Datum02.12.2025 10:10
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie RTL-Gruppe plant, rund 600 Stellen in Deutschland im Zuge einer Neustrukturierung abzubauen, um sich den Herausforderungen des Medienmarktes und der wirtschaftlichen Lage anzupassen. Der Umbau soll sozialverträglich erfolgen, mit einem Sozialplan zur Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen, und dabei Abfindungen sowie Altersteilzeit anbieten. Gleichzeitig richtet sich RTL stärker auf den Streamingdienst RTL+ aus, dessen Nutzung wächst. Der Konzern investiert über eine Milliarde Euro jährlich in hochwertige Inhalte und plant, Programmbudgets vom klassischen TV in Streamingangebote umzuschichten.
InhaltDie RTL-Gruppe möchte nach eigenen Angaben etwa jeden zwölften Beschäftigten loswerden. Durch einen Sozialplan will das zu Bertelsmann gehörende Medienunternehmen betriebsbedingte Kündigungen aber "möglichst vermeiden". Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. RTL Deutschland streicht im Rahmen einer Neustrukturierung rund 600 Stellen. "Es gibt zwei große Herausforderungen, die wir lösen müssen, um langfristig erfolgreich zu sein", sagte RTL-Deutschlandchef Stephan Schmitter der Nachrichtenagentur dpa. Eine davon sei der tiefgreifende Wandel im Medienmarkt, die andere die schwierige konjunkturelle Lage. Die 600 betroffenen Stellen umfassen RTL Deutschland zufolge sowohl Vollzeit- als auch Teilzeitkräfte. Der Umbau solle sozialverträglich umgesetzt werden. "So sozialverträglich, wertschätzend und transparent, wie es in einer so schwierigen Situation möglich ist", ergänzte Schmitter. Gemeinsam mit den Betriebsräten sei ein spezielles Abfindungsprogramm entwickelt worden, um betroffene Beschäftigte zu unterstützen. "Der Sozialplan, den wir mit dem Betriebsrat verhandelt haben, soll betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermeiden", sagte Schmitter. Betroffene Beschäftigte sollen stattdessen über Altersteilzeit, Abfindungen oder andere Unterstützungsangebote entlastet werden. Die "Wirtschaftswoche" hatte zuvor von einem angeblich geplanten Stellenabbau in einer Größenordnung von 800 bis 1000 Arbeitsplätzen berichtet. Dort hieß es, mehrere Teilbetriebe würden eingestellt, es könne dort auch zu betriebsbedingten Kündigungen kommen. RTL Deutschland gehört zur internationalen RTL Group, Europas größter kommerzieller Sendergruppe. In Deutschland betreibt das Unternehmen neben RTL etwa den Nachrichtensender n-tv, Vox sowie den Streamingdienst RTL+. Hinter dem Stellenabbau stecken unter anderem die derzeit schlechte wirtschaftliche Lage in Deutschland und eine Schwäche des TV-Werbemarktes. Seit 2019 sind RTL zufolge die linearen TV-Werbeumsätze in Deutschland um mehr als 20 Prozent gesunken. Gleichzeitig habe der Konzern massiv in den Ausbau des Streamingdienstes RTL+ investiert, dessen Abonnentenzahl bei 6,6 Millionen liegt. Das Unternehmen steht auf dem Markt allerdings in direkter Konkurrenz zu erfolgreichen US-Streamingdiensten wie Netflix. Wohl auch deshalb hatte RTL im Sommer bekannt gegeben, die Geschäfte des Pay-TV-Senders Sky in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu übernehmen. Für den Erwerb vom US-Medienkonzern Comcast sollte ein dreistelliger Millionenbetrag fließen . "Diese Gesamtsituation macht es zwingend notwendig, dass wir uns jetzt strukturell neu aufstellen", sagte Schmitter. Das Unternehmen zeigte sich allerdings auch zuversichtlich, dass RTL+ mit weiter dynamischem Wachstum in allen Kennzahlen – Umsatz, zahlende Abonnenten, Nutzungsdauer – auf Kurs sei, im Geschäftsjahr 2026 profitabel zu werden. Gleichzeitig richtet sich RTL stärker auf das Streaminggeschäft aus. "Durch die Maßnahmen werden wir einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in den Personalkosten einsparen", sagte Schmitter, der den Chefsessel erst 2024 von Thomas Rabe übernommen hatte. "Aber viel wichtiger wird es sein, die Organisation konsequent auf die großen Veränderungen im Medienmarkt auszurichten und auf den Wettbewerb mit den US-amerikanischen Streamingdiensten zu fokussieren." Für Zuschauerinnen und Zuschauer soll der Umbau keine unmittelbaren Einschnitte beim linearen Programm nach sich ziehen. "Wir senden nach wie vor 24 Stunden rund um die Uhr", sagte Schmitter. Zugleich kündigte er an, dass die Programmbudgets zunehmend vom linearen TV in hochwertige Streaminginhalte verschoben werden. "Wir planen weiter, jedes Jahr über eine Milliarde in unsere Inhalte zu investieren, die Budgets aber zugunsten hochwertiger Streaminginhalte umzuverteilen." Außer für das Programm trägt Schmitter bei RTL auch die Verantwortung für den Streamingdienst RTL+ – sowie für das umgebaute Publishinggeschäft Gruner + Jahr (G+J). In diesem Bereich hatte es zuletzt bereits eine kräftige Sparrunde mit Stellenabbau gegeben. Um Inhalte künftig effizienter produzieren zu können, prüft Schmitter, ob sogenannte Content-Teams zusammengelegt werden können. "Zurzeit sind einzelne Content-Teams für den jeweiligen Inhalt auf einem TV-Kanal verantwortlich. Diese Teams werden wir zusammenlegen, damit sie dann gemeinsam den besten Inhalt für RTL+ in jedem Genre produzieren", sagte Schmitter. "Wir lösen die aktuelle Kanallogik auf, denn beim Streaming schaut jeder, wo er will, was er will und wann er will." Als Abonnentin oder Abonnent von SPIEGEL+ haben Sie die Möglichkeit, manager+ zum Vorteilspreis dazuzubuchen. Darin enthalten sind alle Inhalte von manager magazin+ und Harvard Business manager+. Damit ist es das ideale Abo für alle, die tiefe Einblicke in die deutsche Wirtschaft, die Chefetagen großer Unternehmen und in die spannendsten Start-ups suchen. Jetzt flexibel upgraden: Sichern Sie sich manager+ für nur 2 Euro pro Woche! Was das im Einzelnen bedeutet, ist noch nicht vollständig entschieden. "Da sind wir noch in der finalen Abstimmung, aber es ist durchaus möglich, dass ›die Verräter‹ oder ›die Bachelors‹ zunächst vollständig auf RTL+ zu sehen sind, bevor sie im linearen TV ausgestrahlt werden", sagte Schmitter.