Sumo-Event in London: Die schweren Herren der Ringe

Datum16.10.2025 16:22

Quellewww.spiegel.de

TLDRErstmals seit 34 Jahren findet Japans "Grand Sumo Tournament" außerhalb des Landes in der Royal Albert Hall in London statt. Über 40 Ringer kämpfen fünf Tage lang um den Sieg, darunter der vielversprechende Star Ōnosato Daiki. Das Event soll nicht nur die Verbindung zwischen Japan und England stärken, sondern auch das angeschlagene Image des Sumos nach Skandalen wiederherstellen. Präsident Nobuyoshi will mit der Veranstaltung die Popularität des Sumos fördern und hat sich einen persönlichen Traum erfüllt.

InhaltZum ersten Mal seit 34 Jahren findet Japans "The Grand Sumo Tournament" im Ausland statt. In der ausverkauften Londoner Royal Albert Hall geht es fünf Tage lang um Kiloprotze, Sekundensiege – und böse Geister. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Hokutoumi Nobuyoshi ist seit zehn Jahren Präsident des japanischen Sumoverbands. So lange versucht er schon, seinen Traum zu verwirklichen: die Rückkehr des Sumo nach Europa. Seit Mittwochabend kann er sagen: Es ist ihm gelungen. Fünf Tage lang kämpfen in der Londoner Royal Albert Hall über 40 Ringer um den Sieg beim "Grand Sumo Tournament". Das Turnier findet zum ersten Mal seit 1991 wieder außerhalb Japans statt. Auch damals war die traditionsreiche Veranstaltungsstätte im Herzen der englischen Hauptstadt Austragungsort. Der Sieger hieß: Hokutoumi Nobuyoshi, der unter seinem Kampfnamen Hakkaku triumphierte. Jetzt kehrt er als Veranstalter zurück. "Um die Verbindungen zwischen den beiden Ländern zu stärken", sagt er. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Sumo benötigt eine neue Erzählung, nachdem das Image des Sports in den vergangenen Jahren unter Skandalen litt. Es ging um Mobbing, um Wettabsprachen und Prügelaffären. Da kommt ein Star wie Ōnosato Daiki, Kampfname Onosato, gerade recht. Der 190 Kilogramm schwere Hoffnungsträger ist nicht nur ein starker Kämpfer, sondern hat auch ein sauberes Image. Zudem: Er ist der erste in Japan geborene Champion seit fast einer Dekade. Dem Heimatland des Sumo geht der Nachwuchs aus. So starten in London neben Onosato mit Aonishiki und Shishi auch zwei Ringer aus der Ukraine. Viele Teilnehmer stammen aus der Mongolei. Aonishiki war es auch, der beim Publikum, darunter auch der japanische Botschafter, am ersten der fünf Abende für die größte Begeisterung sorgte: Er warf seinen viel schwereren Gegner Atamifuji mit einer selten gesehenen Technik um, indem er eines seiner Beine von innen aus dem Knie herausstreckte und ihn gleichzeitig an der gegenüberliegenden Schulter nach unten drehte. Klingt kompliziert und ist bei der Geschwindigkeit der Bewegungen in der Halle auch kaum nachzuvollziehen. Frenetischen Applaus gab es dennoch. Weniger Glück hatte Midorifuji, der mit 114 Kilogramm leichteste Teilnehmer des Turniers, der sich vom Kasachen Kinbozan, satte 64 Kilogramm schwerer als sein Gegner, in die Luft heben und aus dem Ring tragen ließ. Die Stars Onosato und Hoshoryu gewannen ihre ersten Kämpfe souverän. Bereits am Eröffnungstag riefen Händler vor der Halle bis zu 500 Pfund (knapp 580 Euro) für die besten Plätze auf. Hier, direkt am Ring, schwingt immer der Nervenkitzel mit, den aus dem Ring geschobenen Kolossen gefährlich nah zu kommen. Die Kämpfe selbst sind meist ein kurzes Vergnügen. Während sich die "Rikishi" genannten Kontrahenten fürs Niederstarren und Aufstampfen reichlich Zeit lassen, fällt die Entscheidung nach dem ersten körperlichen Aufeinanderprallen oft nach wenigen Sekunden. Der Abend endete mit einer Zeremonie. Ein Nachwuchsringer vertrieb die bösen Geister von der "Dohyo"-Kampfplattform aus Erde und Lehm. Vier Tage hatten fleißige Hände an der Kampffläche gearbeitet. Die irdischen Zutaten wurden aus der zwei Stunden entfernten Stadt Kettering herbeigeschafft, fürs Spirituelle sind die Gäste aus Japan zuständig. A post shared by Royal Albert Hall (@royalalberthall) Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. "Das ist nicht nur ein Sportevent, sondern auch eine heilige Zeremonie", hatte Nobuyoshi bei seiner Eingangsrede gesagt. Es waren seine ersten Worte in der Royal Albert Hall seit seiner Siegesrede 1991. In drei Jahren tritt er als Präsident der japanischen Sumoringer ab. Mit der Reise nach Europa hat er sich nicht nur einen persönlichen Wunsch erfüllt, es soll auch die Strahlkraft des Sumosports gestärkt werden. Einst hatte die Japan Sumo Association 1000 Kämpfer in ihren Reihen, mittlerweile sind es nur noch 600. Wie macht man aus einer 1500 Jahre alten Kampfsportart eine Trendsportart? Nobuyoshi versucht, die Welt zu begeistern. Und die bösen Geister zu vertreiben.