70. Geburtstag: Kardinal Woelki: So war der Dreh mit Hape Kerkeling

Datum14.08.2026 06:56

Quellewww.zeit.de

TLDRKardinal Rainer Maria Woelki feiert seinen 70. Geburtstag. Er reflektiert über seine Rolle als Kirchenführer und seine unerwartete Nebenrolle in Hape Kerkelings Film. Trotz Kritik, insbesondere bezüglich seiner Kommunikation zu Missbrauchsfällen, blickt er optimistisch in die Zukunft und betont seine Zufriedenheit mit seiner Amtsführung und positive Entwicklungen im Erzbistum Köln, wie hohe Erwachsenentaufen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „70. Geburtstag“. Lesen Sie jetzt „Kardinal Woelki: So war der Dreh mit Hape Kerkeling“. Der Kardinal zischt mit dem Fahrrad heran. Er kommt gerade von einem Besuch bei seiner 97 Jahre alten Mutter. Sie war auch die Erste, die er vergangenes Jahr anrief, als er nach der Wahl von Papst Leo XIV. aus der Sixtinischen Kapelle in Rom kam. Zwei Päpste hat Rainer Maria Woelki nun schon mitgewählt. Am Dienstag (18. August) wird er 70 Jahre alt. Einige Minuten nachdem er sein Fahrrad verstaut hat, sitzt er auf der Terrasse des Erzbischöflichen Hauses in der Kölner Innenstadt. Er gibt nicht gern Interviews, sein Unbehagen ist in solchen Situationen oft geradezu greifbar. An diesem Tag aber ist er lockerer, vielleicht hat es damit zu tun, dass die Sonne scheint - er mag das. Stichwort Hitze: Darf man eigentlich um Regen beten? "Natürlich", antwortet er der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist eine alte kirchliche Tradition." Woelki bewegt sich in Köln ganz überwiegend im kirchlichen Kontext, am gesellschaftlichen Leben nimmt er kaum teil. Allerdings gab es dieses Jahr eine große Ausnahme: In dem Kinofilm "Horst Schlämmer sucht das Glück" hatte er eine Nebenrolle - er spielte sich selbst. Dass der Kardinal da zugesagt habe, habe ihn "sehr erstaunt", sagte Kerkeling der dpa.  Woelki hat den Film bis heute nicht gesehen. "Nicht etwa aus mangelndem Interesse. Es hat etwas mit meinem Naturell zu tun. Ich kann mich selbst nur schwer auf einem Bildschirm oder gar auf einer Leinwand ertragen." Es sei aber insgesamt eine schöne Erfahrung gewesen, und einige Leute hätten ihm auch gespiegelt, dass er seine Sache ganz gut gemacht habe.  "Ich habe Herrn Kerkeling bei diesem Dreh und beim Vorgespräch als einen sehr feinen, sensiblen Menschen kennengelernt, und das hat mich sehr berührt", sagt er. "Was mir auch gefallen hat, ist, dass er die Kirche und ihre unterschiedlichen Typen mit einem feinen Humor parodiert, ohne dabei aber den Glauben lächerlich zu machen. Das fand ich sehr respektvoll." Und er habe sich darüber gefreut, dass Kerkeling sich im Anschluss so nett über ihn geäußert habe - "obwohl er mit Sicherheit nicht alle meine kirchenpolitischen Positionen teilt. Auch das finde ich sehr liebenswert." Es ist nicht leicht, an den Menschen Woelki heranzukommen. Einer, der da vielleicht helfen kann, ist Pastor Franz Meurer, der dieses Jahr für seine Verdienste um gesellschaftlichen Zusammenhalt mit der Mevlüde-Genç-Medaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet wurde. Er kennt Woelki seit Kindertagen, beide wuchsen in derselben Siedlung auf. Woelki habe damals eine "tolle Freundin" gehabt, erinnert er sich. "Ein normaler kölscher Jung." So beschreibt er ihn. Wobei: "Kölsch" im Sinne von jovial und gesellig? So wirkt Woelki ja nun gerade nicht. Doch Meurer bleibt bei seiner Einschätzung: "Im persönlichen Kontakt ist er sehr zuvorkommend, freundlich, bedient immer."  