Künstliche Intelligenz: Agenten! Überall Agenten!

Datum13.08.2026 18:48

Quellewww.zeit.de

TLDRKI-Agenten zeigen eigenständiges Verhalten, was Bedenken weckt. Unternehmen wie OpenAI und Anthropic werden auf "illegalen Aktivitäten" von KI-Agenten gelistet. Google verliert Spitzenforscher wie Jeff Dean, während Demis Hassabis neue Rolle übernimmt. Der maschinengenerierte Internetverkehr übertrifft bald den menschlichen. Meta veröffentlicht das KI-Modell Glimmer. Mark Zuckerbergs Vision einer KI-optimierten Zukunft stößt auf Kritik bezüglich des Verständnisses von Lebensqualität und Beziehungen.

InhaltBei Google geht KI-Spitzenpersonal. Bots ersetzen wohl den Menschen im Netz. Und: Mark Zuckerbergs trauriges Verständnis von einer besseren Zukunft. Der KI-Newsletter Sie lesen den KI-Newsletter "Natürlich intelligent" vom 13. August 2026. Um den Newsletter jeden Donnerstag per Mail zu erhalten, melden Sie sich hier an. Im Internet mag in den vergangenen Jahren einiges kaputtgegangen sein, aber immerhin der Galgenhumor-Reflex ist noch intakt. Gut drei Wochen ist es her, seit OpenAI die Öffentlichkeit über den eigenmächtigen Hacking-Ausflug seiner KI-Modelle informierte. Seitdem trudeln immer neue Berichte über KI-Agenten ein, die halbwegs eigenständig Ziele angreifen. Das löst bei manchem Beobachter gewisse Panikreflexe aus. Die Seite felonybench.com versucht es dagegen mit einer Mischung aus Quantifizierung und Zynismus: Sie zählt einfach die "illegalen Aktivitäten" der KI-Agenten. Auf der einfach gestalteten Seite steht ein Balkendiagramm, in dem derzeit Anthropic (insgesamt acht Angriffe auf Dritte) die Führung übernommen hat, vor OpenAI (sieben Fälle) und Meta (ein Fall). Einfach nur aus seiner vermeintlich sicheren Testumgebung stiften zu gehen, reiche nicht aus, um in ihrer Zählung aufzutauchen, schreiben die Macher von felonybench.com. Weswegen zum Beispiel der jüngste Fall des Sandkastenausbruchs vom chinesischen Modell Kimi K3 nicht in ihrem Balkendiagramm auftaucht. Anfang der Woche wurde bekannt, dass die bisherige Leiterin für KI-Ethik bei OpenAI, Chloé Bakalar, das Unternehmen nach weniger als einem Jahr wieder verlässt. Medienberichten zufolge soll sie die einzige hauptamtliche Ethikerin im Unternehmen gewesen sein. Eine Nachfolgerin soll es nicht geben. Jeff Dean ist so etwas wie der googeligste Google-Mitarbeiter aller Zeiten. Seit 27 Jahren im Konzern, Mitarbeiter Nummer 30, Schöpfer des KI-Labors Google Brain, seit Jahren Forschungschef bei Google. Eine Reihe von Witzen schreibt Dean fast Chuck-Norris-artige Fähigkeiten zu. Er gilt als Googles gutes Gewissen im Ethikdiskurs des Konzerns: Als Hunderte Google-KI-Mitarbeiter im Januar von ihrem Konzern rote Linien beim KI-Einsatz seitens der US-Regierung und -Armee verlangten, schrieben sie nicht an den Geschäftsführer Sundar Pichai, sondern an Dean. Ebendieser allseits beliebte Jeff Dean verlässt nun Google – gemeinsam mit drei weiteren Spitzen-KI-Forschern. Gemeinsam wollen sie ein Start-up für KI hochziehen. Ein herber Verlust für den Konzern, ein ehemaliger Kollege Deans spricht in der New York Times sogar von einem möglichen Krisenmoment: "Google verliert so viel Talent wie keine andere Firma." Gleichzeitig hat Google einen KI-Talent-Kader, so ergiebig wie die Ersatzbank der französischen Fußballnationalmannschaft: Schon kurz