Irankrieg: Verhandlungsfrist zwischen Iran und USA verstreicht ohne Einigung

Datum15.08.2026 07:56

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Verhandlungsfrist zwischen Iran und USA für ein finales Abkommen ist ohne Einigung verstrichen. US-Präsident Trump beansprucht die Kontrolle über die strategisch wichtige Straße von Hormus, was der Iran entschieden zurückweist. Spannungen verschärfen sich, da trotz eines Rahmenabkommens die Waffenruhe gebrochen wurde und es zu wiederholten Angriffen auf Handelsschiffe kommt. Ein endgültiger Status der Meerenge ist ungeklärt.

InhaltIn Kürze sollte ein finales Abkommen zwischen den USA und dem Iran stehen, doch die Zeichen stehen weiter auf Krieg. Im Hormus-Streit provoziert Trump einmal mehr. Rund zwei Monate nach Unterzeichnung eines Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran läuft die Verhandlungsfrist über ein finales Abkommen aus. Derzeit stehen die Zeichen allerdings eher auf Eskalation als auf Diplomatie: Irans Außenminister Abbas Aragtschi sagte, sein Land habe noch nicht entschieden, ob neue Verhandlungen aufgenommen werden sollten. US-Präsident Donald Trump bekräftigte unterdessen seine Forderung nach einer US-Kontrolle über die Straße von Hormus. Dem Rahmenabkommen zufolge hätten die USA und der Iran in den vergangenen zwei Monaten eine Einigung über ihre Streitpunkte erzielen sollen, insbesondere das iranische Atomprogramm. Gegen die in dieser Zeit eigentlich vereinbarte Waffenruhe und weitere Punkte des Rahmenabkommens war in den vergangenen Wochen mehrfach verstoßen worden. Aus Sicherheitskreisen des Vermittlerlands Pakistan hieß es zuletzt, die Waffenruhe solle um weitere 60 oder 90 Tage verlängert werden. Bisher ist demnach aber nicht entschieden, ob diese neuerliche Waffenruhe öffentlich kommuniziert werde. Ein zentraler Streitpunkt zwischen den USA und dem Iran bleibt die künftige Kontrolle der Straße von Hormus. Trump hatte zuletzt mehrfach angegeben, dass die USA die Meerenge unter ihrer Kontrolle hätten. Bei einem Wahlkampfauftritt in New Jersey legte er nun nach: "Sobald wir den Iran besiegt haben – der gerade eine vernichtende Niederlage erleidet –, werde ich die Hormus-Straße zum Territorium der Vereinigten Staaten erklären", sagte der US-Präsident. Der Iran wies dies zurück. "Die Straße von Hormus lässt sich weder per Tweet noch mit einem Flugzeugträger, noch durch einen Befehl oder eine Wahlkampfrede einnehmen", schrieb Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi auf X. Der Iran fürchte weder Drohungen noch lasse er sich von Machtdemonstrationen einschüchtern. Die USA müssten akzeptieren, eine strategische und schwere Niederlage erlitten zu haben. "Die Straße von Hormus gehörte dem Iran, gehört dem Iran und wird dem Iran gehören."  Der Iran gibt an, einen Großteil der für den Welthandel wichtigen Meerenge selbst zu kontrollieren. Er hat eine Aufhebung der Seeblockade iranischer Häfen durch die USA sowie einen Abzug der US-Streitkräfte aus der Region und eine vollständige Entschädigung für die Kriegsschäden zur Bedingung einer Öffnung gemacht. Auch die Frist, innerhalb derer sich der Iran zur gebührenfreien Durchfahrt der Straße von Hormus verpflichtet hatte, endet an diesem Wochenende. Wie die Schifffahrt in der Meerenge künftig geregelt sein soll, ist Gegenstand von Verhandlungen zwischen dem Iran und Oman, die bisher keine Einigung verkündet haben. Faktisch hat der Krieg den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus seit Kriegsbeginn im Februar weitgehend zum Erliegen gebracht. Immer wieder werden in der Meerenge Schiffe angegriffen, oft von Verbündeten des Iran. Auch in der vergangenen Nacht meldete die staatliche Nachrichtenagentur WAM der Vereinigten Arabischen Emirate wieder Angriffe auf Handelsschiffe. Dabei sei auch ein Schiff des staatlichen Ölkonzerns Adnoc der Emirate attackiert worden. Es sei niemand verletzt worden, über mögliche Schäden am Schiff gab es zunächst keine Angaben. Die Emirate machten den Iran verantwortlich. Erst am Donnerstagabend hatte der Iran nach Angaben des Außenministeriums in Abu Dhabi zwei Adnoc-Schiffe in der Meerenge angegriffen. Die USA und Israel hatten Ende Februar gemeinsam den Iran angegriffen und wichtige Mitglieder der Führung getötet, darunter den obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei. Der Iran reagierte darauf mit Angriffen unter anderem auf US-Stützpunkte in Golfstaaten. Alle aktuellen Entwicklungen lesen Sie in unserem Liveblog.