Datum17.08.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDer letzte Buchladen "Sense of Wonder" an der Grindelallee bietet ausschließlich Science-Fiction. Die neuen Betreiber, selbst Sci-Fi-Fans, eröffneten den Laden nach dem Niedergang vieler anderer Geschäfte. In einem weiteren Artikel wird die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann vorgestellt, die Friedrich Merz helfen soll. Außerdem wird über Personalmangel im Finanzamt, gebrütete Alsterschwäne und das Dockville-Festival berichtet.
InhaltDie Elbvertiefung am Montag – Mit der Hamburgerin, die Friedrich Merz retten soll, Roboterhunden für die Holstenstraße und Personalmangel im Finanzamt im Hamburger Univiertel gibt es einen Ort, von dem ich nicht sagen kann, ob er aus der Vergangenheit stammt oder aus der Zukunft – nur, dass er in der Gegenwart recht einzigartig wirkt. Dieser Ort liegt an der Grindelallee 73, heißt Sense of Wonder und ist eine Buchhandlung. Es ist nicht lange her, da war die Grindelallee gesäumt von Läden, die Platten, Filme und Bücher verkauften. Nach und nach sind sie alle weggezogen oder haben den Betrieb eingestellt: Zweitausendeins (gab es hier bis 2013), KulturBuch (bis 2017), Comics Total (bis 2020), Andere Welten (ebenfalls bis 2020), die Heinrich-Heine-Buchhandlung (bis 2023), der Filmgarten (bis 2024). Irgendwann dazwischen muss zudem Jokers geschlossen haben, wo man reduzierte Bücher kaufen konnte – viel Ramsch, aber auch einige tolle Titel. Wenn ich nichts übersehe, ist Sense of Wonder heute der letzte Buchladen an der Grindelallee. Oder der erste, das ist eine Frage der Perspektive. Christiane und Michael Unterberg haben ihn im vergangenen Jahr eröffnet, also nach dem großen Sterben der Kulturwarenanbieter. Christiane ist gelernte Buchhändlerin, Michael studierter Politikwissenschaftler, beide sind verheiratet und – das ist in diesem Zusammenhang wichtig – erklärte Science-Fiction-Nerds. In ihrem Laden gibt es einige T-Shirts, Poster und Brettspiele, vor allem aber Bücherregale voll mit deutschen und englischen Sci-Fi-Romanen. "Wir bieten alles rund um Science-Fiction an", sagte Christiane Unterberg, als ich ihren Laden neulich besuchte, "aber im Zentrum steht das Buch." "Viele denken bei Sci-Fi zuerst ans Kino", ergänzte Michael Unterberg, "aber das sind fast alles Literaturverfilmungen." Sie: "Dune." Er: "Der Marsianer." Sie: "Blade Runner." Er: "Star Wars ist die große Ausnahme." So reden die beiden: Als hätten sie ihre Bewusstseinsströme mithilfe einer wundersamen Zukunftstechnologie bereits vollständig synchronisiert. Wenn man ihn fragt, wer sein Lieblings-Sci-Fi-Autor ist, antwortet sie: "Ursula K. Le Guin", er sagt: "Dass sie nicht den Nobelpreis bekommen hat, ist ’ne Frechheit" und sie: "Das finden wir beide." Am Samstag, dem 12. September, feiern Christiane und Michael Unterberg ab 11 Uhr das einjährige Bestehen ihres Ladens. Mit ihm haben sie bewiesen, dass es intelligentes Leben gibt. Vielleicht nicht im Weltraum, aber zumindest an der Grindelallee. Live long and prosper, Ihr Oskar Piegsa Der Finanzverwaltung fehlen Mitarbeitende in der Betriebsprüfung. Fast jede vierte Stelle sei unbesetzt, ergab die Antwort des Senats auf eine Anfrage der Linken in der Bürgerschaft. Der Personalmangel wirkt sich demnach auch auf die Anzahl der Prüfungen aus, die aktuell unter dem Vorjahreswert liegt. Viele Alsterschwäne haben erfolgreich gebrütet, obwohl sie wegen der Vogelgrippe erst Mitte Mai ihr Winterquartier verlassen durften. Das teilte Olaf Nieß mit, der Leiter des Hamburger Schwanenwesens. In Wilhelmsburg haben am Wochenende 40.000 Menschen auf dem Dockville-Festival gemeinsam gefeiert. Das