Vor möglichen Friedensgesprächen: Russland überzieht Ukraine erneut mit Drohnen und Raketen

Datum29.11.2025 09:11

Quellewww.spiegel.de

TLDRRussland hat die Ukraine erneut mit massiven Drohnen- und Raketenangriffen überzogen, bei denen zwei Menschen starben und viele verletzt wurden. Gleichzeitig plant eine ukrainische Delegation Gespräche in den USA über Trumps Friedensplan. Der Leiter dieser Delegation trat wegen Korruptionsvorwürfen zurück. Ungarns Premier Orbán schlägt vor, die Ukraine nach dem Krieg als "Pufferstaat" zwischen Russland und der NATO zu etablieren. Orbán betont, dass eine dauerhafte Lösung des Konflikts verhandelbar sei.

InhaltEine ukrainische Delegation soll in die USA reisen, um über Trumps Friedensplan zu sprechen. Russland hält das nicht von massiven Angriffen ab. Und Ungarns Premier Orbán will einen "Pufferstaat" errichten. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Die Ukraine ist nach Angaben ihres Außenministeriums in der Nacht erneut massiv von Russland angegriffen worden. Dabei seien zwei Menschen getötet und zwei Dutzend verletzt worden, schrieb Andrij Sybiha auf der Plattform X. Russland habe mit Dutzenden Marschflugkörpern und ballistischen Raketen sowie über 500 Drohnen mehrere Wohnhäuser, das Energienetz und kritische Infrastruktur beschossen. In der Hauptstadt Kyjiw waren die ganze Nacht über Explosionen zu hören. Auch in anderen Landesteilen wurde Berichten zufolge Raketenalarm ausgelöst. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Sybiha warf Moskau vor, weiter "zu töten und zu zerstören", während die Welt Friedenspläne für den Konflikt diskutiere. Derzeit laufen weiter Gespräche über ein mögliches Ende des russischen Angriffskriegs. Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf einen hochrangigen Vertreter berichtet, soll eine ukrainische Delegation noch an diesem Wochenende in die USA reisen, um dort den von Trump vorgelegten Plan zur Beendigung des Kriegs zu sprechen. "Die Delegation plant ein Treffen mit der amerikanischen Seite am Ende dieser Woche", zitierte AFP den Insider. Die Gespräche könnten demnach im US-Bundesstaat Florida stattfinden. Kurz zuvor war der Leiter der ukrainischen Delegation bei den jüngsten Gesprächen in Genf, Andrij Jermak, wegen Korruptionsverdachts zurückgetreten. Die ursprüngliche Fassung des in Genf verhandelten, von den USA verfassten Plans war weithin als vorteilhaft für Russland beurteilt worden. Dem Vertreter zufolge sollte Jermak an den Gesprächen teilnehmen, ehe er zurücktreten musste. Mehr über Jermak und wieso der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an ihm festhielt, bis es nicht mehr ging, lesen Sie hier.  Für Samstag setzte Selenskyj Gespräche mit potenziellen Kandidaten für Jermaks Nachfolge an. In der Zwischenzeit würden Militärs, Diplomaten und die Geheimdienste die Verhandlungen mit den USA führen, erklärte Selenskyj in Onlinediensten. In den kommenden Tagen wird US-Verteidigungsstaatssekretär Dan Driscoll in Kyjiw erwartet, um den US-Plan zur Beendigung des Kriegs zu besprechen. Der Sondergesandte von US-Präsident Donald Trump, Steve Witkoff, soll kommende Woche in Moskau mit Kremlchef Wladimir Putin darüber sprechen. Geht es nach Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orbán, wird die Ukraine nach einem Ende des Kriegs zu einem "Pufferstaat" zwischen Russland und der Nato. Die einzige "dauerhafte Lösung" für den Krieg in der Ukraine bestehe darin, "dass die Nachkriegsordnung auf dem grundlegenden Prinzip aufbaut, dass die Ukraine wieder zu dem Pufferstaat wird, der sie einst war", sagte Orbán der "Welt am Sonntag". "Russland behält jenes Territorium, das auf einer internationalen Friedenskonferenz ausgehandelt wird, und alles westlich dieser Linie – bis zur östlichen Nato-Grenze – bildet das Territorium des ukrainischen Staates, der erneut als Pufferstaat existieren würde", fuhr Orbán fort. Nato und Russland würden sich "auf Umfang und Ausstattung der begrenzten ukrainischen Streitkräfte" einigen, "die in der Pufferzone operieren dürfen, und beide Seiten geben Garantien ab, dass niemand diesen Pufferstaat unter seine eigene Autorität stellt". Dies sei verhandelbar. "Das Völkerrecht kennt die Instrumente, mit denen ein solches System von Garantien geschaffen werden kann", sagte Orbán. Ungarn ist trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor inzwischen fast vier Jahren einer der letzten verbliebenen Verbündeten Moskaus in der EU und hängt nach wie vor stark von Energieimporten aus Russland ab. Am Freitag traf sich Orbán mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau.