Aggression im Straßenverkehr: Jeder zweite Autofahrer muss sich sofort abreagieren

Datum17.08.2026 12:34

Quellewww.spiegel.de

TLDREine GDV-Studie zeigt zunehmende Aggression im deutschen Straßenverkehr seit zehn Jahren. Fast jeder zweite Autofahrer reagiert impulsiv auf Ärger. Drängeln und zu dichtes Einscheren sind verbreitet. Auch Radfahrer zeigen aggressives Verhalten. Hektik und Smartphone-Nutzung verschärfen das Problem. Die Befragten sehen das Problem mehrheitlich bei anderen. Der GDV fordert schärfere Strafen, mehr Kontrollen und unterstützt niedrigere Tempolimits sowie eine Null-Promille-Grenze für Radfahrer.

InhaltDrängeln, offensives Einscheren, Smartphone am Steuer: Autofahrer auf deutschen Straßen verhalten sich einer Studie zufolge immer problematischer. Radfahrer kommen in der Erhebung kaum besser weg. Das Klima auf deutschen Straßen wird aggressiver. Das geht aus einer Langzeitstudie der Unfallforschung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Demzufolge verschlechterten sich beinahe alle erhobenen Werte zur Messung von aggressivem Verhalten. Der Trend halte seit etwa zehn Jahren an. "Jeder zweite Autofahrende muss sich sofort abreagieren, wenn er sich über andere ärgert", erklärte die Leiterin der GDV-Unfallforschung, Kirstin Zeidler, zu den Ergebnissen. 47 Prozent der Autofahrer drängeln eigenen Angaben zufolge, wenn der Verkehr ihnen zu langsam erschien. 32 Prozent scherten nach dem Überholen so dicht ein, dass andere Fahrzeuge bremsen mussten. Grundlage der Studie ist eine deutschlandweite repräsentative Onlinebefragung, die der GDV zum wiederholten Mal durchgeführt hat. Zwischen März und April 2026 nahmen 2004 Personen ab 18 Jahren teil. Die große Mehrheit der Verkehrsteilnehmer sieht das Problem laut den Studienergebnissen nicht bei sich. So gaben 92 Prozent aller Studienteilnehmer von sich an, Radfahrer besonders vorsichtig zu überholen. Gleichzeitig gaben 86 Prozent an, zu enge Überholmanöver bei anderen Fahrern zu beobachten. Die permanente Erreichbarkeit und Hektik im Leben sorge für zunehmenden Druck und eine kürzere Zündschnur bei den Verkehrsteilnehmern, erklärte Zeidler. So beobachtete der GDV auch eine bedenkliche Zunahme der Smartphonenutzung. Jeder vierte Fahrer schrieb laut Umfrage gelegentlich Nachrichten, jeder fünfte nutzte soziale Medien während der Fahrt. "Der Zeitgeist läuft der Sicherheit entgegen", beurteilte Zeidler die Entwicklung. Das zunehmend aggressive Verhalten betrifft neben Autofahrern allerdings auch Radfahrer. 43 Prozent von ihnen gaben an, zumindest gelegentlich die Vorfahrt zu erzwingen, fast jeder zweite drängelt nach eigenen Angaben auf dem Radweg und überholt dort sehr dicht. Laut der GDV-Unfallforschung braucht es mehr Sicherheitsmaßnahmen und Konzepte gegen aggressives Verhalten im stetig dichter werdenden Verkehr. Unter den Befragten seien nur wenige mit Polizeikontrollen konfrontiert gewesen, auch das Strafmaß werde als mild empfunden. Der Verband fordert daher schärfere Sanktionen und Kontrollen. Der GDV erhob mit der Umfrage zudem die Meinung der Befragten zu gesetzlichen Maßnahmen. Demnach befürworteten 74 Prozent eine Null-Promille-Grenze, 72 Prozent unterstützten eine 1,1-Promille-Grenze für Radfahrer. 60 Prozent sprachen sich für eine Tempobegrenzung von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen aus, 53 Prozent befürworteten 80 Kilometern pro Stunde auf Landstraßen, 43 Prozent Tempo 30 in der Stadt.