Datum15.08.2026 09:42
Quellewww.spiegel.de
TLDRNach einem Einbruch in 3000 Schließfächer einer Gelsenkirchener Sparkasse Ende 2025 klagen immer mehr Betroffene auf vollen Schadenersatz, da sie Sicherheitsmängel geltend machen. Die Sparkasse hat 18 Klagen vorliegen und erste Prozesse wurden ausgesetzt, da ein Sachverständiger für die Sicherheitsvorkehrungen fehlt. Die Bank hat mit Auszahlungen aus der Schließfachversicherung begonnen, was jedoch von einem Anwalt kritisiert wird.
InhaltRund 3000 Schließfächer wurden im Dezember in einer Gelsenkirchener Sparkasse geknackt. Nun klagen immer mehr Betroffene. Die ersten Zivilprozesse sind derweil ausgesetzt – weil sich bislang kein Sachverständiger findet. Wegen des millionenschweren Einbruchscoups in einer Gelsenkirchener Sparkasse Ende 2025 klagen immer mehr Kunden auf vollen Schadenersatz. Aktuell lägen der Sparkasse 18 solcher Klagen vor, sagte ein Sprecher auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur. Der nächste Prozess ist laut einer Gerichtssprecherin auf den 10. September terminiert. Die Kläger werfen der Bank Sicherheitsmängel vor und fordern deshalb die volle Erstattung ihrer Schließfachinhalte. Vertraglich ist die Erstattung eigentlich auf maximal 10.300 Euro pro Schließfach beschränkt. Bei dem Einbruch hatten Unbekannte Ende 2025 mehr als 3000 Schließfächer aufgebrochen. Sie waren zuvor über die Tiefgarage in einen Archivraum der Bank und von dort aus mit einem Spezialbohrer in den Tresorraum der Bank eingedrungen. Der Schaden liegt nach Schätzungen insgesamt in zwei- oder sogar dreistelliger Millionenhöhe. Die ersten Zivilprozesse gegen die Sparkasse hatten Mitte Juni beim Landgericht Essen begonnen. Das Gericht setzte die Verfahren aber später aus, weil es einen Sachverständigen zu den Sicherheitsverkehrungen der Bank beauftragen will. Die Suche nach einem solchen Spezialisten laufe aktuell noch, sagte eine Gerichtssprecherin. Anfang Juli hatte die Sparkasse nach eigenen Angaben mit ersten Auszahlungen aus der Schließfachversicherung begonnen. Der Anwalt Daniel Kuhlmann, der mehrere hundert Kläger vertritt, übt daran scharfe Kritik: Seines Wissens sei in keinem ihm bekannten Fall die Versicherungssumme tatsächlich ausgezahlt worden. Der Sparkassensprecher wies dies ausdrücklich zurück. "Es wurden bislang weit über hundert Auszahlungen vorgenommen, es werden fortlaufend weitere Betroffene kontaktiert. Auch anwaltlich vertretene Betroffene wurden bereits kontaktiert und haben einen Ausgleich erhalten", erklärte er. Zum Schadensmanagement der Bank gebe es "ganz überwiegend positive Rückmeldungen". In den Prozessen werfen die Kläger der Bank mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen im Sparkassengebäude, Tresorraum und der angrenzenden Tiefgarage vor. Die Bank weist die Vorwürfe der Kläger zurück. Sie argumentiert, die Schließfächer seien nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert gewesen. Lesen Sie hier, wie die Täter 3000 Schließfächer knackten – und niemand etwas merkte.