Aschaffenburg: Sicherungsverfahren um tödlichen Messerangriff hat begonnen

Datum16.10.2025 18:31

Quellewww.spiegel.de

TLDRIn Aschaffenburg hat das Sicherungsverfahren gegen einen 28-jährigen Mann begonnen, der am 22. Januar einen tödlichen Messerangriff auf eine Kitagruppe verübte. Sein Pflichtverteidiger beschreibt ihn als schwer krank und schuldunfähig aufgrund einer paranoiden Schizophrenie. Der Angreifer führte seine Tat auf Ängste vor islamistischen Gruppen zurück und hatte keine Verbindung zu den Opfern. Die Staatsanwaltschaft strebt eine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung an, um zukünftige Gewalttaten zu verhindern. Der Mann zeigt sich während der Verhandlung teils abwesend.

InhaltIn Aschaffenburg hat das Verfahren um den tödlichen Angriff auf eine Kitagruppe begonnen. Am ersten Verhandlungstag bezeichnete der Pflichtverteidiger seinen Mandanten als sehr kranken Menschen. Der Messerangreifer von Aschaffenburg kann sich nach Angaben seines Verteidigers nur diffus an seine Tat erinnern. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa, die zum Auftakt des Sicherungsverfahrens vor Ort war. Sein Mandant sei ein sehr kranker Mensch, sagte Jürgen Vongries vor dem Aschaffenburger Landgericht. Er habe Stimmen gehört und "einen Teufel im Kopf gehabt". Den Angriff bezeichnete Vongries als "Tat eines Wahnsinnigen". Laut dem Oberstaatsanwalt leide der Tatverdächtige an paranoider Schizophrenie. Bereits im Februar hatte ein forensisch-psychiatrisches Gutachten festgestellt, dass der Mann wahrscheinlich schuldunfähig sei. Dem psychiatrischen Gutachter sagte der Verdächtige nach Angaben seines Anwalts, er habe das rund 30 Zentimeter lange Küchenmesser aus seiner Flüchtlingsunterkunft in Alzenau mitgenommen, weil er unter anderem Angst vor den islamistischen Taliban gehabt habe. Die Opfer habe er zufällig ausgesucht, sagte ein Polizist vor Gericht. Warum oder wonach sei unklar. Der Mann habe keines der Opfer gekannt. "Es war überhaupt nicht vorhersehbar, es gab keine Trigger, wir wissen nicht warum", sagte der Beamte. "Ich kann Ihnen kein Motiv nennen." Die Staatsanwaltschaft möchte mit Blick auf die angenommene Schuldunfähigkeit erreichen, dass der Tatverdächtige dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus unterkommt. Ohne Behandlung könnten "mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit" weitere, auch hochaggressive Taten folgen. Am ersten Verhandlungstag wirkt der Mann teils abwesend. Seinen Geburtstag konnte er nicht mit letzter Sicherheit nennen, auch beim Geburtsort tat er sich schwer. Der ausreisepflichtige 28-Jährige hatte am 22. Januar in einem Park in Aschaffenburg einen zweijährigen Jungen und einen 41-Jährigen mit einem Messer getötet und drei Menschen schwer verletzt  . Schon vor der Tat war er unter anderem wegen anderer Körperverletzungen polizeilich bekannt und mehrfach zeitweise in einer Psychiatrie untergebracht. Nach dem Angriff kritisierte Traumaexperte Thomas Elbert im Interview mit dem SPIEGEL die Therapieangebote für Geflüchtete. Was sich seiner Meinung nach ändern muss, um Gefahren früher zu erkennen, lesen Sie hier .