Datum16.08.2026 23:35
Quellewww.spiegel.de
TLDRMehr als 31.000 Menschen fordern eine Untersuchung zum Tod des Cambridge-Professors Jason Arday. Der 41-jährige Soziologe wurde tot aufgefunden, kurz nach seinem Rücktritt von der Universität. Seine Familie und Unterstützer machen eine rassistisch motivierte Mobbing-Kampagne durch Medien und rechtsgerichtete Kommentatoren für seinen Tod verantwortlich. Eine Spendensammlung für seine Familie brachte bisher fast 89.000 Pfund ein.
InhaltNach dem Tod des 41-jährigen Soziologen Jason Arday wächst in Großbritannien der Druck auf die Regierung: Mehr als 31.000 Menschen fordern Aufklärung nach einer mutmaßlich rassistischen Kampagne gegen ihn. Mehr als 31.000 Menschen verlangen von der britischen Regierung Aufklärung über die Umstände, die zum Tod des Cambridge-Professors Jason Arday geführt haben. Der 41-jährige Soziologe war wenige Tage nach seinem Rücktritt von der Eliteuniversität tot in London gefunden worden. Seine Familie macht eine gegen ihn gerichtete Mobbing-Kampagne für die Eskalation verantwortlich. Dem von der Organisation Good Law Project initiierten Appell an den britischen Premierminister Andy Burnham schlossen sich auch mehrere Abgeordnete an. "Es kann keinen Zweifel geben, dass Dr. Ardays tragischer Tod das direkte, vorhersehbare und vorhergesehene Ergebnis von Schikane durch die Presse war", hieß es auf der Website von Good Law Project. "Ein bedeutendes Element bei diesem Mobbing war die Farbe seiner Haut", fügte die Organisation mit Blick auf den schwarzen Akademiker hinzu. Rassismus sei der Kern dieser tragischen Geschichte. Für Montagabend ist eine Mahnwache für Arday auf dem Londoner Trafalgar Square geplant. Bei einer Spendensammelaktion für seine Familie kamen bereits knapp 89.000 Pfund (etwa 104.000 Euro) zusammen. Arday hatte vor drei Jahren als jüngster schwarzer Professor der britischen Eliteuniversität Cambridge Aufmerksamkeit erregt. Am 5. August war der 41-Jährige schließlich von seinem Posten als Professor für Bildungssoziologie zurückgetreten, nachdem Plagiatsvorwürfe und Zweifel an seinen Angaben zu seinem Lebenslauf laut geworden waren. Am Freitag wurde Arday schließlich tot in Battersea im Süden Londons aufgefunden. Die Polizei stufte dies vorerst nicht als verdächtigen Todesfall ein. Sie vermutet einen Suizid oder einen natürlichen Tod. Ardays Familie bestätigte seinen Tod und sprach von einer "Mobbing-Kampagne" voller Gerüchte über die akademische Arbeit und das Privatleben des Soziologen. Premierminister Burnham beklagte Ardays Tod als "Tragödie in vielerlei Hinsicht" (mehr dazu hier). Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hier finden Sie – auch anonyme – Hilfsangebote in vermeintlich ausweglosen Lebenslagen. Per Telefon, Chat, E-Mail oder im persönlichen Gespräch. Zuerst aufgebracht wurden die Vorwürfe von einem US-Forscher, der die Uni Cambridge 2024 wegen Rassismusvorwürfen verlassen musste. Die Vorwürfe wurden von rechtsgerichteten Zeitungen und Kommentatoren aufgegriffen, die Arday als "Aushängeschild" für Gleichstellungs- und Inklusionsprogramme (DEI) bezeichneten. Die Unileitung hatte Arday zunächst verteidigt, Anfang August aber schließlich eine interne Untersuchung angekündigt. Kurz darauf war der 41-Jährige von seinem Posten zurückgetreten. In einem online veröffentlichten Brief betonte der Akademiker, dass seine Entscheidung nicht "als Zustimmung zu den Darstellungen" missverstanden werden dürfe, die ihn umgäben. Weiter hieß es in dem Rücktrittsschreiben: "Kritik ist zwar ein unvermeidlicher Bestandteil des akademischen Lebens, doch was ich erlebt habe, geht weit über wissenschaftliche Meinungsverschiedenheiten hinaus." Mehr über Ardays märchenhaften Aufstieg und die Vorwürfe gegen ihn lesen Sie hier .