Manuel Ostermann: Nur zu links war er noch niemandem

Datum16.10.2025 16:00

Quellewww.zeit.de

TLDRManuel Ostermann, Bundespolizist und Gewerkschafter, polarisiert mit seinem Buch "Deutschland ist nicht mehr sicher", das sich kritisch mit der inneren Sicherheit auseinandersetzt. Ostermann behauptet, Deutschland sei seit 2015 durch Geflüchtete unsicherer geworden, und sieht steigende Gewalt- und Sexualdelikte. Sein Auftritt in einer Malchower Kirche zeigte große Resonanz, jedoch distanziert sich die konkurrierende Gewerkschaft von ihm. Ostermann wirft Fragen auf zur Rolle von Beamten als politische Stimmen und zur Genauigkeit ihrer Aussagen in sicherheitspolitischen Diskussionen.

InhaltDer Polizeigewerkschafter Manuel Ostermann polarisiert. Jetzt hat er ein Buch geschrieben: "Deutschland ist nicht mehr sicher". Was steckt hinter seiner These? Manuel Ostermann bringt sich vor dem Altar in Stellung. Ein Auftritt in einer Kirche, das ist auch für ihn etwas Besonderes. Bereits zweimal hat die Gemeinde tosend für ihn applaudiert und außerdem einen Liedtext aus dem Jahr 1561 gesungen: "Wach auf, wach auf, du deutsches Land!" Der Pfarrer fand, es passe gut zu diesem Abend im Oktober 2025. Obwohl das Dorf Malchow in der Uckermark nur etwa 150 Einwohner hat, ist jeder der 200 Stühle im Kirchenschiff belegt. Auch aus den Nachbarorten sind sie gekommen, und aus Berlin. Die Eintrittskarten sind ausgegangen, aber wer fünf Euro zahlt, kommt trotzdem herein.  Sonst treten beim "Malchower Format" Impfgegner oder Kritiker der Coronamaßnahmen auf. Heute ist es ein Bundespolizist im Slim-Fit-Anzug.  Manuel Ostermann ist Mitglied der CDU und als Bundespolizist Teil der Mobilen Kontroll- und Überwachungseinheit (MKÜ) in Essen, die als "Feuerwehr" der Bundespolizei gilt. Sie kommt zum Beispiel bei Demonstrationen, an Bahnhöfen und im Grenzgebiet zum Einsatz. Aber der 35-Jährige ist seit Jahren vom Dienst freigestellt. Denn er ist auch Mitglied in verschiedenen Personalräten – und erster stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) mit rund 100.000 Mitgliedern. Ebenso viele Follower hat Manuel Ostermann auf X. Und jetzt hat er auch noch einen Bestseller geschrieben. Mit seinen Aussagen polarisiert Ostermann. So sehr, dass die konkurrierende Gewerkschaft der Polizei (GdP) sich ausdrücklich von ihm distanziert. Sein Engagement wirft Fragen auf. Zum Beispiel diese: Wie populistisch kann, sollte, darf ein Buchautor oder Gewerkschafter sein, wenn er zugleich Beamter ist? Oder diese: Wie viel Präzision in Fakten über innere Sicherheit darf man von einem Mann erwarten, der von Beruf Polizist ist? Und: Ist Ostermann dabei, seine politische Karriere vorzubereiten? Der Kern von Ostermanns Buch ist ein Gefühl, und um dieses Gefühl geht es auch an diesem Abend in der Malchower Dorfkirche: "Deutschland ist nicht mehr sicher." Das Buch erschien im Juni 2025 im Deutschen Wirtschaftsbuch Verlag und befindet sich bereits in der fünften Auflage. Laut Verlag liegen die Verkaufszahlen im fünfstelligen Bereich. Sowohl das Buch als auch der Auftritt in der Kirche sind eine Abrechnung mit einem Deutschland, das Ostermann nicht mehr wiederzuerkennen scheint. Für ihn, so schreibt er, ist Deutschland nicht nur sein Zuhause, sondern sein Haus. Und in diesem Haus, so Ostermann, wolle er keine Fremden, die sich an seinen gedeckten Tisch setzten und an dem bedienten, was er eingekauft und gekocht habe.  Schon Ostermanns Onkel war Dorfpolizist und sein großes Vorbild. Er selbst wurde zum Schulsprecher gewählt, aber mit dem Lernen tat sich Ostermann schwer. Er machte einen Hauptschulabschluss und begann eine Ausbildung in der Fachrichtung Metall. An der Berufsschule holte er die Mittlere Reife nach, mit 19 Jahren ging er zur Polizei.  Dann habe Ostermann erlebt, so beschreibt er es in seinem Buch, wie Deutschland ab 2015 von Geflüchteten überrannt worden sei. Zehn Jahre später sei das kollektive Sicherheitsgefühl verloren gegangen. Ostermann bemüht Statistiken, und sieht rasant steigende Zahlen bei Gewalt- und Sexualdelikten und der Jugendkriminalität. Während die Welt in den 2000er Jahren noch "weitestgehend in Ordnung" gewesen sei, herrschten nun mitten in Deutschland anarchische Zustände – mit dem Görlitzer Park in Berlin als "Vorhölle unserer Gesellschaft".