US-Militärschläge in der Karibik: US-Armee soll Überlebende von Angriff auf Boot gezielt getötet haben

Datum29.11.2025 00:44

Quellewww.zeit.de

TLDREin US-Militärangriff auf ein mutmaßlich mit Drogen beladenes Boot in der Karibik im September 2023 wirft Fragen zu möglichen Völkerrechtsverstößen auf. Berichten zufolge wurden Überlebende eines ersten Angriffs, die sich am brennenden Wrack klammerten, bei einem zweiten gezielten Angriff getötet. Experten argumentieren, dass die Überlebenden hätten gerettet werden müssen. Insgesamt wurden bei den Einsätzen der US-Armee in der Region 80 Menschen getötet, wobei die Rechtfertigung für die Angriffe als Maßnahmen gegen Drogenkriminalität dient.

InhaltIm September attackierte das US-Militär mehrere mutmaßliche Drogenboote aus Venezuela. Berichte weisen in einem Fall nun auf mögliche Verstöße gegen das Völkerrecht hin. Ein Angriff des US-Militärs auf ein mutmaßlich mit Drogen beladenes Boot in der Karibik Anfang September wirft laut Medienberichten weitere Fragen zu möglichen Völkerrechtsverstößen auf. Bei dem Angriff soll es zunächst Überlebende gegeben haben, wie der Sender CNN und die Zeitung Washington Post unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen berichteten. Daraufhin habe die Armee das Boot erneut angegriffen und die beiden Männer getötet. Die Männer hatten sich dem Bericht der Washington Post zufolge an das brennende Wrack geklammert, stellten also keine Bedrohung dar. Über die Situation informierte Personen äußerten sich laut CNN besorgt, der zweite Angriff der Armee könnte gegen das Völkerrecht verstoßen haben. Die beiden Männer hätten nach geltendem Recht gerettet werden müssen, sagte dem Sender Sarah Harrison, eine ehemalige stellvertretende Chefjustiziarin im Pentagon, die heute als Senior Analyst beim Thinktank Crisis Group arbeitet. Insgesamt wurden bei dem Angriff nach Angaben der US-Regierung elf Menschen getötet. In beiden Medienberichten hieß es, US-Verteidigungsminister Pete Hegseth habe zuvor selbst die Anweisung gegeben, "alle zu töten". Allerdings ist laut CNN unklar, ob er von dem zweiten Angriff auf die Überlebenden wusste. Nach Informationen der Washington Post wurde der zweite Schlag angeordnet, nachdem die Überlebenden gesichtet worden waren, um Hegseths Anweisung zu erfüllen. Das Pentagon wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa nicht zu den Medienberichten äußern. Das US-Militär hat seit September weitere Angriffe auf mutmaßliche Drogenboote in der Karibik und im Pazifischen Ozean verübt. Dabei sind nach US-Angaben insgesamt 80 Menschen getötet worden. Die USA rechtfertigen die Angriffe als Schläge gegen kriminelle Banden, die Drogen in die Vereinigten Staaten transportieren. Bisher hat die US-Regierung aber keine Belege dafür vorgelegt. Aus Sicht von UN-Menschenrechtsexperten verstößt die US-Regierung mit den Angriffen in internationalen Gewässern gegen das Völkerrecht.