nach der Ankündigung von Deans Weggang wurde Nobelpreisträger Demis Hassabis, bislang Chef von Googles KI-Labor DeepMind, zum Chefwissenschaftler des gesamten Alphabet-Konzerns erklärt. Er schreibt, er werde in seiner künftigen Rolle eng mit CEO Pichai an "strategischen und globalen AGI-Angelegenheiten" arbeiten – also nicht weniger als der Entwicklung der allgemeinen Superintelligenz. Auch deshalb bemerkenswert, weil Hassabis die Superintelligenz in einem Interview mit der ZEIT für erreichbar hielt. Seit Mai sind wir im Internet in der Minderheit. Das zumindest sagt sinngemäß Thomas Seifert, Finanzchef der Firma Cloudflare. Denn da habe der maschinengenerierte Internetverkehr den menschengemachten überholt. Diese Entwicklung habe man eigentlich erst für 2027 erwartet. Seiferts Arbeitgeber Cloudflare filtert den Datenverkehr im Netz. Anders gesagt: Es ist das Geschäft des Unternehmens, zu wissen, von wem verschickte Datenpakete stammen. Wenn der Trend weitergehe, erwarte sein Unternehmen, dass der nicht menschliche Traffic in fünf Jahren tausendmal umfangreicher sein wird als der menschliche, sagte Seifert in einer Telefonkonferenz zu den Geschäftszahlen, von der der Fachdienst The Register berichtet. "Mit anderen Worten: Menschen werden ein Rundungsfehler im Internet sein." Einfach weil der Anteil des nicht menschlichen Datenverkehrs so stark steige – aufgrund von KI. Wenn das tatsächlich so käme, würden alle recht behalten, die sich schon länger vor einem toten Internet fürchten: einem weltweiten Netz, das nicht mehr primär der Kommunikation von Menschen dient, sondern von Bots, KI-Agenten und KI-generiertem Slop. Abgesehen von der Frage, wie interessant ein solcher Ort für uns Fleischgehirne überhaupt noch wäre, könnte spannend werden, wie man Geschäftsmodelle online umbaut, wenn sich dort kaum noch Geld mit uns verdienen ließe. Meta hat jetzt was für alle. Glimmer nämlich. Ein neues KI-Modell, das man kostenlos herunterladen und modifizieren kann. Es ist nach Unternehmensangaben für den Einsatz auf Consumer-Hardware optimiert, darf aber auch für kommerzielle Zwecke verwendet werden und taugt ebenso für agentische Anwendungen. Ich sag’s, wie es ist: Ich habe nichts davon selbst getestet. Ich war zu hypnotisiert von einer Art Begleitschreiben, das Mark Zuckerberg parallel veröffentlicht hat. Dass er darin den Segen von KI anpreist, verbunden mit einem Demokratisierungsversprechen, ist vielleicht noch erwartbar (wenn auch nicht überzeugend – gerade aus Zuckerbergs Mund). Wüst liest sich aber, wie Zuckerberg damit wirbt, dass KI-Agenten künftig rund um die Uhr nicht nur Arbeit, Karriere und Finanzen verbessern könnten, sondern auch "Hobbys" und "Beziehungen". Damit man mehr freie Zeit hat für die Dinge, die man eigentlich genießt. In einem hübschen kleinen Wutausbruch namens "Mark Zuckerberg versteht nicht, wie man lebt" seziert die The-Verge-Journalistin Elizabeth Lopatto das traurige Verständnis von Lebensführung dahinter. Eine Art Anti-Savoir-vivre, fixiert aufs Erreichen, Abhaken, Wegverwalten. Als wären Hobbys nicht etwas, das man ausüben möchte. Als wären Beziehungen zu anderen Menschen nicht etwas, was man pflegen will. Als entstünde Lebensfreude nicht gerade dadurch, dass man Dinge selbst erlebt. Was wäre zu tun mit der eingesparten Zeit, wenn die KI unser Leben an uns vorbeierledigt?