Datum15.08.2026 19:38
Quellewww.spiegel.de
TLDRJürgen Klopp relativiert seine frühere "Medienschelte" und stellt klar, dass er sich auf den Boulevard bezog, nicht auf sportliche Kritik. Er möchte die Privatsphäre seiner Familie schützen. Klopp freut sich auf seine neue Rolle als Bundestrainer, sieht gute Arbeit im Verband und plant, Kontakt zu Spielern und Bundesliga-Trainern aufzunehmen. Ein Gerücht um eine Intervention beim Wechsel von Saïd El Mala zu Borussia Dortmund dementierte er entschieden.
InhaltMit Aussagen zur Rolle der Medien hatte Jürgen Klopp zuletzt irritiert. Nun stellte der Bundestrainer klar, dass es ihm lediglich um Attacken des Boulevards gegangen sei – und räumte mit einem Gerücht um Saïd El Mala auf. Zum offiziellen Start als Bundestrainer hat Jürgen Klopp einen Fehler bei der vieldiskutierten Pressekonferenz zu seiner Vorstellung eingeräumt. Es habe ihm "nicht so richtig gefallen", dass er es mit gewissen Aussagen ermöglicht habe, "diese Medienschelte als die Überschrift zu nehmen", sagte der 59-Jährige im Video-Interview auf dfb.tv. "Das war mein Fehler." Bei dem Wort "Medienschelte" zeigte er mit seinen Fingern Anführungszeichen in der Luft. Klopp hatte bei seiner Vorstellung am 24. Juli an die Medien gerichtet gesagt: "An dem Tag, an dem ihr das nicht mehr wollt, sagt ihr es und ich bin weg. Ohne Abfindung. Wenn ihr morgen sagt, der ist scheiße, bin ich weg", sagte er. Außerdem betonte Klopp: "Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg." Mit Bezug auf mögliche sportliche Kritik sagte Klopp, dass er gerne bereit sei, daran zu arbeiten, wenn etwas nicht funktioniere. Klopp erklärte nun seine damaligen Aussagen damit, er habe etwas klarstellen wollen. Nach seinem Ende als Trainer des FC Liverpool 2024 habe sich die englische Boulevardpresse auf ihn und seine Familie gestürzt "wie die Fliegen auf Honig", erzählte Klopp an seinem ersten offiziellen Arbeitstag im DFB-Campus in Frankfurt: "Ich wollte sagen: Das wird nicht nochmal passieren." Er habe "wirklich große Lust" auf die Aufgabe, bekräftigte der frühere Meistercoach des FC Liverpool und von Borussia Dortmund: "Aber wenn die große Masse der Leute draußen denkt: 'Ja, jetzt lass das doch', dann würde ich das lassen. Ich muss mich ja nicht aufzwingen." Klopp fühlt sich in seinem neuen Job allerdings sichtlich wohl. Er sei "ganz toll aufgenommen" worden. Der Nachfolger von Julian Nagelsmann habe zudem schnell gemerkt, dass innerhalb des Verbands "richtig gute Leute" arbeiten würden. Er müsse aufgrund der enttäuschenden WM mit dem Aus in der ersten K.-o.-Runde nicht "überall einmal feucht durchwischen und bei null anfangen". Er verspüre "ganz viel Vorfreude bei allen." Mit einigen Bundesligatrainern habe er bereits versucht, "Termine auszumachen". Er wolle, dass sich diesbezüglich alle "wirklich als Partner" sehen – auch, was die Belastungssteuerung angeht. Mit Spielern hat er nach eigener Aussage noch keinen Kontakt gehabt. "Sie sind mitten in der Vorbereitung und so richtig viel zu reden gibt es jetzt auch noch nicht, zumindest nicht aus meiner Sicht", begründete Klopp. Das wolle er aber demnächst nachholen – und sich dabei viel Zeit nehmen. "Die Spieler kenne ich, die Person hinter dem Spieler nicht in jedem Fall." Auch mit Kölns Jungstar Saïd El Mala habe er noch nicht gesprochen. Auf Netzwerkseiten und auch in einigen Medien wurde geschrieben, dass Klopp einen Wechsel des Außenstürmers zu seinem Ex-Verein Borussia Dortmund befürwortet haben soll. Das dementierte der 59-Jährige vehement. "Es hat mich so ein bisschen auch beleidigt, dass die Leute denken, meine erste Amtshandlung wäre: Ich rufe einen Spieler an und sage: 'Übrigens, BVB, das würde gut zu dir passen.' Das habe ich natürlich nicht gemacht", sagte Klopp: "Das ist nicht meine Aufgabe. Ich habe noch nicht mal angefangen, mit den Spielern zu arbeiten." Der BVB war stark am 19-jährigen El Mala interessiert, konnte sich mit Köln aber nicht auf eine Ablöse einigen. Den Supercup in der kommenden Woche zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund wolle er sich vor Ort ansehen und auch bei einigen der ersten Bundesligaspiele im Stadion sein. Klopp selbst gibt am 24. September in der Nations League sein Debüt in den Niederlanden. Danach stehen die Spiele gegen Griechenland (27. September und 4. Oktober) und Serbien (1. Oktober) an.