Bundesregierung fehlen Daten zu Wartezeit auf Therapieplatz bei jungen Menschen

Datum14.08.2026 18:07

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer Bundesregierung fehlen Daten zur Wartezeit auf Therapieplätze für junge Menschen. Dies ist relevant angesichts geplanter Kürzungen in der Psychotherapie und des steigenden Bedarfs an psychischer Unterstützung für Kinder und Jugendliche. Trotz der Unsicherheit betont die Regierung, dass Wartezeiten allein die Versorgungslage nicht vollständig abbilden. Der Bedarf spiegelt sich in steigenden Anfragen an Krisen-Chats und Klinikbehandlungen wegen Selbstverletzung wider.

InhaltZuletzt sorgten geplante Kürzungen in der Psychotherapie für viel Unmut. Nun hat sich die Bundesregierung zur Versorgungslage bei Kindern und Jugendlichen geäußert. Union und SPD hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, eine Strategie für die mentale Gesundheit junger Menschen zu entwickeln. Doch fehlen der Bundesregierung dafür offenbar wichtige Informationen: Ihr liegen keine validen Daten darüber vor, wie lange Kinder und Jugendliche in Deutschland auf einen Therapieplatz warten. Das zeigt eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion, die dem SPIEGEL vorliegt. Die Anfrage erfolgte vor dem Hintergrund anhaltender Kritik am sogenannten GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz der Bundesregierung. Dieses ist Ende Juli in Kraft getreten und sieht Einsparungen in Milliardenhöhe bei Praxen, Kliniken, Apotheken und in der Pharmabranche vor, aber auch höhere Zuzahlungen und Einschnitte für Versicherte. Das gilt unter anderem für die Psychotherapie: Verbände warnen vor weniger Therapieplätzen und noch längeren Wartezeiten. Davor will die Bundesregierung insbesondere Kinder und Jugendliche schützen. (Lesen Sie hier mehr dazu, was sich bei der Versorgung psychisch Kranker ändern soll.) Gleichzeitig betont die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage, dass die Wartezeit allein nur bedingt geeignet ist, um die Versorgungssituation bei Psychotherapie zu beschreiben. Währenddessen bleibt der Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung bei jungen Menschen hoch: So wandten sich zuletzt etwa immer mehr Kinder und Jugendliche an das vom Bund geförderte Angebot "krisenchat" – ein Onlinedienst, der Menschen unter 25 Jahren in Krisensituationen mit Expertinnen und Experten verbindet, ambulante Therapie aber nicht ersetzen kann, wie die Bundesregierung in ihrer Antwort herausstellt. Demnach stieg die Zahl der Beratungen bei "krisenchat" von 3672 im Jahr 2020 auf 21.499 im Jahr 2025. Auch stieg die Zahl der Klinikbehandlungen wegen absichtlicher Selbstverletzung bei Personen bis 21 Jahren in mehreren Bundesländern an: in Bayern um mehr als 50 Prozent zwischen 2020 und 2024; in Mecklenburg-Vorpommern um rund 169 Prozent. Die Bundesregierung beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamts. Lesen Sie hier, was Versicherte sonst noch über die GKV-Reform wissen müssen.