Datum14.08.2026 23:12
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Germanist und Kulturwissenschaftler Helmut Lethen ist im Alter von 87 Jahren verstorben. Bekannt wurde er durch seine Epochenstudie "Verhaltenslehren der Kälte" (1994), die den Habitus der Härte in der Zwischenkriegszeit analysierte. Weitere wichtige Werke sind "Der Sound der Väter" und das preisgekrönte "Der Schatten des Fotografen". Lethen lehrte in Utrecht und Rostock und leitete das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien. Sein Verlag würdigt ihn als prägenden Denker und charismatischen Vertreter der Kulturwissenschaften.
InhaltMit seiner Epochenstudie "Verhaltenslehren der Kälte" wurde er in den Neunzigerjahren zum Kultautor. Jetzt ist Helmut Lethen im Alter von 87 Jahren gestorben. Der Germanist und Kulturwissenschaftler Helmut Lethen ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Das teilte sein Verlag Rowohlt Berlin mit. Demnach starb Lethen am Donnerstag in Wien. Bekanntheit erlangte er durch seine Epochenstudie "Verhaltenslehren der Kälte" (1994) und das Gottfried-Benn-Porträt "Der Sound der Väter" (2006). Für das autobiografisch gefärbte Buch "Der Schatten des Fotografen", in dem der Schriftsteller etwa Robert Capas Kriegsbilder untersuchte, erhielt er 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch. Lethen wurde 1939 in Mönchengladbach geboren. Von 1977 bis 1996 lehrte er an der Universität Utrecht, später übernahm er den Lehrstuhl für Neueste Deutsche Literatur in Rostock. Von 2007 bis 2016 leitete er das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien. Als sein wichtigstes Werk galt "Verhaltenslehren der Kälte – Lebensversuche zwischen den Kriegen". Am Beispiel von Autoren wie Bertolt Brecht, Ernst Jünger oder Helmuth Plessner zeigte Lethen darin, wie in der Weimarer Republik und der Zwischenkriegszeit Verhaltenslehren propagiert wurden, die auf einen Habitus der Härte setzten. 2020 erschienen Lethens Erinnerungen "Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug". "Helmut Lethen zählt zu den prägenden Denkern der Gegenwart und zu den charismatischsten Vertretern der Kulturwissenschaften in Deutschland", heißt es von seinem Verlag. Man verliere "einen außergewöhnlich großherzigen Menschen, dessen Heiterkeit und intellektuelle Neugier bis zuletzt ansteckend waren".