden hatten schon für die Münsteraner Urwaldfantasterei "Der Mann, der aus dem Dschungel fiel" von 2023 zusammengearbeitet, wo es um einen Abenteuerromancier ging, der sich seine Biografie zusammengesponnen hat. Auch in der neuen Episode ist der Fabulierfaktor hoch. Doch auf den letzten Metern entwickelt der Münster-"Tatort" dann ein erstaunlich belastbares Verschwörungsszenario, das sich über einen Zeitraum von mehr als 150 Jahren zieht. Es geht darin um die Frage, ob das Fahrrad, so wie wir es heute kennen, nämlich kettengetrieben und mit zwei gleich großen Felgen, tatsächlich im englischen Coventry erfunden wurde oder in Münster. Bei dem Speichenpatriotismus für die Fahrradstadt Münster, der beim Team Boerne und Thiel herrscht, ist die Auflösung natürlich leicht vorherzusagen. Die Bewertung: 7 von 10 Punkten "Tatort: Die Erfindung des Rades", Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste Kommissar-Karussell: Alle "Tatort"-Teams im Überblick