"Cold Case": Neue Ermittlungsansätze zu Giftmord vor 19 Jahren

Datum16.10.2025 15:23

Quellewww.zeit.de

TLDR19 Jahre nach dem mutmaßlichen Giftmord an Johann I. in Minden haben Ermittler neue Ansätze zur Aufklärung des Falls. Ein aktuelles Gutachten deutet darauf hin, dass die Vergiftung möglicherweise bereits am Freitag vor seinem Tod erfolgt ist. Johann I. wurde, nachdem er aus einer mit Gift versetzten Limonadenflasche trank, schwer verletzt und starb im Krankenhaus. Die Polizei vermutet, dass der Täter aus dem Mitarbeiterkreis des Chemieunternehmens stammt, da die Zutrittskontrollen streng waren. Ermittlungen werden intensiviert.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „"Cold Case"“. Lesen Sie jetzt „Neue Ermittlungsansätze zu Giftmord vor 19 Jahren“. Rund 19 Jahre nach einem mutmaßlichen Giftmord in Minden haben sich für die Ermittler neue Ansätze ergeben. Die Polizei berichtet von einem aktuellen Gutachten, das neue Rückschlüsse auf den zeitlichen Ablauf der Tat zulässt. Der damals 44-jährige Johann I. war am 18. Dezember 2006 an seinem Arbeitsplatz in einem Chemieunternehmen vergiftet worden. Umfangreiche Ermittlungen einer Mordkommission führten damals nicht zur Klärung der Tat. Johann I. war zusammengebrochen, nachdem er aus seiner im Kühlschrank deponierten und angebrochenen Limonaden-Flasche getrunken hatte. Wie sich später herausstellte, war der Inhalt von einem Unbekannten mit einem hochtoxischen Gift versetzt worden. Der 44-Jährige starb wenige Stunden später im Krankenhaus. Zahlreiche Kontaktpersonen und Mitarbeiter der Firma seien nach dem Mord vernommen und deren Zugangsmöglichkeiten zum Pausenraum sowie Alibis überprüft worden, teilte die Polizei mit. Auch mehreren Hinweisen aus der Bevölkerung gingen die Ermittler nach. Ein Täter wurde aber nicht gefunden. Die Ermittlergruppe "Cold Case" der Polizei in Bielefeld gab im Sommer 2024 eine Untersuchungsreihe beim Landeskriminalamt in Auftrag. Unter anderem seien die chemische Zusammensetzung des Gift-Cocktails sowie die Druckzustände innerhalb der Flasche in Abhängigkeit von der Lagertemperatur untersucht worden. Markus Mertens, erster Kriminalhauptkommissar und Leiter der Ermittlungsgruppe, erklärt laut Mitteilung: "2006 ging man zunächst davon aus, dass die Flasche am Wochenende (16./17. Dezember 2006) vor der Vergiftung verunreinigt worden sein muss." Nach den neuen Ergebnissen sei aber auch möglich, dass die Flasche schon am Freitag zuvor kontaminiert wurde. Deshalb wolle die Polizei nun erneut gründliche Vernehmungen in den Kreisen der an jenem Freitag dort tätigen Beschäftigten durchführen. Aus Sicht der Ermittler ist es sehr wahrscheinlich, dass der Täter im Kreis der Mitarbeitenden des Chemieunternehmens zu suchen ist, da der Zutritt auf das Werksgelände durch Zugangskontrollen begrenzt war. Möglicherweise spielte auch eine bevorstehende Kündigungswelle in dem Unternehmen eine Rolle. Die Konzernleitung hatte diese kurz vor der Tat angekündigt. Die Ermittler suchen nach Menschen, die Angaben zu der Tat machen können. © dpa-infocom, dpa:251016-930-170443/1