Wie aber konnte es dann geschehen, dass Woelki heute als einer der umstrittensten Kirchenmänner der Republik gilt? "Der Witz ist ja der", holt Meurer aus, "in allen Religionen, allen Kirchen gibt es unterschiedliche Positionen. Es gibt eine eher liberale Position, da gehöre ich zum Beispiel zu. Es gibt eher fundamentale Positionen, das war - nicht theologisch, aber politisch - Papst Benedikt. Es gibt Leute, die sind ein bisschen heizefeiz wie Papst Franziskus, also immer für Überraschungen gut." Und wo sieht er Woelki? "Ich habe immer gesagt, er ist eine ehrliche Haut. Ich sage aber auch: Oft will er das Beste und macht das Falsche." Falsch sei zum Beispiel, dass er oft den Rechtsweg beschreite. Wer sich länger mit Woelki unterhält, der spürt - auch wenn er es nicht ausspricht - eine tiefe Verletzung durch öffentliche Kritik und Zurückweisung. Sie dürfte auch der Grund für die Klageverfahren etwa gegen Medienberichte sein. "Es gab sicher Momente, in denen ich mich in den Medien nicht fair dargestellt gefühlt habe", sagt er. Inzwischen habe er sich damit aber versöhnt. Kritiker würden an dieser Stelle einbringen, dass es immerhin Papst Franziskus selbst war, der ihm einst "große Fehler" in seiner Kommunikation zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen vorwarf. Woelki selbst beruft sich darauf, mit als erster ein unabhängiges Gutachten zum Umgang des Erzbistums mit Kindesmissbrauch in Auftrag gegeben zu haben - ein Gutachten, in dem die Verantwortlichen namentlich benannt wurden.  Die Medien hätten ihm Etiketten aufgeklebt, sagt er. "In Berlin war ich der junge, dialogfreudige Bischof, in Köln der Hardliner." Seine eigene Sicht: "Natürlich habe ich mich im Laufe der Jahre verändert, aber im Kern bin ich derselbe geblieben." Und: "Das meiste würde ich heute wieder so machen, wie ich es gemacht habe."  Woelki steht an der Spitze eines Bistums, das für eine besondere Ausprägung des Katholizismus bekannt ist: den rheinischen. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er den lieben Gott auch mal einen guten Mann sein lässt, also alles nicht so furchtbar ernst nimmt. Stattdessen schätzt der rheinische Katholik Pragmatismus, Toleranz und Lebensfreude. Woelki ist nun zwar gebürtiger Kölner und lebenslanger FC-Fan, aber sonst nicht unbedingt ein rheinischer Katholik in idealtypischer Ausprägung. So ist er definitiv einer der Bischöfe, die sich dem Erneuerungsprozess der katholischen Kirche in Deutschland, dem Synodalen Weg, am entschiedensten widersetzen. Aus seiner eigenen Perspektive geschieht dies aber nicht aus ideologischer Verbohrtheit. "Alles, was ich gesagt habe, war, dass wir den Menschen keine Versprechen machen sollten, die wir am Ende nicht halten können. Eine Forderung wie die nach dem Diakonat der Frau, die ist eben weltkirchlich nicht durchzusetzen." Bis vor wenigen Jahren war das Erzbistum Köln das größte Bistum in Deutschland, mittlerweile ist es hinter Münster auf Platz 2 zurückgefallen. Hauptgrund: Kirchenaustritte. Woelki verweist auf etwas anderes: "Nach Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz sind wir hier in Köln das Bistum mit den meisten Erwachsenentaufen. Ich bin überrascht und glücklich darüber, was in den letzten Jahren bei uns alles gewachsen ist."  Bischöfe werden normalerweise erst mit 75 vom Papst in den Ruhestand geschickt. Demnach bleiben Woelki noch fünf Jahre. "Ich kann sagen, dass ich mich weder alt noch müde fühle. Eher beflügelt. Eigentlich hat mir meine Tätigkeit noch nie so viel Spaß gemacht wie jetzt." © dpa-infocom, dpa:260814-930-527576/1