Datum16.10.2025 11:33
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer ADAC warnt vor einer Bundesratsinitiative zur Regulierung von Spritpreisen, die Autofahrer finanziell belasten könnte. Ein Modell aus Österreich, das Preisänderungen nur einmal täglich erlaubt, könnte dazu führen, dass Tankstellen die Preise vorab stärker erhöhen. Dies könnte die Tagesdurchschnittspreise steigern und sei für Verbraucher kontraproduktiv. Der Vorschlag aus Baden-Württemberg, der am Freitag im Bundesrat behandelt wird, folgt der Kritik an häufigen Preisänderungen in Deutschland. Günstiger Tankzeitpunkt bleibt abends, während Österreich niedrigere Preise durch geringere Steuern erzielt.
InhaltEine gut gemeinte Bundesratsinitiative zu Spritpreisen bewirkt laut ADAC womöglich das Gegenteil: Dürften Tankstellen Kraftstoff nur noch einmal am Tag verteuern, könnte das Autofahrer finanziell erheblich belasten. In Österreich ist das Modell schon Realität: Nur einmal am Tag, in dem Fall um 12 Uhr, dürfen Tankstellenbetreiber die Preise erhöhen – Senkungen sind hingegen immer möglich. Eine entsprechende Preisbremse könnte auch in Deutschland bald kommen, das Land Baden-Württemberg will eine entsprechende Initiative im Bundesrat einbringen. Der ADAC warnt nun , eine solche Regulierung könnte nach hinten losgehen. Sprit könnte sogar teurer werden, sagte der Kraftstoffmarktexperte des ADAC, Christian Laberer, nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa. "Wenn die Konzerne nur einmal am Tag die Preise anheben dürfen, besteht die Gefahr, dass die Erhöhung von vorneherein stärker ausfällt als in einem flexiblen Modell wie bei uns", sagt er. Der Gedanke dahinter: Wer später nicht mehr erhöhen kann, geht im Zweifelsfall lieber weiter nach oben. "Das kann durchaus dazu führen, dass die Tagesdurchschnittspreise durch eine solche Regulierung steigen. Das wäre aus Verbrauchersicht kontraproduktiv", sagt Laberer und fügt hinzu: "Ziemlich sicher kann der informierte Autofahrer mit dem deutschen System günstiger tanken – wenn er sich an die seit Jahren geltende Faustregel hält: Tanke abends, meide den teuren Morgen." Demgegenüber schneidet das österreichische Modell in den Augen des Experten schlechter ab. Wenn nur um 12 Uhr mittags erhöht werden darf, sei der günstigste Tankzeitpunkt daher in der Regel kurz davor und nicht mehr am Abend. "Und dann zu tanken, ist für die meisten Arbeitnehmer unpraktisch." Dennoch sind die Spritpreise in Österreich in der Regel niedriger als in Deutschland. Das habe mit der Beschränkung auf eine Erhöhung am Tag aber nichts zu tun, betont Laberer: "Das liegt an den dort niedrigeren Steuern auf Kraftstoffe." Der baden-württembergische Vorschlag soll am Freitag im Bundesrat eingebracht werden. Hintergrund ist Kritik, dass die Spritpreise in Deutschland sich ständig ändern. Im Schnitt sind es nach Daten des Bundeskartellamts um die 20 Anpassungen pro Tag und Tankstelle. Typischerweise folgt auf eine hohe Spitze im morgendlichen Berufsverkehr eine wellenförmige Abwärtsbewegung bis zum Tief am Abend.