Datum16.08.2026 05:14
Quellewww.zeit.de
TLDRIm ersten Halbjahr wurde mehr als 23 Prozent der überprüften Syrer in Deutschland der Schutzstatus aberkannt, ein starker Anstieg gegenüber früheren Jahren. Grund ist die geänderte Lage in Syrien, die eine Rückkehr ermöglicht. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge überprüft nun auch nicht besonders schutzbedürftige Personen, deren Lebensunterhalt im Heimatland gesichert scheint. Diese Entwicklung steht im Einklang mit dem Ziel, die Rückkehr syrischer Geflüchteter zu fördern.
InhaltDas Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erkennt einer wachsenden Zahl von Syrern den Schutzstatus in Deutschland ab. Grund ist vor allem die geänderte Lage in Syrien. Einer steigenden Zahl von Syrern und Syrerinnen wird der Schutzstatus in Deutschland aberkannt. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion hervor. Im ersten Halbjahr wurde demnach der Schutzstatus in mehr als 1.900 Fällen widerrufen oder zurückgenommen. Das entspreche gut 23 Prozent der überprüften Fälle, hieß es. Im Vorjahr lag diese Quote noch bei 3,7 Prozent, 2024 lediglich bei 3,1 Prozent. Grund für den Verlust des Schutzstatus sei in den meisten Fällen die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft oder des sogenannten subsidiären Schutzes. Dieser wird nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) für Personen erteilt, bei denen im Herkunftsland die Gefahr eines "ernsthaften Schadens" durch bestimmte Menschenrechtsverletzungen zu befürchten ist, zum Beispiel durch Todesstrafe, Folter oder einen bewaffneten Konflikt. Der Schutzstatus kann widerrufen werden, wenn die Voraussetzungen für den Schutz nachträglich wegfallen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sich die Lage im Herkunftsland grundsätzlich ändert. In Syrien setzte eine von Islamisten angeführte Rebellenallianz Ende 2024 den langjährigen Diktator Baschar al-Assad ab. Daraufhin kehrten Hunderttausende syrische Flüchtlinge in ihre Heimat zurück – vor allem aus der Türkei, dem Libanon und aus Jordanien. Die Sicherheitslage in Syrien ist in einigen Gebieten aber noch immer angespannt, teils kam es zu Gewalt zwischen unterschiedlichen konfessionellen Gruppen. Seit Mitte Juni habe das Bamf damit begonnen, nicht mehr nur hauptsächlich bei Straftätern oder bereits ausgereisten Personen den Schutzstatus zu überprüfen, hieß es in der Antwort auf die Anfrage. Dazu gehörten nun auch Menschen, die nicht besonders schutzbedürftig seien und bei denen davon ausgegangen werden könne, dass sie ihren Lebensunterhalt in Syrien selbständig sichern können oder eine ausreichende Versorgung gewährleistet sei. Ende März hatte Bundeskanzler Friedrich Merz gesagt, er strebe innerhalb der nächsten drei Jahre die Rückkehr von 80 Prozent der mehr als 900.000 syrischen Geflüchteten in Deutschland in ihr Heimatland an.