teilten die Veranstalter mit. Zudem meldeten sie: Bis mindestens zum Jahr 2030 sei das Festival an seinem Standort gesichert. Gestern endete das jährliche Protestcamp der Punks auf Sylt. Nach Angaben der Veranstaltergruppe Aktion Sylt waren zu Spitzenzeiten rund 300 Menschen in 200 Zelten auf der Festwiese in Tinnum. Zuletzt konnten noch rund 80 Zelte gezählt werden. Die Verwaltung des Kreis Nordfriesland zeigte sich zufrieden, es habe während der Dauer des Zeltlagers lediglich "einige Beschwerden über ruhestörenden Lärm" gegeben. Aus den Polizeimeldungen: Ein ehemaliges Hotel in Harburg hat in der Nacht zum Sonntag gebrannt, und das nicht zum ersten Mal. Rund 200 Feuerwehrleute halfen, das leer stehende Haus zu löschen, das zuletzt den Namen Berghotel Hamburg Blick trug. Die Brandursache ist unklar, das Landeskriminalamt ermittelt. Am Aufstieg der neuen Generalsekretärin Franziska Hoppermann zeigt sich: Ausgerechnet die Liberalen in der Partei sollen Friedrich Merz jetzt retten. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Redakteurin Mariam Lau. Auf die Frage nach ihrem Lieblingsfilm muss die neue Generalsekretärin der CDU, Franziska Hoppermann, bei einem Gespräch am Hamburger Hauptbahnhof nicht lange nachdenken: Es ist Ocean’s Eleven, also die zu einem geschmeidigen Beat erzählte Geschichte, wie eine Truppe von elf eleganten Ganoven in Las Vegas gut gelaunt ein sehr, sehr großes Ding dreht. Könnte man sich die neue CDU-Spitze in diesen Rollen vorstellen? Nichts weniger jedenfalls als ein Coup muss dem umgebauten Führungskader der Partei gelingen, wenn sie ihren Niedergang in den Umfragen auf inzwischen nur noch gut 20 Prozent aufhalten will. Kann Franziska Hoppermann da helfen? Ein Problem ist, dass die Fliehkräfte derzeit auch aus dem Inneren der Partei kommen, wie Hoppermann direkt nach Amtsübernahme schmerzlich erfahren musste. Der strauchelnde Spitzenkandidat der sachsen-anhaltischen CDU, Sven Schulze, hatte es sich in den Kopf gesetzt, als Antwort auf die AfD eine Reihe von Auftritten mit dem Kabarettisten Dieter Hallervorden zu absolvieren. Dabei wurde Friedrich Merz als Kriegstreiber und Benjamin Netanjahu als Völkermörder tituliert. Hoppermann schaltete sich ein: "Wir stehen zur Meinungs- und Kunstfreiheit, doch auch hier gibt es Grenzen", hatte sie zur Bild-Zeitung gesagt. Sofort wurde die Generalsekretärin zum Teil der Performance: "Wir werden alle noch da sein, wenn Franziska Hoppermann längst abgewählt ist", rief der erzürnte, 90-jährige Hallervorden. Ihr Parteifreund Schulze reagierte säuerlich: von "Berlin" lasse man sich sicherlich nicht reinreden. O doch, gab Hoppermann zu verstehen, Berlin gedenkt, sich einzuschalten. Was Franziska Hoppermann für ihren neuen Job qualifiziert, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Zwei Roboterhunde sollen nun Habseligkeiten aus dem einsturzgefährdeten Wohnhaus in der Hamburger Holstenstraße holen. Mehr als ein Kilo Gewicht schaffen sie aber nicht. ZEIT-Autorin Franziska Lange hat sich die Roboter mal angesehen. →Zum Artikel (Z+) Umsonst und draußen in Bewegung kommen: Mittwochs wird bei gutem Wetter in der Sommersaison Salsa und Bachata am Stephansplatz getanzt. Beide Tänze stammen aus Lateinamerika, sie unterscheiden sich in Tempo und Rhythmus. Salsa und Bachata, ab 18 Uhr; Stephansplatz, direkt an der U-Bahnstation Eine junge Frau erzählt von ihrem Südamerika-Aufenthalt nach der Schulzeit und wie gut ihr das gefallen habe. Ihr Begleiter: "Ich habe eine südamerikanische Augenkrankheit. Ich schiele." Stille. Dann sie: "Den fand ich jetzt nicht so gut." Gehört von Tobias Harger Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.