Datum15.08.2026 20:23
Quellewww.spiegel.de
TLDRMarokko hat 111 Menschen festgenommen, die versuchten, in die spanische Exklave Ceuta einzudringen. Nach Aufrufen in sozialen Medien setzten marokkanische Sicherheitskräfte Tränengas ein. Spanien verstärkte die Grenzsicherung mit zusätzlichen Kräften und einer Seebarriere. Diese Maßnahmen folgen auf einen massiven Ansturm vor zwei Wochen, bei dem Hunderte starben und Spannungen mit der EU ausgelöst wurden. Marokko droht mit Strafverfolgung für erneute Massenübertritte.
InhaltIn sozialen Netzwerken gibt es erneute Aufrufe zum Grenzübertritt nach Ceuta. Marokkanische Sicherheitskräfte nahmen mindestens 111 Menschen fest und setzten offenbar Tränengas ein. Marokkanische Sicherheitskräfte haben offenbar am Samstag mindestens 111 Menschen festgenommen. Sie sollen versucht haben, in die spanische Exklave Ceuta zu gelangen. Laut dem marokkanischen Innenministerium handelt es sich bei den Festgenommenen um 109 Migranten aus Subsahara-Afrika sowie zwei Marokkaner. Zuvor hatte es in den sozialen Medien Aufrufe zu einem erneuten massenhaften Grenzübertritt gegeben. Wie die spanische Nachrichtenagentur Efe berichtete, habe die marokkanische Polizei Tränengas eingesetzt, um Gruppen von Migranten in den Hügeln rund drei Kilometer vor der Grenze zu zerstreuen. Am Grenzübergang selbst soll es verhältnismäßig ruhig gewesen sein. Spanische Journalisten von Efe sowie dem spanischen Staatssender "TVE" sollen vom marokkanischen Innenministerium angewiesen worden sein, die marokkanische Grenzstadt Fnideq umgehend zu verlassen. Dort sollen die Behörden laut Medienberichten zusätzliche Sperren aus Stacheldraht errichtet haben. Außerdem stünden Wasserwerfer bereit. Auf der anderen Seite der Grenze im spanischen Ceuta patrouillierte die Polizei in den Straßen. Die Regierung in Madrid ließ eine Seebarriere errichten und verlegte mehr als 500 zusätzliche Beamte vom Festland in die nordafrikanische Stadt. Damit stieg die Zahl der Einsatzkräfte vor Ort auf mehr als 1600. Innenminister Fernando Grande-Marlaska kündigte am Donnerstag an, man werde weiter Personal einsetzen, um "so schnell wie möglich die Normalität wiederherzustellen" und eine Wiederholung der Ereignisse vom 30. Juli zu verhindern. Migranten ohne Aufenthaltsrecht würden nach Marokko zurückgewiesen, sagte er. Nach Angaben des Ministers hielten sich noch rund 5000 Migranten in Ceuta auf. Die verschärften Sicherheitsmaßnahmen auf beiden Seiten der Grenze sind die Folge eines beispiellosen Ansturms vor zwei Wochen. Am 30. Juli hatten bis zu 80.000 Migranten Ceuta erreicht. Beim Versuch, europäischen Boden zu erreichen, kamen mindestens 96 Menschen ums Leben. Nichtregierungsorganisationen schätzen die Zahl der Todesopfer auf weit mehr als hundert. Die meisten kehrten offenbar innerhalb weniger Stunden oder Tage nach Marokko zurück. Derzeit sollen sich laut Grande-Marlaska noch rund 5000 Migranten in Ceuta aufhalten. Die Ereignisse hatten Spannungen innerhalb der Europäischen Union ausgelöst. Marokko hatte bereits zu Wochenbeginn angekündigt, Organisatoren und Teilnehmer weiterer Massenübertritte strafrechtlich zu verfolgen. Vor wenigen Tagen verkündete das Innenministerium, man habe eine Gruppe von Menschen festgenommen, die im Verdacht stehen, zu neuen Versuchen der illegalen Einreise in die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla angestiftet zu haben. Lesen Sie hier, warum es in der spanischen Exklave in Nordafrika immer wieder zu Spannungen kommt.