Katastrophenschutzübung: Nach Pannen bei Rettungsübung: Streit um Verantwortung

Datum13.08.2026 16:10

Quellewww.zeit.de

TLDRNach Pannen bei einer Rettungsübung im Thüringer Wald streiten Land und Ilm-Kreis über die Verantwortung. Das Innenministerium weist die Kritik der Landrätin zurück und betont, dass der Kreis für Rettungsdienst und Feuerwehr zuständig sei, inklusive des Versendens von Alarmfaxen. Die Landrätin kritisiert, dass trotz früherer Ankündigungen keine Systemänderungen erfolgten und das Ministerium sowie die Bahn fehlerhaft agierten. Die Übung deckte Schwachstellen in der Alarmierungskette auf, was zu erheblichen Verzögerungen führte.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Katastrophenschutzübung“. Lesen Sie jetzt „Nach Pannen bei Rettungsübung: Streit um Verantwortung“. Nach den Pannen bei der Rettungsübung im Sandbergtunnel an der ICE-Trasse durch den Thüringer Wald streiten das Land und der Ilm-Kreis über die Verantwortung. Das Innenministerium wies die Vorwürfe von Landrätin Peter Enders zurück, die dem Land die Schuld an den Problemen gab. "Der Ilm-Kreis muss die Aufgaben von Rettungsdienst und Feuerwehr erfüllen, wie jeder andere Landkreis auch", erklärte Innenstaatssekretär Andreas Bausewein dazu.  Dazu gehöre auch, ein sogenanntes Alarmfax zu versenden. Leitstellen in ganz Deutschland würden beweisen, dass dieses Verfahren zuverlässig funktioniere, so Bausewein. Das Fax gelte als sicheres und weit verbreitetes Kommunikationsmittel und vermeide Schnittstellenprobleme weitgehend. Anders als früher werde es heute aber digital übermittelt. Unabhängig davon müsse eine Leitstelle bei Ausfall eines Kommunikationsweges auf alternative Möglichkeiten zurückgreifen können. Entscheidend sei, dass Menschen in Not schnellstmöglich Hilfe erhielten. Die Landrätin hatte im "Freien Wort" ihre Kritik daran bekräftigt, dass Rettungsleitstellen noch immer nach Vorgaben des Ministeriums Notrufe per Fax an Krankenhäuser oder andere Leitstellen versenden. Laut der Landrätin hatte das Ministerium bereits vor drei Jahren nach einer ähnlichen Übung erhebliche Probleme mit dem System festgestellt und Änderungen angekündigt. Geändert habe sich seitdem jedoch nichts. Auch das Zusammenspiel zwischen Ministerium und Bahn monierte Enders. Der Großeinsatz am Wochenende im Ilm-Kreis, bei dem ein Rettungseinsatz in einem brennenden ICE in dem rund 1,3 Kilometer langen Tunnel geübt wurde, hatte erhebliche Schwachstellen in der Melde- und Alarmierungskette offengelegt. Dabei war unter anderem der abgesetzte Notruf des Lokführers zunächst bei der Bahn in Leipzig und dann bei der Leitstelle in Arnstadt hängengeblieben. Zwei von mehreren Gründen dafür, dass erst nach rund zwei Stunden mit der Rettung der Fahrgäste aus dem verrauchten Tunnel begonnen werden konnte. "Die Übung im Sandberg-Tunnel hat deutlich gemacht, wie wichtig leistungsfähige, ausfallsichere und miteinander vernetzte Leitstellen sind", warb Bausewein erneut für eine Reform der Leitstellenstruktur. "Auf Dauer kann es nicht richtig sein, dass wir in Thüringen eine Leitstelle für den Polizeinotruf 110, aber mehr als zehn Leitstellen für den Notruf 112 betreiben." Gerade in außergewöhnlichen Lagen müssten Leitstellen leistungsfähig sein, sich gegenseitig unterstützen und bei Ausfällen füreinander einspringen können. Ein erster Anlauf, die Zahl der Leitstellen deutlich zu verringern, war am Widerstand verschiedener kommunaler Aufgabenträger gescheitert. © dpa-infocom, dpa:260813-930-525514/1