Schulstart in Brandenburg: Blick ins neue Schuljahr - was es zum schwierigsten macht

Datum16.08.2026 07:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDas neue Schuljahr in Brandenburg beginnt unter schwierigsten Bedingungen, vor allem wegen des akuten Lehrermangels. Trotz Bemühungen bleiben über 100 Stellen unbesetzt, was die Unterrichtsversorgung und potenziell Schulabschlüsse gefährdet. Minister Hoffmann verspricht Lösungen und Unterstützung für Lehrkräfte. Ergänzend werden Online-Kurse in der Oberstufe und landeseigene Fachpläne eingeführt. Ebenso sind eine "Lesen-Schreiben-Rechnen-Offensive" und der Umgang mit Künstlicher Intelligenz zentrale Themen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Schulstart in Brandenburg“. Lesen Sie jetzt „Blick ins neue Schuljahr - was es zum schwierigsten macht“. Es ist ein Superlativ, der einschlägt: "Ich glaube, dass das nächste Schuljahr das schwierigste überhaupt wird, das wir in Brandenburg zu bewältigen haben." Das sagt CDU-Politiker Gordon Hoffmann vor dem Start des neuen Schuljahres am 24. August. Seit er im März als neuer Bildungsminister Brandenburgs vereidigt wurde, hat er einen Job mit vielen To-Dos und Kopfschmerz-Potenzial. Ganz oben auf Hoffmanns Liste steht der eklatante Lehrermangel im Bundesland. Seit Wochen schlägt der Minister Alarm, dass die Stundentafel und damit die Anzahl der Unterrichtsstunden in den Kernfächern bedroht sind. Auch wenn über die Sommerferien neue Lehrkräfte gefunden wurden: "Der Lehrkräftebedarf in Brandenburg ist ungemindert hoch", sagt sein Sprecher eine Woche vor Schulbeginn.  Zuletzt hatte Hoffmann seine Hoffnung auf Bewerbungen von Lehrkräften aus anderen Bundesländern gesetzt. "Es wird die ganze Zeit daran gearbeitet, dass wir Lehrkräfte finden. Und trotzdem sehe ich natürlich, dass wir nicht an allen Schulen den Bedarf abdecken können", so der Minister in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur. Im schlimmsten Fall könnte es Auswirkungen auf die Schulabschlüsse in Brandenburg geben. Vorsichtig optimistisch zeigt sich Hoffmann, dass die Vorgaben eingehalten werden können. "Wir haben uns hier im Ministerium zusammengesetzt und haben Lösungen erarbeitet, mit denen wir - davon gehe ich aus - sicherstellen können, dass die Schüler bei uns Abschlüsse kriegen." Weit über 100 Stellen für Lehrkräfte im Land sind weiter ausgeschrieben. 131 sind es noch auf der Webseite des Ministeriums Mitte August - nur Tage vor Schulbeginn. Seit April etwa wird in Treuenbrietzen an der Grenze zu Sachsen-Anhalt eine Lehrkraft für Deutsch und Englisch gesucht. In Friesack im Havelland fehlt jemand für Mathematik und Physik - die Bewerbungsfrist ist abgelaufen, bewerben kann man sich dennoch. Zuletzt wurde die Zahl der Lehrkräfte von der Vorgängerkoalition aus SPD und BSW im Haushalt 2025 um 345 Vollzeitstellen verringert. Die neue Koalition aus SPD und CDU stellte 250 neue Lehrerstellen dagegen - allerdings erst mit dem kommenden Haushalt. Lehrerinnen und Lehrer müssen außerdem eine Stunde pro Woche mehr unterrichten. Bis die Zahlen der Schülerinnen und Schüler wieder sinken, heißt die Parole deshalb an vielen Schulen: Durchhalten. "Die Lehrkräfte sind momentan oft in einer großen Belastungssituation", sagt Hoffmann. "Ich habe mir vorgenommen, mein Bestes dafür zu geben, sie so zu unterstützen, dass sie irgendwann sagen können: Es ist besser geworden." Was nicht nur wie ein politisches, sondern auch ein persönliches Ziel klingt, kommt gut an. Etwa in der Elternschaft, die um eine verlässliche Unterrichtsversorgung ihrer Kinder bangt. "Der Minister geht sehr offen und offensiv mit dieser schwierigen Situation im neuen Schuljahr um", lobt der Sprecher des Landeselternrats, Matthias Knoll. Es sei klar: "Wir machen uns extreme Sorgen." Doch es gebe viel Transparenz aus dem Ministerium. Dafür zu sorgen, dass überhaupt der Unterricht stattfinden kann, ist Hoffmanns wichtigstes, aber nicht das einzige Ziel fürs neue Schuljahr. Was ist noch geplant? Unter anderem Online-Kurse in mehreren Fächern in der gymnasialen Oberstufe. Das sei ein zusätzliches Angebot, das neben Recht auf sechs weitere Fächer ausgeweitet werde. Neu hinzu kommen Französisch, Latein, Geografie, Politische Bildung, Psychologie und Philosophie. "Der Kurs wird als dreistündiger Grundkurs über die Schulcloud organisiert und wird am Abend oder am späten Nachmittag stattfinden, damit wir sicherstellen, dass alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, daran teilzunehmen", so Hoffmann. Pro Kurs sei das Angebot auf 15 Plätze begrenzt.  Außerdem wird das Ministerium nach dem Ausstieg aus dem gemeinsamen Rahmenlehrplan mit Berlin an landeseigenen Fachplänen arbeiten. Gestartet werde mit Deutsch, Mathematik und Englisch, so Hoffmann.  Ziel sei mehr Verbindlichkeit. "Mein Eindruck ist, dass der Rahmenlehrplan ein sehr großes Spektrum anbietet für die Lehrkräfte, aus dem sie sich etwas nehmen sollen", sagt der Minister zur Begründung. "Das führt zu einem zusätzlichen Aufwand und einer Belastung und auch zu Missverständnissen." Auch die sogenannte Lesen-Schreiben-Rechnen-Offensive hatte Hoffmann ausgerufen. Hier gehe es aber nicht so schnell voran. Sondern "Stück für Stück in dieser Legislaturperiode". Hoffmann bringt es auf den Punkt: "Bildungspolitik ist ein schwerer Tanker." Täglich soll mit dem Leseband und Rechenband geübt werden - verpflichtend soll es perspektivisch an den Grundschulen sein. In diesem Schuljahr wird jenes zum Lesen ausgeweitet, zum darauffolgenden Schuljahr 2027/2028 dann überall eingeführt werden. Das Rechenband folge später. Künstliche Intelligenz dagegen ist in den Klassenzimmern - offen oder versteckt - nicht mehr wegzudenken. Auch dafür müssen Lösungen her. "Wir müssen jungen Menschen die Kompetenzen mitgeben, mit, über und durch KI zu lernen und auch die Risiken dabei zu sehen", ist Hoffmann überzeugt.  Wie kann das geschehen? "Ich glaube, wir müssen Prüfungsformate umstellen." Eine Idee sei es, KI einzubeziehen und den Umgang damit dann zu reflektieren - etwa bei Referaten. Dazu werde es Runden mit KI-Expertinnen und -Experten geben, denn die Zeit dränge. "Wenn wir uns umgucken, was heutzutage selbstverständlich ist, hätte ich das vor drei Jahren noch für Fantasterei gehalten." © dpa-infocom, dpa:260816-930-536210/1