Datum02.12.2025 07:08
Quellewww.spiegel.de
TLDRBDI-Präsident Peter Leibinger warnt vor einer "historisch tiefen Krise" der deutschen Industrie, die sich vor einem dramatischen Rückgang der Produktion befindet. Für 2025 wird ein anhaltender Abstieg prognostiziert, während die Bundesregierung nicht entschlossen genug reagiert. Ein Produktionsrückgang um zwei Prozent ist für dieses Jahr zu erwarten. Leibinger fordert rasche Reformen, Priorität auf Investitionen und Bürokratieabbau, um Arbeitsplätze und Wohlstand zu sichern. Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, insbesondere in der Chemiebranche und dem Maschinenbau, obwohl die Autoindustrie leichte Fortschritte zeigt.
Inhalt"Historisch tiefste Krise" und "struktureller Abstieg": BDI-Chef Peter Leibinger wählt drastische Worte, um auf die Lage der Industrie hinzuweisen. Im Kampf gegen den weiteren Rückgang der Produktion verlangt er rasche Reformen. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) bangt um die Zukung des Standorts Deutschland. Die deutsche Industrie stehe am Ende des Jahres 2025 vor einem dramatischen Tiefpunkt, sagte BDI-Präsident Peter Leibinger der Nachrichtenagentur dpa. "Der Wirtschaftsstandort befindet sich in seiner historisch tiefsten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik, doch die Bundesregierung reagiert nicht entschlossen genug." In einem neuen Industriebericht wird für dieses Jahr ein Rückgang der Produktion in der Industrie um zwei Prozent erwartet. Damit würde sie das vierte Jahr in Folge schrumpfen. "Das ist keine konjunkturelle Delle, sondern ein struktureller Abstieg", so Leibinger. Die deutsche Industrie verliere kontinuierlich an Substanz. Der Wirtschaftsstandort befinde sich "im freien Fall". Für die Konjunktur insgesamt sieht es ebenfalls schlecht aus. Nach zwei Jahren ohne Wirtschaftswachstum rechnen die Bundesregierung und Wirtschaftsinstitute für das laufende Jahr allenfalls mit einem Mini-Wachstum. Im kommenden Jahr soll es leicht bergauf gehen. Allerdings haben die sogenannten Wirtschaftsweisen ihre Erwartungen für 2026 zuletzt bereits leicht nach unten korrigiert. Die Mitglieder des Sachverständignrats zur Begutachtung der gesamtwirtschatlichen Entwicklung erwarten auch im nächsten Jahr nur ein BIP-Wachstum von 0,9 Prozent. In einer schwierigen Lage befindet sich zum Beispiel die Chemieindustrie. Zuletzt lag dem Industriebericht zufolge die Auslastung der Chemieanlagen nur noch bei 70 Prozent. Auch der Maschinenbau und die Stahlindustrie seien unter Druck. Die Lage in der Bauindustrie dagegen scheint sich zu stabilisieren. In der Autoindustrie wird mit einem Produktionsplus gerechnet, die Kapazitätsauslastung ist gestiegen. "Deutschland braucht jetzt eine wirtschaftspolitische Wende mit klaren Prioritäten für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum", sagte Leibinger. Jeder Monat ohne entschlossene Strukturreformen koste weitere Arbeitsplätze und Wohlstand und enge künftige Spielräume des Staates massiv ein. Konkret fordert der BDI-Präsident, die Bundesregierung müsse Investitionen Vorrang vor konsumtiven Ausgaben einräumen. Das Sondervermögen müsse transparent für zusätzliche Investitionen genutzt werden. Schon länger gibt es Kritik daran, dass die Bundesregierung Vorhaben aus dem Kernhaushalt in das Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz verschiebt, um dann mit freigewordenen Mitteln Projekte wie die umstrittene Ausweitung der Mütterrente zu finanzieren. Leibinger fordert außerdem einen konsequenten Bürokratieabbau. Zwar habe die Bundesregierung erste Schritte eingeleitet. Die Unternehmen bräuchten aber weitreichende Entlastungen, die sie im Alltag wirklich spürten.