Dax-Konzerne machen Rekordgeschäfte und streichen Jobs

Datum14.08.2026 10:45

Quellewww.spiegel.de

TLDRDax-Konzerne verzeichnen Rekordgewinne im zweiten Quartal, während die Wirtschaft insgesamt lahmt. Der Betriebsgewinn stieg um 16 Prozent auf 52,6 Milliarden Euro, getragen von Sektoren wie Rüstung, KI, Chemie und Finanzwesen. Dennoch bauen die Unternehmen massiv Stellen ab; 41.000 Jobs gingen im Vergleich zum Vorjahr verloren, hauptsächlich in der kriselnden Autobranche. Dies spiegelt eine wachsende Kluft zwischen profitablen Branchen und Sorgen in der klassischen Industrie wider.

InhaltDie Wirtschaft lahmt, viele Menschen verlieren ihre Jobs. Bei den Dax-Konzernen allerdings sprudeln die Gewinne kräftig. Wie passt das zusammen? Deutschlands größte Börsenkonzerne haben im zweiten Quartal insgesamt Rekordgeschäfte gemacht, bauen aber gleichzeitig Tausende Stellen ab. Die 40 Dax-Konzerne steigerten ihren Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) zum Vorjahreszeitraum um fast 16 Prozent auf zusammen 52,6 Milliarden Euro, das zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft EY, für die Quartalszahlen und Pressemitteilungen analysiert wurden. Das sei so viel wie noch nie in einem zweiten Quartal und zehn Prozent mehr als der bisherige Höchstwert von 2024 – trotz Irankriegs und Zollstreits mit den USA. Den höchsten operativen Quartalsgewinn meldete demnach die Deutsche Telekom (6,9 Milliarden Euro), gefolgt von Allianz (4,9 Mrd.), VW (3,5 Mrd.) und Siemens (3,4 Mrd.). Das stärkste Gewinnwachstum erzielten Bayer und der Immobilienkonzern Vonovia. Auch der Umsatz der Dax-Unternehmen erreichte mit rund 463 Milliarden Euro in Summe einen Bestwert und stieg um knapp 20,5 Milliarden Euro an. Laut der Studie werde das Wachstum allerdings von relativ wenigen Branchen getragen, die derzeit eine Sonderkonjunktur erlebten. Von der Rüstungsindustrie über die Profiteure künstlicher Intelligenz und Rechenzentren hin zu Chemieunternehmen, die wegen des Irankriegs und Versorgungsengpässen in Asien die Preise anheben konnten. Zudem verzeichneten Banken und Versicherungen zuletzt Rekordgewinne. "Bei vielen klassischen Industriekonzernen, allen voran in der Autobranche, ist von einer Trendwende dagegen nichts zu spüren", schreibt EY in der Studie. So verzeichneten die Autokonzerne im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang um 1,2 Prozent und einen operativen Gewinneinbruch um 12 Prozent. Das größte Minus beim Betriebsgewinn musste BMW mit 39 Prozent verkraften, bei VW und Daimler Truc ging es je um 9 Prozent bergab. "Wer nur auf die Rekordsummen schaut, könnte meinen, die Krise sei überstanden – aber das Gegenteil ist der Fall", sagt Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung bei EY. "Zum einen bleibt die Nachfrage am Heimatstandort Deutschland schwach, das Gewinn- und Umsatzwachstum findet in erster Linie im Ausland statt." Zum anderen sei die Lage in Teilen der Industrie fragil. Die Folge der Wirtschaftsflaute zeigt sich auch bei den Beschäftigten. Zum 30. Juni beschäftigten die Dax-Konzerne rund 3,49 Millionen Menschen – 41.000 weniger als ein Jahr zuvor. 21 von 37 Unternehmen, die Angaben zur Beschäftigung machen, bauten Jobs auf, 16 reduzierten sie. Vor allem der Stellenabbau in der Autobranche drückt die Beschäftigung, während etwa der Rüstungskonzern Rheinmetall kräftig Personal einstellte. Die Krise der Autobranche sei nicht ausgestanden, sagt Jan Brorhilker, Managing Partner bei EY. Hier gebe es weiter erheblichen Restrukturierungsbedarf "und wir werden einen weiteren Beschäftigungsrückgang sehen".Armin Papperger führt Rheinmetall wie ein Sonnenkönig. Jetzt wird ihm sein eigener Erfolg gefährlich. Hat der ehrgeizige Vorstandschef sich übernommen? Lesen Sie hier .