Datum02.12.2025 10:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDie deutsche Industrie befindet sich laut BDI-Präsident Peter Leibinger im "freien Fall" und erlebt die schlimmste Krise seit 1949. Die Produktion soll im vierten Jahr in Folge um zwei Prozent sinken. Besonders betroffen sind die Chemie-, Maschinenbau- und Stahlindustrie, während die Bau- und Autoindustrie eine stabilere Lage zeigt. Leibinger fordert eine wirtschaftspolitische Wende mit Fokus auf Investitionen und Strukturreformen, um Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum zu sichern. Eine entschlossene Reduzierung der Bürokratie ist ebenfalls nötig.
InhaltDas vierte Jahr in Folge schrumpft die Produktion in der Industrie. Laut BDI-Präsident Peter Leibinger steckt Deutschlands Wirtschaft in ihrer tiefsten Krise seit 1949. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht den Wirtschaftsstandort Deutschland im "freien Fall". Die deutsche Industrie stehe derzeit vor einem dramatischen Tiefpunkt, sagte BDI-Präsident Peter Leibinger der Nachrichtenagentur dpa. "Der Wirtschaftsstandort befindet sich in seiner historisch tiefsten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik, doch die Bundesregierung reagiert nicht entschlossen genug." In einem neuen Industriebericht wird für dieses Jahr ein Rückgang der Produktion in der Industrie um zwei Prozent erwartet. Damit würde sie das vierte Jahr in Folge schrumpfen. "Das ist keine konjunkturelle Delle, sondern ein struktureller Abstieg", sagte Leibinger. Die deutsche Industrie verliere kontinuierlich an Substanz. In einer schwierigen Lage befindet sich zum Beispiel die Chemieindustrie. Zuletzt lag dem Bericht zufolge die Auslastung der Chemieanlagen nur noch bei 70 Prozent. Auch der Maschinenbau und die Stahlindustrie seien unter Druck. Die Lage in der Bauindustrie dagegen scheint sich zu stabilisieren. In der Autoindustrie wird mit einem Produktionsplus gerechnet, die Kapazitätsauslastung ist gestiegen. Die Beschäftigung in der Automobilindustrie aber sei unter Druck geraten. "Deutschland braucht jetzt eine wirtschaftspolitische Wende mit klaren Prioritäten für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum", sagte Leibinger. Jeder Monat ohne entschlossene Strukturreformen koste weitere Arbeitsplätze, Wohlstand und enge künftige Spielräume des Staates ein. Konkret forderte der BDI-Präsident, die Bundesregierung müsse Investitionen Vorrang vor konsumorientierten Ausgaben einräumen. Das Sondervermögen müsse transparent für zusätzliche Investitionen genutzt werden. Schon länger gibt es Kritik daran, dass die Bundesregierung Vorhaben aus dem Kernhaushalt in das Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz verschiebt – um dann mit freigewordenen Mitteln Projekte wie die umstrittene Ausweitung der Mütterrente zu finanzieren. Leibinger forderte außerdem einen konsequenten Bürokratieabbau. Zwar habe die Bundesregierung erste Schritte eingeleitet. Die Unternehmen bräuchten aber weitreichende Entlastungen, die sie im Alltag wirklich spürten.