Agrar: Kühe im Hitzestress - Landwirt sorgt sich um Futter

Datum13.08.2026 14:11

Quellewww.zeit.de

TLDRExtremhitze und Trockenheit setzen Milchkühen und der Futterversorgung zu. Landwirt Marcus Geck leidet unter Hitzestress seiner Tiere und muss mit knapper werdendem Futter für den Winter rechnen, da die Maisernte schlecht ausfällt. Hitzebedingte Ausfälle sind zu verzeichnen. Langfristig sind Investitionen in Anpassung an den Klimawandel und Risikovorsorge für die Landwirtschaft nötig.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Agrar“. Lesen Sie jetzt „Kühe im Hitzestress - Landwirt sorgt sich um Futter“. Einen Sommer wie diesen hat Landwirt Marcus Geck noch nicht erlebt. Wiederkehrende Hitzewellen haben den 75 Milchkühen, die er auf seinem Hof in Butzbach-Nieder-Weisel in der Wetterau hält, in den vergangenen Wochen teils schwer zu schaffen gemacht. Auch wenn jetzt etwas kühlere Tage in Sicht sind, dürfte der Hitzesommer noch lange nachwirken, fürchtet der Milchbauer. Trägheit, weniger Milchleistung und Futteraufnahme - das alles sind deutliche Anzeichen dafür, dass Kühe unter Hitzestress leiden. Durch ihren hohen Stoffwechsel produzieren die Tiere viel Eigenwärme, schwitzen können sie kaum. Wohl fühlen sich Kühe bei Temperaturen zwischen etwa plus 15 und minus 10 Grad, sagt Geck. In diesem Sommer aber zeigte das Thermometer teils um die 40 Grad, und Geck musste miterleben, wie seine Tiere stark hechelten - ein Anblick, der nur schwer zu ertragen gewesen sei. Eine Kuh, die an einem heißen Tag Zwillingskälbchen auf die Welt gebracht hatte, verlor Geck sogar. Mit viel Wasser habe er immer wieder versucht, den Tieren etwas Abkühlung zu verschaffen, doch damit das wirklich gelingt, wäre eine zusätzliche Belüftung nötig gewesen, die er jetzt einbauen will. Denn schon jetzt sei absehbar, dass künftig häufiger mit Hitzesommern wie in diesem Jahr gerechnet werden müsse. Jetzt wird zudem das Futter knapp, denn die Maisernte dürfte in diesem Jahr wegen der extremen Trockenheit nur spärlich ausfallen. Auf den Maisfeldern rund um den Betrieb kann man das sehen: Die Pflanzen sind deutlich niedriger gewachsen als üblich zu dieser Jahreszeit, ihre Blätter rollen sich ein und haben sich an einigen Stellen bereits hellbraun verfärbt, Kolben fehlen ganz oder sind klein geblieben. Schon bald wird Geck ernten müssen, und damit mehrere Wochen früher als üblich, denn selbst wenn es jetzt noch regnen sollte, wird das nicht mehr wirklich viel helfen. Knapp ist in diesem Jahr auch die Grassilage, ein weiteres wichtiges Futtermittel für die Kühe. Besser sieht es mit Biertreber aus, das sind feste Rückstände des Braumalzes, die beim Bierbrauen übrig bleiben. Aber nicht nur Milchbauern sorgen sich um das Futter - auch Schaf- und Pferdehalter sind betroffen, da diese Betriebe in besonderem Maße auf Grundfutter wie Gras, Heu und Mais angewiesen sind, wie eine Sprecherin des Hessischen Bauernverbandes erklärt. "Gerade Grünlandbestände reagieren unmittelbar auf anhaltende Trockenheit: Wenn Niederschläge ausbleiben oder regional sehr ungleich verteilt sind, wächst Gras deutlich schlechter nach, Weiden trocknen aus und die Futtergrundlage für die Tiere wird knapp." Geck konnte zum Glück bei einem anderen Bauern noch etwas Futter für seine Kühe zukaufen. "Damit kommen wir über den Winter", sagt der 38-Jährige, der den Familienbetrieb zusammen mit seiner Frau und seiner Mutter sowie einer Auszubildenden bewirtschaftet.  Die Gecks hängen an ihren Tieren. Alle haben neben den Ohrnummern auch Namen, und die Jersey-Rinder kommen, wenn seine Frau sie ruft, sagt Geck. Auch wenn der Hof konventionell bewirtschaftet wird, dürfen einige der Kühe hier alt werden, ein jährliches Kalben wird ihnen nicht abverlangt. Eines der Tiere ließ Geck vor einiger Zeit mit damals schon 19 Jahren einschläfern - vorher durfte die Milchkuh noch gelegentlich kleine Spaziergänge auf dem Hof unternehmen, um dann wieder zurück in den Stall zu ihren Artgenossinnen zu gehen.  Wenn es doch einmal für eine der Kühe zum Schlachten geht, dann soll sie möglichst wenig leiden: Auf einem benachbarten Hof in nur zwei Minuten Entfernung gibt es eine spezielle Box dafür, weite Transportwege für die Tiere entfallen so. Geck selbst allerdings bringt es nicht über sich, seine Kühe dort hineinzuführen, wie er sagt - dafür verbringt er einfach zu viel Zeit mit ihrer Aufzucht und Pflege. Für seinen Milchviehbetrieb gilt die Haltungsform Stufe 3 - die Kühe stehen in einem Offenstall mit Laufhof, jede hat einen Liege- und einen Fressplatz, sie gehen selbstständig zum Melken am Roboter, ihr Gesundheitszustand wird ständig überwacht. All das bedeutet hohen Aufwand, der sich angesichts gestiegener Diesel- und Energiekosten und bei zugleich deutlich gesunkenen Milchpreisen ohnehin immer schwerer abfedern lasse, sagt Geck. Dass jetzt noch höhere Futterkosten durch die Trockenheit hinzukommen, könne einem schon ein wenig die Lust auf den Beruf verderben, den der Landwirt eigentlich mit Herzblut macht. Nur eine Woche Urlaub gönnt sich der 38-Jährige pro Jahr mit seiner Frau, die neben der Arbeit auf dem Hof noch einen Teilzeitjob hat. An diesen wenigen Tagen wollen die beiden aber auch einmal komplett abschalten im wahrsten Sinne - mit dem Flieger geht es für die Woche in den Badeurlaub, das Handy bleibt die ganze Zeit über aus. Die Arbeit versehen während dieser Zeit die jeweiligen Auszubildenden, ein befreundeter Landwirt schaut mit darauf, dass alles gut geht. Wenn der dann wiederum selbst Urlaub machen will, läuft es umgekehrt, und Geck unterstützt den Freund. In Zukunft werden sich er und seine Berufskollegen zunehmend mit Wetterextremen wie der Hitze in diesem Sommer auseinandersetzen müssen, weiß Geck. Auf spezielle Hilfen, um die Folgen der Dürre abzumildern, können sie aktuell eher nicht hoffen, erwartet die Sprecherin des Bauernverbands. "Langfristig braucht die Landwirtschaft jedoch vor allem Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel." Dazu gehörten Investitionen in Wassermanagement und Wasserrückhalt ebenso wie Bewässerungstechnik, klimaresiliente Bewirtschaftungssysteme und geeignete Instrumente zur Risikoabsicherung. In den Fokus rücke zudem die Einführung einer staatlich geförderten Mehrgefahrenversicherung und einer Risikoausgleichsrücklage als zentrale Instrumente der Risikovorsorge. © dpa-infocom, dpa:260813-930-524659/1