Kakerlakenbewegung in Indien: Indien bietet künftig kostenlose Nachhilfe und KI-Kurse an

Datum15.08.2026 13:16

Quellewww.zeit.de

TLDRAngesichts der "Kakerlakenbewegung" gegen Prüfungsbetrug und Studiengebühren kündigt Indien kostenlose Online-Nachhilfe und KI-Kurse an. Ziel ist die Entlastung armer Familien und die Vorbereitung von zehn Millionen Jugendlichen auf den KI-Einsatz. Die Proteste, ausgelöst durch einen Prüfungsleaks-Skandal, stellten eine große Herausforderung für Premier Modi dar. Die Regierung verschärft zudem Strafen für Prüfungsaufgaben-Weitergabe, um den großen Konkurrenzdruck auf Studienplätze zu adressieren.

InhaltWochenlang hatte die "Kakerlakenbewegung" gegen Prüfungsbetrug und hohe Studiengebühren demonstriert. Indiens Regierung verspricht nun Entlastung für arme Familien. Nach den wochenlangen Protesten gegen Mängel im indischen Bildungssystem hat Regierungschef Narendra Modi kostenlose Online-Nachhilfestunden und ein KI-Ausbildungsprogramm für junge Menschen angekündigt. Damit sollen nach seinen Worten arme Familien entlastet werden. Rund zehn Millionen Jugendliche sollen an Kursen für die Nutzung Künstlicher Intelligenz teilnehmen können. Seine Regierung werde kostenlose Vorbereitungskurse auf mehrere "umkämpfte Prüfungen" anbieten, sagte Modi in seiner Ansprache zum indischen Unabhängigkeitstag. "Wir haben die digitale öffentliche Infrastruktur, und wie haben sehr fähige Lehrer", fügte er hinzu. In den vergangenen Wochen waren tausende junge Menschen gegen Missstände im indischen Bildungssystem auf die Straße gegangen. Die sogenannte Kakerlakenbewegung (CJP) entzündete sich an einem Skandal um eine Prüfung für das Medizinstudium, die vorab durchgesickert war. Die Demonstranten forderten den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan, der schließlich sein Amt aufgab. Nach dem Rücktritt erklärte die Kakerlakenbewegung ihre Proteste Ende Juli für beendet. Die Demonstrationen waren eine der größten innenpolitischen Herausforderungen für Regierungschef Modi seit dem Beginn seiner dritten Amtszeit im Jahr 2024. Während der Kundgebungen war die Polizei teilweise mit Gewalt gegen die überwiegend jungen Protestierenden vorgegangen. Der Name ist eine satirische Anspielung auf Äußerungen des Obersten Richters Indiens, Surya Kant. Dieser hatte junge Regierungskritiker während einer Anhörung Berichten zufolge mit Kakerlaken und Parasiten verglichen. Inzwischen brachte die Regierung härtere Strafen für die Weitergabe von Prüfungsaufgaben auf den Weg. In Indien herrscht großer Konkurrenzdruck um Studienplätze an öffentlichen Universitäten. Eine Ausbildung an diesen Hochschulen gilt als gute Voraussetzung für einen späteren Arbeitsplatz. Kriminelle Gruppierungen verschaffen sich teils illegal Zugang zu Prüfungsaufgaben und verkaufen sie an zahlende Kandidaten. Zugleich gibt es zahlreiche Vorbereitungskurse für Aufnahmeprüfungen, die sich nur ein Teil der jungen Menschen leisten kann. "Die Jugend spielt eine große Rolle bei der Entwicklung Indiens", sagte Modi. Junge Menschen seien zugleich diejenigen, die am meisten von einem wirtschaftlichen Aufschwung profitierten.  Modi hat als Ziel ausgegeben, Indien in den kommenden 20 Jahren vom Schwellenland zu einer Industrienation zu machen. Seine Regierung setzt dabei auf Atomkraft und die Herstellung von Halbleitern für die Industrie.