Datum13.08.2026 15:36
Quellewww.zeit.de
TLDRDas extreme Niedrigwasser des Rheins legt eine Vielzahl von Objekten frei, darunter Autoreifen, Fahrräder, E-Scooter und sogar Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Umweltinitiativen sammeln tonnenweise Müll und bergen gefährliche Altlasten. Kampfmittelräumdienste sind im Dauereinsatz, um Funde wie Fliegerbomben zu entschärfen. Anwohner und Helfer werden dringend gewarnt, solche Gegenstände nicht zu berühren und Verdachtsfälle umgehend den Behörden zu melden.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Aus den Fluten aufgetaucht“. Lesen Sie jetzt „Von Autoreifen bis Zweirädern - die Geheimnisse des Rheins“. Es geht nicht mehr um Hunderte Kilogramm, sondern um viele Tonnen: Mit dem historischen Niedrigwasser gibt der schmal und flach gewordene Rhein so einige Geheimnisse preis. Das sagenumwobene Rheingold ist zwar nicht darunter. Dafür kommen große Hinterlassenschaften wie Reifen, Fässer und Zweiräder ans Tageslicht. Umweltinitiativen machen sich ans Werk, den Müll zu bergen und Behörden über Altlasten zu informieren. Mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges tauchen auch Munition und Fliegerbomben auf. Der Kampfmittelräumdienst ist am Rhein im Dauereinsatz, wie die Bezirksregierung Düsseldorf schildert. So wurde in Köln im Rhein eine amerikanische Fünf-Zentner-Bombe entschärft. Zwischen Köln und Bonn war bei Niederkassel Wochen zuvor eine deutsche Wasserbombe entdeckt worden, mit der die Wehrmacht vermutlich eine Brücke sprengen wollte, heißt es. Bei einer Müllsammelaktion ist in Düsseldorf auch ein brisanter Fund gemacht worden. "Kürzlich fanden wir Reste einer Flak-Granate an der Theodor-Heuss-Brücke", sagt Victoria Blocksdorf. Die Polizei musste anrücken. Das Team von Blockblocks Cleanup habe auch einige leckgeschlagene Ölfässer entdeckt. Die Entsorgung dieses Sondermülls sei dann ein Fall für Feuerwehr und Umweltamt. Zu den jüngsten Fundstücken gehörte auch ein großer Reifen. Mirjam Schenke von der Umweltinitiative RhineCleanUp verdeutlicht: "Mit dem extremen Niedrigwasser kommen jetzt sehr große Gegenstände zutage wie E-Scooter, Fahrräder, Reifen der unterschiedlichsten Fahrzeugkategorien vom Fahrrad bis zum Lkw, Schiffstaue, Metallschrott und so weiter." Vermutlich seien viele Fundstücke über Brückengeländer in den Rhein geworfen worden. Die Müllmenge, die die Ehrenamtler zusammentragen, sei deutlich gewachsen. Bei einem normalen zweistündigen "CleanUp" am Rhein würden im Schnitt bis zu 200 Kilogramm gesammelt, erklärt Schenke. Bei der Partner-Organisation Blockblocks seien es in Düsseldorf bei einem Sondereinsatz mit 35 Helfern an einem Strand über 1,5 Tonnen Müll gewesen. "Mit normalen Müllgreifern kommt man hier nicht weit, hier werden mindestens stabile Schaufeln benötigt." Bei einer weiteren Sammelaktion seien in Düsseldorf jüngst über 1,7 Tonnen zusammengekommen, darunter ein 100 Kilogramm schwerer Traktorreifen, ein Röhrenfernseher und ein riesiger Teppich, zählen Schenke und Blocksdorf auf. Auch einige Einkaufswagen seien ausgegraben und geborgen worden. Andere Einkaufswagen steckten aber zu tief im Flussbett des Rheins an der Stelle. Nach Angaben der Stadt haben Bürger in den vergangenen Wochen über die App "Düsseldorf bleibt sauber" diverse Gegenstände gemeldet, die aufgrund des Niedrigwassers im Flussbett, dem sogenannten "Rheinstrand", zum Vorschein kamen. "Hierbei handelte es sich um rostige Fässer beziehungsweise Fassreste, Metallgegenstände und insbesondere auch Autoreifen und große Lkw-Reifen", beschreibt eine Sprecherin der Stadt die Palette der Funde. Auch im Rahmen einer ehrenamtlichen Müllsammelaktion seien derartige Gegenstände gefunden worden, erklärt die Stadtsprecherin. "Die Feuerwehr und das Umweltamt wurden von der ehrenamtlichen Initiative während der Aktion hinzugerufen, um die kritischeren Abfälle zunächst zu begutachten und schließlich zu sichern." Insgesamt sind nach der Einschätzung der Stadt Düsseldorf mehrere Tonnen Abfälle zusammengekommen. Für die Kölner Initiative K.R.A.K.E sind E-Scooter im Rhein ein Schwerpunkt. "In den vergangenen Wochen haben wir auf Höhe der Kölner Altstadt rund 20 E-Scooter sowie 17 Fahrräder aus dem Rhein geborgen", sagt Manuela Lamp, 2. Vorsitzende des Vereins. Je nach Fundstelle sei dies sehr aufwendig, da die schweren Funde über die Kaimauer gezogen werden müssen. "Dafür benötigen wir mehrere kräftige Helfer." Weitere E-Scooter seien bereits gesichtet worden. Für den kommenden Samstag plant die Kölner Initiative entlang des Rheins im Bereich zwischen der Hohenzollernbrücke und der Bastei eine weitere Aktion. Neben einem "CleanUp" am derzeit durch das Niedrigwasser freiliegenden Rheinufer sei auch die Bergung von Scootern und Fahrrädern vorgesehen. Die Stadt Bonn warnt vor den Gefahren, die von den Kampfmitteln ausgehen. Der Appell an die Bürger lautet: "unbedingt die unbefestigten, trockenen Ränder des Flussbettes zu meiden und keine Kampfmittel einzusammeln oder sonst in irgendeiner Weise zu bewegen, da sie auch nach vielen Jahrzehnten noch eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben darstellen können". Verdächtige Gegenstände sollten umgehend dem Ordnungsdienst, der Polizei oder der Feuerwehr gemeldet werden. "Von dort werden dann die erforderlichen Maßnahmen getroffen", heißt es. Die Stadt Bonn rät außerdem dazu, sich vom Fundort zu entfernen und andere Personen, die sich gegebenenfalls in dem Gefahrenbereich aufhalten, ebenfalls dazu aufzufordern. Bei den Sondersammelaktionen der lokalen Partner sei auch fachkundiges Personal dabei gewesen, das eine erste Einschätzung über die Gefahrensituation abgeben könne, erklärt Mirjam Schenke von RhineCleanUp und fügt hinzu: "Unsere Gruppen haben wir bereits und werden sie nochmal vor dem 12. September auf diese Gefahrensituation bei Niedrigwasser hinweisen." Für diesen Tag ist ein bundesweiter "CleanUp"-Tag aktuell in Vorbereitung. © dpa-infocom, dpa:260813-930-521752/2