Hürtgenwald: Landrat warnt vor entscheidenden Stunden im Kampf gegen Waldbrand

Datum14.08.2026 12:43

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Waldbrand bedroht Hürtgenwald. Hunderte Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flammen, behindert durch Weltkriegsmunition im Boden. Die nächsten Stunden sind entscheidend, da steigende Temperaturen das Feuer neu entfachen könnten. Mehrere Hubschrauber und Panzer unterstützen die Löscharbeiten. Ein Ortsteil musste evakuiert werden. Anwohner in Düren werden aufgefordert, wegen Rauchentwicklung drinnen zu bleiben.

InhaltEin großer Waldbrand bedroht die Gemeinde Hürtgenwald im nordrhein-westfälischen Kreis Düren. Mehrere Hundert Einsatzkräfte sind vor Ort. Munition im Boden erschwert die Löscharbeiten. Beim Kampf gegen den großen Waldbrand in Hürtgenwald im Kreis Düren sind dem Landrat zufolge die nächsten Stunden entscheidend. "Wenn wir in Gey gelöscht haben, kommt es auf die nächsten Stunden an, ob wir die Hauptglutnester erkennen und auch ablöschen können", sagte Ralf Nolten (CDU). Im Laufe des Nachmittags sei wegen der steigenden Temperaturen mit einer Thermik zu rechnen, die die Feuer wieder anfachen könne. "Die Zeit bis Mittag ist für uns die entscheidende." Die Löscharbeiten werden dem Landrat zufolge auch durch Weltkriegsmunition auf dem Gelände erschwert. "Das Gelände ist doch sehr schwierig und durch die hohe Munitionsbelastung können wir auch keine einzelnen Feuerwehrleute mit Löschrucksäcken reinschicken", sagte Nolten. Im Laufe der Nacht sei auf dem Brandgelände bereits Munition hochgegangen. "Wir haben auch die Schläge gehört." Der Hürtgenwald war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen deutschen und US-Truppen. Bis heute werden in der Region Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Die wechselnden, teils starken Winde in der Nacht hätten dazu geführt, dass sich die Einsatzkräfte streckenweise hätten zurückziehen müssen, um nicht eingekesselt zu werden, sagte Nolte. Am Freitagmorgen waren auch Panzer und Forstunternehmer vor Ort. Sie sollten Schneisen in dem dicht bewaldeten Gebiet legen, um die Ausbreitung des Feuers einzudämmen. Bei der Bekämpfung des Waldbrandes setzt die Feuerwehr auf Hilfe aus der Luft. "Wir holen jetzt größere Hubschrauberkategorien", sagte Peter Berndgen, Sprecher der Feuerwehr im Kreis Düren. Das seien Hubschrauber der Bundespolizei mit mehr Traglast. "Je mehr Wasser wir jetzt da reinbekommen, umso besser." Gleichzeitig erfolge die sogenannte mechanische Brandbekämpfung. "Wir fällen Bäume, wir bearbeiten den Boden, wir wässern den Boden. Das ist immer der klassische Ansatz dazu, Schneisen zu schlagen." Insgesamt sind den Angaben zufolge Hunderte Einsatzkräfte vor Ort. Es kommen zudem immer mehr Hubschrauber auch aus anderen Bundesländern zum Einsatz. Nach Angaben des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen sind aktuell schon fünf Hubschrauber mit ihren Besatzungen bei dem Einsatz eingebunden. Dabei handle es sich im Detail um einen Hubschrauber der NRW-Polizei, einen Hubschrauber der Bundespolizei sowie drei Hubschrauber aus Rheinland-Pfalz und Hessen. Ein zweiter Hubschrauber der NRW-Polizei werde für den Einsatz bei dem Waldbrand vorbereitet. Polizeihubschrauber können mit einem Wassertank versehen werden. Außerdem würden Wasserwerfer der Polizei für einen möglichen Einsatz bei dem Waldbrand vorbereitet. "Sie sind aber noch nicht angefordert", sagte eine Ministeriumssprecherin. Ob sie in dem Waldgebiet zum Einsatz kommen werden, hänge von der Einschätzung der Feuerwehr ab. Auch die Bundeswehr setzt nun Löschhubschrauber gegen den Waldbrand in der Nordeifel ein. Dazu seien vormittags zunächst zwei Maschinen vom Typ NH-90 von Faßberg in Niedersachsen gestartet, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in Berlin. Die Transporthubschrauber sind mit einem sogenannten Bambi Bucket bestückt, einem faltbaren Löschwasser-Außenlastbehälter für Hubschrauber. Mit jedem einzelnen Flug können damit 2000 Liter Löschwasser abgelassen werden. In unmittelbarer Nähe der Gemeinde Hürtgenwald stehen mehrere Hundert Hektar Wald in Brand. Der Ortsteil Gey mit mehr als 1800 Einwohnern musste evakuiert werden, weil sich die Flammen gefährlich genähert haben. Mit Blick auf die Evakuierung berichtete Landrat Nolten von den Umständen entsprechend gelassenen Reaktionen und vollem Verständnis der Einwohnerinnen und Einwohner. "Wenn Sie die Feuerwand gesehen haben – die Bäume haben ja schon ihre Höhe und dann brennt es noch mal ein paar Meter über der Krone – wenn Sie das gesehen haben, dann gehen Sie schon und fangen nicht an zu diskutieren." Zwei Betreuungsstellen für Betroffene des Waldbrandes werden unterdessen verlegt. Es gebe eine starke Rauchentwicklung und Ascheaustrag, sagte Feuerwehrsprecher Berndgen. Die bisherigen Anlaufstellen in einer Grundschule im Ortsteil Straß sowie einem nahen Sport- und Schützenheim im selben Ortsteil müssten deshalb geräumt werden, teilte der Kreis mit. Neue Anlaufstelle sei eine Förderschule in Düren. Betroffene würden dorthin gebracht. Hürtgenwald liegt im Westen Nordrhein-Westfalens, nahe der Grenze zu Belgien. Insgesamt leben in der Gemeinde in der Eifel knapp 9000 Menschen. Hürtgenwald-Gey liegt nur rund zehn Kilometer von der Kreisstadt Düren mit etwa 94.000 Einwohnern entfernt. Die Bewohner mehrerer Stadtteile Dürens sollen sofort geschlossene Räume aufsuchen. Wegen des Brandes im Hürtgenwald komme es zu Rauchniederschlag, teilte der Kreis Düren mit. Gesundheitliche Beeinträchtigungen könnten nicht ausgeschlossen werden. Die Aufforderung gilt für die Stadtteile Gürzenich, Derichsweiler, Rölsdorf, Birgel, Lendersdorf, Konzendorf, Echtz, Mariaweiler, Merken und Berzbuir.