Tod von Jason Arday: Zehntausende fordern Untersuchung des Falls Jason Arday

Datum17.08.2026 00:49

Quellewww.zeit.de

TLDRNach dem Tod des Cambridge-Professors Jason Arday, der wegen Plagiatsvorwürfen zurücktrat, fordern über 31.000 Menschen eine staatliche Untersuchung. Eine Petition behauptet, Ardays Tod sei Folge von "Mobbing durch die Presse", wobei auch seine Hautfarbe eine Rolle gespielt habe. Arday, der jüngste schwarze Professor in Cambridge, wies die Vorwürfe als rassistisch zurück und führte Defizite auf Autismus und mangelnde Unterstützung zurück. Seine Familie spricht von einer "Mobbing-Kampagne".

InhaltDer Cambridge-Professor Jason Arday trat erst zurück und wurde dann tot aufgefunden. Eine Petition fordert nun, dass die Hintergründe des Falles beleuchtet werden. Nach dem überraschenden Tod des nach Plagiatsvorwürfen zurückgetretenen britischen Cambridge-Professors Jason Arday haben mehr als 31.000 Menschen in einer Petition eine staatliche Untersuchung des Vorfalls gefordert. "Es kann keinen Zweifel geben, dass Dr. Ardays tragischer Tod das direkte, vorhersehbare und vorhergesehene Ergebnis von Schikane durch die Presse war", hieß es auf der Website der Organisation Good Law Project, die den Appell an den britischen Premier Andy Burnham initiiert hatte, dem sich auch mehrere Abgeordnete anschlossen. Arday war am Freitag tot in Battersea im Süden Londons aufgefunden worden. Die Polizei vermutet einen Suizid oder einen natürlichen Tod. "Ein bedeutendes Element bei diesem Mobbing war die Farbe seiner Haut", fügte Good Law Project mit Blick auf den schwarzen Akademiker hinzu. Für Montagabend ist eine Mahnwache für Arday auf dem Londoner Trafalgar Square geplant. Der Fall Arday hatte viel Aufsehen erregt. Vor drei Jahren war der Soziologe mit nur 37 Jahren an die Elite-Universität Cambridge berufen worden – als jüngster schwarzer Professor der Einrichtung überhaupt. In den vergangenen Wochen wurden jedoch Plagiatsvorwürfe gegen Arday und Zweifel an seiner Lebensgeschichte laut. Am 5. August trat Arday schließlich von seinem Posten zurück. In einem Interview mit der Times räumte Arday vor seinem Tod zwar Fehler ein, führte die Defizite in seinen akademischen Arbeiten jedoch auf seinen Autismus und seine Lernschwäche zurück. Es habe ihm damals an Unterstützung gefehlt. "Was ich nicht bin, ist ein Lügner", hatte er der Zeitung gesagt. Vielmehr seien die Vorwürfe gegen ihn rassistisch motiviert. Ardays Familie sprach nach dessen Tod von einer "Mobbing-Kampagne". Die Vorwürfe gegen Arday wurden zuerst von dem US-Forscher Nathan Cofnas vorgebracht, der die Uni Cambridge 2024 wegen Rassismus-Vorwürfen verlassen musste. Sie wurden von rechtsgerichteten Zeitungen und Kommentatoren aufgegriffen, die Arday als "Aushängeschild" für Gleichstellungs- und Inklusionsprogramme (DEI) bezeichneten. DEI-Programme werden unter anderem von der US-Regierung unter Präsident Donald Trump und den Anhängern seiner rechtsgerichteten Maga-Bewegung häufig als Begründung verwendet, um gegen Bildungseinrichtungen und Unternehmen vorzugehen, die sie als zu links ansehen. Wie im Fall Arday lautet der Vorwurf oft, Menschen würden nicht aufgrund ihrer fachlichen Eignung, sondern lediglich wegen ihrer Zugehörigkeit zu diskriminierten Minderheiten eingestellt. Dadurch würden beispielsweise weiße Menschen benachteiligt. Kritiker sehen in dieser Argumentation hingegen einen Vorwand, um Rassismus und andere Formen der Diskriminierung zu rechtfertigen. Menschen, die Suizidgedanken haben, bekommen bei der Telefonseelsorge rund um die Uhr Hilfe – entweder unter www.telefonseelsorge.de oder unter den Telefonnummern 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Anrufe bei der Telefonseelsorge sind anonym und kostenlos. Sie werden weder auf der Telefonrechnung noch im Einzelverbindungsnachweis erfasst. Weitere Hilfsangebote listet das Nationale Suizidpräventionsprogramm online auf. Auch Angehörige von Menschen in psychischen Krisen können sich an die Telefonseelsorge wenden. Schriftliche und telefonische Beratung bietet zudem der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen an.