Datum15.08.2026 09:14
Quellewww.spiegel.de
TLDRWirtschaftsweise Veronika Grimm prognostiziert wegen des Niedrigwassers auf deutschen Flüssen und den daraus resultierenden Transportproblemen steigende Preise, insbesondere in der Chemie- und Energiemärkten. Sie kritisiert die mangelnde Vorbereitung der Politik auf die vorhersehbaren Folgen der Klimakrise und fordert systematische Anpassungsstrategien statt kurzfristiger Notmaßnahmen. Die Vertiefung von Flüssen sei keine vollständige Lösung. Parallel dazu plant die Bahn, alte Güterwaggons zu reaktivieren, um ausfallende Schiffstransporte zu kompensieren.
InhaltNiedrige Pegel aufgrund von Trockenheit bremsen den Schiffsverkehr aus. Die Ökonomin Veronika Grimm erwartet höhere Kosten – und wünscht sich mit Blick auf die Klimakrise eine besser vorbereitete Bundesregierung. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat als Folge des Niedrigwassers auf deutschen Flüssen und der dadurch verursachten Transportprobleme steigende Preise vorhergesagt. "Bei ineffizienter Rationierung kann Niedrigwasser die Preise auch unnötig in die Höhe treiben", sagte Grimm dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "In der Chemie gibt es Effekte, auch im Energiemarkt. Der Transport von Öl zu Raffinerien ist von den niedrigen Pegelständen betroffen." Wie stark die Preise bei verschiedenen Grundstoffen reagieren, hänge davon ab, welche Lagerkapazitäten die Unternehmen jeweils aufgebaut haben. Mit Blick auf Anpassungen an den Klimawandel kritisierte Grimm eine mangelnde Weitsicht in der Politik. Das Sonntagsfahrverbot für Lkw zu lockern, sei zwar eine richtige Maßnahme, "allerdings wäre es gut, wenn man auf solche Situationen vorbereitet wäre, anstatt ad hoc Notmaßnahmen zu diskutieren", so Grimm. Diese Auswirkungen des Klimawandels seien vorhersehbar. "Politik macht keinen guten Eindruck, wenn sie sich von Krise zu Krise hangelt und nicht systematisch Strategien zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt." Lesen Sie hier , welche Probleme durch die Lockerungen der Lkw-Sonntagsfahrverbote entstehen könnten. Die Transportprobleme durch Niedrigwasser ließen sich auch nicht einfach durch eine Vertiefung von Flüssen lösen. Diese Option müsse man sorgfältig evaluieren – und dabei auch ökologische Folgen berücksichtigen. "Vertiefungen an einzelnen Stellen der Fahrrinnen könnten angezeigt sein, aber eine Vertiefung schafft ja kein zusätzliches Wasser." Die Politik solle daher auch Pläne zur Priorisierung von Transporten ausarbeiten. Die Bahn-Tochter DB Cargo will derweil nach Informationen der "Rheinischen Post" auch alte Güterwaggons reaktivieren, um ausfallende Schiffstransporte zu kompensieren. In einem der Zeitung vorliegenden Papier heißt es, zusätzlich werde "die Reaktivierung dauerhaft abgestellter Güterwagen geprüft und vorbereitet". DB Cargo könne "unmittelbar" 900 Wagen mobilisieren, 300 davon sofort. 900 Wagen könnten laut DB-Cargo-Chef Bernhard Osburg 200 Binnenschiffe ersetzen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) setzt sich wegen des Niedrigwassers dafür ein, Schiffsfracht auf Schienen und Straßen zu verlagern. Versorgungsengpässe sieht er trotz niedriger Flusspegel nicht.