Datum14.08.2026 10:37
Quellewww.zeit.de
TLDRLeo Neugebauer hat die EM im Zehnkampf nach einem dramatischen Wettkampf mit deutschen Duell gegen Niklas Kaul gewonnen. Trotz Rückschlägen und körperlicher Strapazen bewies Neugebauer mentale Stärke. Kaul holte Silber und feierte seinen größten Erfolg seit vier Jahren, wobei er lernte, den Zehnkampf zu genießen. Beide Athleten blicken auf zukünftige Duelle und eine vielversprechende Zukunft für den deutschen Zehnkampf.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Leichtathletik“. Lesen Sie jetzt „Neugebauers Qualen, Kauls Spaß - Duell für die Zukunft?“. Gut eine Stunde nach seinem qualvollen EM-Triumph strahlte Zehnkampf-Star Leo Neugebauer mit seinem Fanclub aus Freunden und Familie auf einer Wiese hinter dem Alexander Stadium schon wieder um die Wette und hüpfte auf und ab. Die Strapazen eines Zehnkampf-Krimis waren dem 26-Jährigen da schon gar nicht mehr anzumerken. Dabei durchlebte der Weltmeister und nun auch Europameister in Birmingham einen nervenaufreibenden und kräftezehrenden Wettkampf und am Ende ein packendes deutsches Duell um Gold mit Niklas Kaul. "Ich muss sagen, dieses Mal war echt ein bisschen dramatischer bei mir", sagte Neugebauer. Nach WM-Gold in Tokio vor fast einem Jahr habe er sich bei seiner EM-Premiere auch etwas beweisen wollen. "Also es war einfach nur eine coole Bestätigung nach Tokio. Und es war mir wichtig, einfach auch mir selbst zu zeigen, dass wenn es drauf ankommt, dass ich echt auch richtig durchbeißen kann, was auch einen guten Zehnkämpfer ausmacht", sagte Neugebauer. Der Modellathlet, der als Topfavorit nach Birmingham gereist war, hielt dem Druck stand - und ließ sich auch von Rückschlägen nicht von seinem Weg abbringen. Ein Einbruch auf den 400 Metern zum Abschluss des ersten Tages, ein Chaos im Stabhochsprung um falsch eingestellte Höhen und falsche Abstände der Ständer, auf denen die Latte liegt, und Probleme mit der Wade brachten Neugebauer physisch und psychisch an die Grenze. "Es kommen immer wieder neue Sachen, aber das ist auch einfach generell der Zehnkampf. Man muss mit vielen verschiedenen Sachen zurechtkommen", sagte Neugebauer. "Aber am Ende hat es gereicht." Dass Neugebauer vor allem im abschließenden 1.500-Meter-Lauf alle Kräfte mobilisieren musste und sich fast schon stehend k.o. ins Ziel schleppte, lag auch am Teamkollegen Kaul. Der 28-Jährige blies an seinem traditionell starken zweiten Tag zur Aufholjagd und musste sich am Ende nur um 38 Punkte geschlagen geben. "Ich bin Zweiter geworden, habe eine Silbermedaille gewonnen und die explizite Betonung liegt auf gewonnen", sagte Kaul. Für Kaul war es der größte Erfolg seit seinem EM-Titel vor vier Jahren in München. Der Weltmeister von 2019 hat nach eigenen Worten in den vergangenen Jahren gelernt, Spaß daran zu haben, Zehnkampf zu machen. Nach den enttäuschenden Olympischen Spielen von Paris, als er Achter wurde, habe es Klick gemacht. Er sei dort "sehr verkrampft dieser olympischen Medaille hinterhergerannt" und "total auf die Nase geflogen", erklärte Kaul. "Letztes Jahr war schon gut. Auch mit einem vierten Platz bei Weltmeisterschaften." Er wolle in den kommenden Jahren Neugebauer weiter ärgern, erklärte Kaul. "Ich glaube, ich muss in ein, zwei Disziplinen noch ein bisschen was drauflegen, damit das dann auch ein Duell bleibt in den nächsten ein, zwei Jahren. Aber damit beschäftige ich mich, keine Ahnung, nächste Woche oder so." Erst einmal wolle er die Silbermedaille - ähnlich wie Neugebauer seinen EM-Titel - feiern. © dpa-infocom, dpa:260814-930-528646/1