Den Haag: Deutschland überstellt libyschen Folterknast-Chef wegen Kriegsverbrechen

Datum02.12.2025 11:31

Quellewww.spiegel.de

TLDRDeutschland hat den libyschen Kriegsverbrecher Khaled al-Hishri an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag überstellt. Al-Hishri, ein hochrangiges Mitglied der Rada-Miliz, wird beschuldigt, zwischen 2015 und 2020 Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter Folter, Mord und sexuelle Gewalt, organisiert zu haben. Er wurde am Flughafen Berlin festgenommen, als er nach Tunis reisen wollte. Mit dieser Überstellung könnte er der erste libysche Täter vor dem Gerichtshof sein, seit Ermittlungen zu Libyen eingeleitet wurden.

InhaltEin in Deutschland festgenommener Libyer wurde an den Internationalen Strafgerichtshof übergeben. Nach SPIEGEL-Informationen leitete er in Tripolis ein Gefängnis, in dem Frauen wohl misshandelt wurden. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Deutschland hat einen mutmaßlichen Kriegsverbrecher an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (ICC) überstellt. Wie der ICC und das Auswärtige Amt mitteilen, wurde der Beschuldigte beim Gericht in Gewahrsam genommen. Nach SPIEGEL-Informationen handelt es sich bei dem Mann um den libyschen Staatsangehörigen Khaled al-Hishri, genannt al Buti. Er ist ein führendes Mitglied der Rada-Miliz, die in der libyschen Hauptstadt Tripolis den Flughafen Mitiga und das umliegende Gebiet kontrolliert. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Der Strafgerichtshof bestätigte, dass es bei dem Überstellten um al-Hishri geht. Ihm werde vorgeworfen, zwischen 2015 und 2020 Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen begangen, angeordnet oder beaufsichtigt zu haben. Darunter sind Mord, Folter, Vergewaltigung und sexuelle Gewalt, wie der ICC mitteilt. Schon im Juli hatte der SPIEGEL berichtet  , dass die Bundespolizei al-Hishri am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) festgenommen hatte. Er hatte versucht, in die tunesische Hauptstadt Tunis zu reisen. Nach Angaben des ICC  erfolgte die Festnahme am 16. Juli 2025, sechs Tage nachdem der Gerichtshof einen Haftbefehl ausgestellt hatte. Al-Hishri soll nach Informationen des SPIEGEL  lange Zeit ein Frauengefängnis in Libyen geleitet haben. Es ist Teil berüchtigter Hafteinrichtungen auf dem Flughafengelände in Tripolis. Dort wurden wiederholt Gefangene misshandelt, gefoltert oder über Monate ohne jeden Kontakt zur Außenwelt festgehalten. Uno-Berichte dokumentieren schwerste Menschenrechtsverletzungen. Mit der Überstellung könnte al-Hishri der erste libysche Gewaltakteur seit dem Beginn der Ermittlungen des Gerichtshofs zu Libyen sein, der in Den Haag vor Gericht kommt. Vor dem Internationalen Strafgerichtshof soll al-Hishri angehört werden. Wann diese stattfinden wird, ist nach Angaben des ICC noch nicht klar. In der Anhörung werde unter anderem die Identität des Beschuldigten überprüft. Außerdem erfahre al-Hishri, welche Verbrechen ihm vorgeworfen werden. Der Verwaltungschef des Gerichtshofs, Osvaldo Zavala Giler, bedankte sich bei den nationalen Behörden für die intensive und konsequente Zusammenarbeit, die die Verhaftung al-Hishris möglich gemacht habe. Welche Hinweise gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher vorliegen, lesen Sie hier .