Oktoberfestzelte: Wiesnzelt-Vergabe vor Gericht - Wirte beziehen Position

Datum16.08.2026 17:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Streit um die Wiesnzelt-Vergabe wird vor Gericht neu aufgerollt. Gastronom Alexander Egger klagt gegen die Kriterien der Stadt München und fordert ein europaweites Vergaberecht. Die Wiesnwirte verteidigen das aktuelle Verfahren als transparent und gerechtfertigt, warnen jedoch vor einer Kommerzialisierung bei einer europaweiten Ausschreibung. Egger kontert, die Internationalität sei bereits gegeben. Die Vergabe der Zelte hat keinen Einfluss mehr auf die diesjährige Wiesn.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Oktoberfestzelte“. Lesen Sie jetzt „Wiesnzelt-Vergabe vor Gericht - Wirte beziehen Position“. Der Streit um die Vergabe der Wiesnzelte flammt vor dem Prozesstermin in knapp vier Wochen wieder auf. Die Vereinigung der Münchner Wiesnwirte verteidigt das Verfahren der Stadt und weist Kritik des Gastronomen Alexander Egger an den Vergabekriterien strikt zurück. Die Kriterien für die Zulassung seien entgegen Eggers Kritik klar definiert, öffentlich einsehbar und vom Stadtrat beschlossen, heißt es in einer Mitteilung.  Egger, der mit seiner Bewerbung um ein großes Zelt gescheitert war, will erreichen, dass die Zuteilung zweier großer Wiesnzelte - das berühmte Anzapfzelt Schottenhamel und das Paulaner-Festzelt - nach europäischem Vergaberecht erfolgt. Nach Eggers gescheiterten Eilantrag folgt am 11. September das Hauptsacheverfahren. Es wird auf die diesjährige Wiesn keinen Einfluss mehr haben - sie beginnt ein paar Tage später am 19. September. Er blicke "verhalten optimistisch" auf den Gerichtstermin sagte der Sprecher der Wiesnwirte Peter Inselkammer der "Süddeutschen Zeitung". "Vor Gericht weiß man nie. Aber wir haben gute Argumente auf unserer Seite."  Die Vergabe und damit die Kriterien seien mehrfach gerichtlich überprüft worden, hieß es bei den Wirten. Dabei habe die Stadt jeweils Recht bekommen. Wer mit einer Entscheidung nicht einverstanden sei, könne sie gerichtlich prüfen lassen. "Mehr Demokratie und Rechtsstaat gehen doch gar nicht", sagte Inselkammer der "SZ". Im gerichtlichen Verfahren werde auch die konkrete Punktevergabe offengelegt und geprüft.  Inselkammer und die anderen Wiesnwirte haben mehrfach gewarnt, bei einer europaweiten Ausschreibung gerate das Oktoberfest ins Visier multinationaler Konzerne. Es drohe grenzenlose Kommerzialisierung, die Wiesn würde ihr Gesicht verlieren. Ein europäisches Vergabeverfahren könnte nach Ansicht der Wirte zudem Folgen für das Bierangebot haben.  Die Internationalität gebe es hier längst, erklärte Egger kürzlich in der "Süddeutschen Zeitung" unter Verweis auf die Eigentümerstruktur hiesiger Brauereien. "Die gezielte geschürte Angst vor Kölsch und Guinness auf der Wiesn ist völliger Humbug."  Inselkammer sieht das anders: "Wiesn-Stimmung mit Heineken, Guinness oder Kölsch? Ich mag mir das nicht vorstellen und halte es für gefährlich, diese Tür aufzumachen, denn ich prophezeie: Dann werden garantiert die nächsten Klagen kommen", sagte er der "SZ". Streit um CO₂-Zertifikate und alte Zelte Die Wiesnwirte verteidigten unter anderem die Möglichkeit, mit dem Kauf von CO2-Zertifikaten Punkte im Bereich Ökologie zu sammeln. Der Zertifikatehandel sei ein zentraler Bestandteil der europäischen Strategie zur CO2-Vermeidung. Jeder Bewerber könne so Punkte sammeln. Eggers hatte auch kritisiert, dass Zelte bevorzugt werden, die bereits auf der Wiesn standen. Die Wirte argumentieren hier, ein bewährtes Zelt biete Vorteile gegenüber einer noch nie aufgebauten Zeltkombination. © dpa-infocom, dpa:260816-930-538897/1